Nordkorea-Fans starten Online-Bibliothek

5. Mai 2003, 14:21
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Auswahl aus Diktatoren-Werken zum kostenlosen Download

Nach dem ersten Webshop mit nordkoreanischen Produkten gibt es nun auch die erste Online-Bibliothek mit ins Englische übersetzten Texten. Ins Leben gerufen wurde die für westliche Augen etwas kurios designte Site von der Korean Friendship Association (KFA). Die KFA ist eine in Spanien und China registrierte Vereinigung mit einigen hundert Mitgliedern in der ganzen Welt, Tendenz wachsend.

Einflussnahme

Zweck der KFA ist es, das Meinungsbild der Weltöffentlichkeit über die Volksrepublik Korea positiv zu beeinflussen. Dafür veranstalten die vom kommunistischen Regime unterstützten Mitglieder Ausstellungen, schreiben Leserbriefe, treffen sich zum gemeinsamen Genuss von Videos, die nordkoreanische Massenaufmärsche zeigen, veranstalten Reisen oder widmen sich eben der Gestaltung einer Propaganda-Website.

Literarisches

In der E-Library finden sich bislang Werke des "Großen Führers" Kim Il Sung und seines Sohnes "Geliebter Führer Kim Jong Il" nebst einer 218 Seiten starken Vorstellung von Kim Jong Suk. Sie wird als "Mutter Koreas", Frau des Großen und Mutter des Geliebten Führers verehrt und spielt beim nationalistischen Drill des Regimes die Rolle der vorbildlichen "anti-japanischen Heroïn". Dazu kommen zwei aktuellere Texte, einer über den Besuch Kim Jong Ils in Moskau 2001 und eine Stellungnahme der KFA zum Ausstieg des Landes aus dem Atomwaffensperrvertrag im laufenden Jahr.

Umfangreich

In Nordkorea liebt man es offenbar umfangreich. Beispielsweise umfasst die Autobiographie Kim Il Sungs ganze 2.161 Seiten. Die "Brief History" über seinen derzeit regierenden Sohn nimmt sich mit 160 Seiten dagegen richtig Bescheiden aus. Von den abertausenden, angeblich von den beiden Führern geschriebenen, langatmigen Werken, und der noch umfangreicheren Propaganda-Sekundärliteratur bildet die Online-Bibliothek bislang nur einen kleinen Bruchteil ab. Trotzdem stellt sie ein Fenster dar, das der Welt einen Blick auf die ideologischen Fundamente der Volksrepublik im 20. Jahrhundert erlaubt. Im neuen Jahrtausend steht vor allem das Militär im Zentrum von Wirtschaft und Politik. Nach offiziellen Angaben fließen über 15 Prozent der Einnahmen des Finanzministers in die Rüstung. (pte)

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