Schönheiten bevorzugt

12. August 2003, 12:02
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Eine saure Zitrone für das Stelleninserat des Marktforschungs-
unternehmens Leitner

Eine unserer Leserinnen stieß vor kurzem bei der Arbeitssuche auf ein Inserat des Marktforschungsunternehmens Leitner. Ein Studentenjob war da ausgeschrieben, Umfragetätigkeiten in der Öffentlichkeit für eine Arbeitsmarktanalyse. Was die Leserin über die Maßen ärgerte, war die „Sonstige Information“ am Schluss, nämlich: „Nur für hübsche Studentinnen“. Eine Diskriminierung erster Güte, meinte sie. Wie auch eine andere Leserin des Inserats, die sich gleich per Mail bei Herrn Leitner persönlich darüber beschwert hatte, wie uns dieser selbst erzählte.

Herr Leitner meinte im Gespräch mit dieStandard.at, das sei nicht als Diskriminierung zu verstehen, sondern es ginge bei den Umfragen vor allem um männliche Klientel – und hübsche Umfragerinnen hätten da mehr Chancen und würden bessere Ergebnisse erzielen: „Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Mann: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Männer eher stehen bleiben, wenn eine hübsche Dame sie anspricht, und dass wir da die meisten Ergebnisse erzielen.“
Mag sein, Herr Leitner, aber „hübsch“ ist doch bekanntlich ein sehr subjektiver Begriff. Und wer darf denn bei Ihnen eigentlich bestimmen, welche Dame nun den Zuschlag bekommt? „Wir nehmen ja ohnehin die meisten Bewerberinnen – es geht uns eigentlich hauptsächlich darum, dass wir Studentinnen mit Selbstbewusstsein wollen und wenn sich eine Dame auf den Zusatz ‚hübsch‘ hin bewirbt, dann können wir davon ausgehen, dass sie das mitbringt, weil sie sich dann selbst für hübsch hält.“

Hmmm....vielleicht muss frau wirklich ein Mann sein, um das zu verstehen, denn: Genügt dann nicht auch der Zusatz „selbstbewusste Studentinnen“? Könnte sein, lenkte Herr Leitner ein. Von Frauen-Seite habe man das noch nicht betrachtet. (Und auch nicht g(b)edacht, dass Frauen das als dermaßen diskriminierend empfinden könnten.) Man habe eben schon vieles ausprobiert im Inserat und dieser Zusatz hätte eben den besten Erfolg gebracht, weil schön ist stehenbleiben, usw... Und wenn es wirklich so schlimm wirke, dann werde man das ausbessern, diskriminierend sei es nämlich sicher nicht gemeint.

Das Ausbessern nehmen wir wohlwollend zur Kenntnis, Herr Leitner. Sauer macht uns aber, dass über so etwas noch immer überhaupt erst geredet und darauf aufmerksam gemacht werden muss und - bei allen Marketingerfolgen - vorher nicht bedacht wurde, wie so ein Satz „rüberkommt". Und dafür gibt´s von uns ein „saures Früchtchen“. (isa)

06.05.2003
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