Trotz Widerstands
Cancun - Beim UNO-Klimagipfel hat China die
Industrieländer aufgefordert, sich zu einer Fortführung des
Kyoto-Protokolls zur Begrenzung des Ausstoßes von Treibhausgasen zu
verpflichten. Es sei für Peking "entscheidend", in Cancun "eine
Bestätigung zu bekommen, dass es eine zweite Phase der Verpflichtung
geben wird", sagte der chinesische Verhandlungsführer Su Wei der
Nachrichtenagentur AFP am Samstag (Ortszeit). Das 1997 vereinbarte
Kyoto-Protokoll verpflichtet die Industrieländer, ihren
Treibhausgasausstoß um bestimmte Werte zu senken. Es läuft im Jahr
2012 aus. Schwellen- und Entwicklungsländer fordern, dass es
verlängert wird.
Dies stößt aber bei mehreren Industriestaaten auf Widerstand.
Japan hat Anfang der Woche deutlich gemacht, dass es keine
Verlängerung wünscht. Auch Kanada und Russland zeigten sich zögernd
bis ablehnend. Sie verweisen darauf, dass die Unterzeichner des
Kyoto-Protokolls heute nur noch für 30 Prozent der
Treibhausgasemissionen stehen und China inzwischen der größte
Verschmutzer weltweit ist. Die Schwellenländer pochen wiederum
darauf, ein Recht auf wirtschaftliche Entwicklung zu haben und sehen
die Industriestaaten in der Pflicht, angesichts jahrzehntelanger
Verschmutzung in Vorleistung zu treten.
Der Chefunterhändler der Europäischen Union, Artur
Runge-Metzger,
hatte die Frage des Kyoto-Protokolls am Freitag mit einem
"Damoklesschwert" über den Verhandlungen beim Klimagipfel im
mexikanischen Cancun verglichen. Chinas Verhandlungsführer Su Wei
sagte nun, sein Land verlange in Cancun nicht unbedingt schon
"konkrete Zahlen" für die weitere Verringerung des CO2-Ausstoßes
durch die Industrieländer. "Wir können darüber im nächsten Jahr
diskutieren", sagte er. "Aber es ist sehr wichtig, eine klare
Botschaft in die Welt zu schicken, dass das Kyoto-Protokoll
fortgeschrieben wird." (APA/AFP)