"Er hat neue Maßstäbe in der Geschichtsschreibung gesetzt"

5. Mai 2003, 19:40
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Eric J. Hobsbawm erhielt die Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold

Wien - Der Geschichtswissenschafter Eric J. Hobsbawm erhielt Montag Nachmittag im Wiener Rathaus die Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold. "Eric Hobsbawm zählt zu den bekanntesten, anerkanntesten und ungewöhnlichsten Historikern unserer Zeit. Mit seinen wissenschaftlichen Werken hat er Standardwerke geschaffen und neue Maßstäbe in der Geschichtsschreibung gesetzt", so Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, der die Verleihung vornahm.

Hobsbawm habe Generationen von Historikern sehr geprägt und beeinflusst, erklärte der Historiker Gerhard Botz vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien in seiner Laudatio. Er habe mit großen Standardwerken und einer Vielzahl von Aufsätzen ein riesiges Oevre geschaffen, "das in seiner Bedeutung unermesslich ist".

Werdegang

Hobsbawm wurde 1917 in Alexandria, Ägypten, geboren. Seine Schulzeit verbrachte er im Wien der Zwischenkriegszeit. 1931 ging er nach Berlin, seit 1933 lebt er in London. Nach dem Studium der Geschichte an der University of Cambridge nahm er 1947 seine Lehrtätigkeit am Birkbeck College an der Universität London auf. Von 1971 bis zur Emeritierung 1982 hatte er eine Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der University of London inne.

1984 erhielt er einen Lehrstuhl an der New School of Social Research in New York. Gastprofessuren führten ihn an die Stanford University, das Massachusetts Institute of Technology, die Cornell University, die New School for Social Research in New York, die Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales, das College de France und an die Unversidad Nacional Autonoma in Mexiko.

Publikationen

Als Autor wichtiger wissenschaftlicher Publikationen hat Hobsbawm Standardwerke geschaffen. Zu seinen wichtigsten Büchern zählen "Sozialrebellen" (1962), "Europäische Revolution 1789 - 1848" (1962), "Revolution und Revolte" (1977), "Die Blütezeit des Kapitals 1848 - 1875" (1977), "Das imperiale Zeitalter 1875 - 1914" (1989), "Nationen und Nationalismus" (1991), "Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts" (1995), "Das Gesicht des 21. Jahrhunderts" (2000).

Im Mittelpunkt seiner Bücher stehen Unterdrückte, Unterprivilegierte und Schwache - Arbeiter, Landarbeiter, Rebellen, Widerstandskämpfer - und deren Weg der Emanzipation.

Auszeichnungen

Hobsbawm erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, unter anderen den "Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 1997", den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 1999 und den Ernst-Bloch-Preis 2000. Hobsbawms Verbundenheit mit Österreich und Wien drückt sich in regelmäßigen Besuchen aus - sei es als Teilnehmer internationaler Tagungen, sei es als Gast bei den "Wiener Vorlesungen" - und durch Kontakte zu österreichischen und Wiener ZeithistorikerInnen. (APA)

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    foto: standard/cremer
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