BBAg, baba

7. Mai 2003, 12:44
30 Postings

Die Biere der Brau-Union waren schon die längste Zeit standardisiert, nivelliert, industrialisiert. Dort, wo sie jetzt dazugehören, gilt das als positives Merkmal.

Man bildet sich viel ein in Österreich, auch auf das eigene Bier. Es sei besser als das deutsche, das wir nämlich gern als dünnes G’schladern bezeichnen, es sei besser als das belgische, weil von dem wissen wir zwar nix, aber das ist ja auch wurscht, es sei besser als das böhmische, außer, wenn wir es bei uns im Prater trinken, da ist es dann schon ganz gut. Nun ja, Geschmäcker sind relativ, und die Österreicher zählen sicher nicht umsonst zu den Top-Biertrinkern der Welt (mengenmäßig!), das wird seinen Grund sicher in einer gewissen Qualität auch haben.

Allerdings bildet man sich in Österreich nicht nur viel ein, man schätzt auch die Auswahl nicht so sehr, Monopole und unumstrittene Marktführer sind einem da schon lieber: Das Einkaufswagerl wird beim Billa (oder beim Spar) gefüllt, die Meinung bezieht man täglich aus der Kronenzeitung, wöchentlich aus einem Blatt der Profat-Gruppe, elektronisch vom guten Onkel ORF, das Geld trägt man brav zur Bank Austria, und auch sonst schätzt man die pragmatischen Vorteile des Allein-Anbieters sehr. Zum Beispiel eben auch beim Bier, wo die Brau Union es sowohl durch den strategischen Zusammenschluss von Steirerbrau und Brau AG als auch durch aggressives Verhalten gegenüber kleineren Brauereien geschafft hat, zur beherrschenden Kraft zu werden. Dass Schwechater, Gösser und Zipfer – dereinst durchaus Biere mit individuellem Charakter – früher oder später alle gleich schmeckten, hat in Österreich niemanden wirklich gestört, was wirklich nicht für unsere Bierkultur spricht, auf die wir bei jeder Gelegenheit so gerne verweisen (siehe entsprechende Postings, die da sicher kommen werden).

Nun ja, aber trotz aller Größe und Standardisierung hatte der Konzern noch ein paar nahezu unentdeckte Schätze im Keller: Allen voran das beste Gösser des Landes, ironischerweise in der Lienzer Brauerei „Falkenstein“ in winziger Auflage hergestellt, köstlich und mit der Industrie-Perle gleichen Namens unvergleichbar; oder die Beteiligung (und das heißt bei der Brau-Union, dass bald zur Gänze geschluckt wird) der Schladminger Brauerei, wo auch noch ein wirklich feines Bier gebraut wird; und nicht zuletzt die qualitätsorientierte Marketing-Kraftanstrengung des Reininghaus Jahrgangs-Pilses, ein stark hopfig geprägtes, für österreichische Süßbier-Verhältnisse knochentrockenes Bier, das durchaus Spaß machen kann. Es sei durchaus Konzept, dass kleinere Brauereien geschlossen werden, erfuhr man seitens der Heineken-Geschäftsleitung anlässlich der Übernahme der Brau-Union vorige Woche. Fragt sich nur, was für so einen Konzern ein „kleinerer Standort“ ist? Göss? Schwechat? Linz? Für die erwähnten Biere wär’s egal, die lassen sich mittlerweile überall herstellen. Und den österreichischen Biertrinkern wird’s auch wurscht sein. Die werden Heineken trinken, wo dann halt Gösser oder Zipfer draufsteht, und sich von der Werbung irgendwas von kristallklarem Wasser und wahrer Männerfreundschaft vor brennenden Heustadeln einschenken lassen und sich einreden, dass wir in Österreich eine tolle Bierkultur haben. Wobei, die gibt’s natürlich wirklich nach wie vor, aber mittlerweile bin ich fast der Meinung, dass man die Informationen über kleine Brauereien mit guten Bieren nicht zu breit treten sollte.

Von Florian Holzer
  • Artikelbild
    foto: matthias cremer
Share if you care.