Japans Nein wird zum Stolperstein

3. Dezember 2010, 17:58
  • Artikelbild
    foto: epa/alex cruz

    Aktivisten demonstrieren in Cancún dafür, auch die Rechte indigener Völker in ein Klimaabkommen einzubeziehen. In den Verhandlungssälen sorgte in der ersten Woche Japan für Aufruhr

Japan besteht auf einen globalen Klimavertrag und will das Kioto-Protokoll nicht verlängern: Mit dieser Haltung hat Tokio in der ersten Woche in Cancún für Aufruhr gesorgt - Die EU erntete für ihre Klimahilfen starke Kritik

Cancún/Wien - Die Zukunft des Kioto-Protokolls hat sich in der ersten Woche der Klimaverhandlungen in Cancún zu einem der größten Stolpersteine des Gipfels entwickelt. Japan lehnt es kategorisch ab, einer zweiten Verpflichtungsperiode zuzustimmen - und damit den Zeitraum über 2012 hinaus zu verlängern, in dem das Protokoll die Industriestaaten zum Senken der Treibhausgas-Emissionen verpflichtet.

Der Gastgeber der Gespräche, in denen das Protokoll 1997 ausgehandelt wurde, drängt auf ein neues, globales Abkommen. Tokio argumentiert, die durch das Protokoll verpflichteten Staaten seien nur mehr für 27 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich - wohingegen die größten Verschmutzer USA und China, die beide nicht durch das Protokoll gebunden sind, allein über 40 Prozent der weltweiten Emissionen produzieren.

Diese Haltung sei zwar bekannt gewesen, hieß es, aber noch nicht "in der Brutalität" kommuniziert worden wie in dieser Woche. Greenpeace-Klimaexperte Bernhard Obermayr nannte den japanischen Ansatz besorgniserregend: "Es wird schwieriger, zu einem Ergebnis zu kommen, wenn man das Einzige, was man hat, aufgibt." Kioto-Staaten wie Russland, Australien, Neuseeland und Kanada hätten bereits angedeutet, Japan folgen zu wollen. "Damit würde man Kioto zerstören, bevor man etwas Besseres hat."

Die vom Klimawandel besonders betroffenen Entwicklungsländer haben bisher auf eine Verlängerung des Kioto-Protokoll bestanden, weil es so weit das einzig konkrete Klima-Abkommen ist. Vor allem der EU hatten sie 2009 in Kopenhagen vorgeworfen, Kioto killen zu wollen. Daraufhin hatte sich die Union in diesem Jahr darauf verständigt, einer zweiten Verpflichtungsperiode zustimmen zu können - falls andere große Emittenten ebenfalls in ein Gesamtpaket eingebunden werden.

Als positiv werteten Beobachter eine mögliche Annäherung zwischen den USA und China bei den Kontrollmechanismen. Washington pocht darauf, Klimaschutzmaßnahmen und die Verwendung von Geldern überprüfbar zu machen. Hier sei China offenbar von seiner bisherigen harten Haltung abgerückt, jegliche Kontrollmechanismen von vornherein abzulehnen, hieß es. Der indische Umweltminister Jairam Ramesh will sich vor allem in diesem Punkt um einen Kompromiss bemühen, wie er vor seinem Abflug nach Cancún am Freitag ankündigte.

Unklar ist nach bisherigem Verhandlungsstand offenbar unter anderem, ob die in Kopenhagen in Aussicht gestellte Langzeit-Finanzierung von 100 Milliarden Dollar jährlich in der Höhe beibehalten werden kann. An der Anschub-Finanzierung von 30 Milliarden für die Jahre 2010 bis 2012 würden die Staaten festhalten, hieß es. Die Präsentation der EU zu ihrem Anteil, der 7,2 Milliarden Euro beträgt, stieß in Cancún auf heftige Kritik von Nichtregierungsorganisationen, weil es sich dabei auch um Kredite handelt. (raa, STANDARD-Printausgabe, 04./05.12.2010)

Kommentar posten
19 Postings
Freie Welt
02
4.12.2010, 13:14
Der japanische Ansatz ist weise.

Wenn ich in einer zugigen Höhle sitze und weiß, dass ich einen Monate langen Marsch durch gefährliche Sümpfe auf mich nehmen muss, um ein bequemes und sicheres Haus zu erreichen, ist die Versuchung natürlich groß, es sich in der Höhle so bequem wie möglich zu machen und darin sitzen zu bleiben.

Hätten die Menschen das aber schon immer so gemacht, hätten sie nicht einmal den Weg von der offenen Savanne in die Höhlen gefunden.

innerand
00
4.12.2010, 11:37
"Zu viel war nicht genug"

Offen ist noch ob das auf dem Grabstein des Kapitalismus oder auf dem Grabstein der Menschheit stehen wird.

Träume sind Schäume..
44
4.12.2010, 12:30
Mach dir mal keine Sorgen

Kapitalismus steht für technischen Fortschritt.
Zumindest für diejenigen die Geschichtsbücher lesen können.
Keine bedeutende technische Neuerung steht im Zusammenhang mit einem sozialistischen System.

Dasselbe wird auch für benötigte Umwelttechnologien gelten.
Ergo stehen die Karten schlecht für die "Weltrevolution" ;)

Bitte Bitte
00
5.12.2010, 01:07
Zumindest für diejenigen die Geschichtsbücher lesen können,

sollte es einsichtig sein, wie Narrative zustande kommen. Das könnte diejenigen zumindest davor bewahren, selbst als Klopapier verwendet zu werden.

Lesen können ist erst die halbe Maut ;-)

innerand
00
4.12.2010, 14:50
Warum kommen immer alle gleich mit dem Sozialismus

wenn man sich kritisch zum Kapitalismus äußert?

(BTW: der erste Satellit kam von den "Sozialisten")

Träume sind Schäume..
22
4.12.2010, 15:23
Antwort

a) "Kapitalismus" ist ein Begriff aus dem Sprachgebrauch im sozialistischen Umfeld .
In dessen dualistischen Wortschatz gibt es eben nur Kapitalismus in verschiedenen Ausführungen als These - und den Sozialismus als Antithese.

Liberale bezeichen das ideale System sowieso treffender als Marktwirtschaft.

b) Die Technik des Satelitens wurde von deutschen Raktenwissenschaftler bereitgestellt.
Die nach Kriegsende verschleppt wurden.
Ergo kein vom eigenen System hervorgebrachtes Wissen ;)

Warentester
00
6.12.2010, 21:51

http://de.wikipedia.org/wiki/Serg... h_Koroljow

Die Russen haben wenigsten selber wesentlich was weitergebracht und entwickelt. Die Amis waren die die sich alles von Wernher und seiner deutschen Crew zusammenbauen haben lassen.

innerand
02
4.12.2010, 16:12

"Die Theorie der Raumfahrt wurde unter anderem von dem Russen Konstantin Ziolkowski (1857-1935) untersucht, der die mathematischen Grundprinzipien des Raketenantriebs, die Raketengrundgleichung formulierte."(wikipedia)

Auch das (weltweit) erste Kernkraftwerk stand in der Sowjetunion.

(Aber das wurde bestimmt auch von verschleppten Deutschen gebaut, Fortschritt ist schließlich nur im Kapitalismus möglich)

Zuckerlilly Zuckerlilly
00
13.12.2010, 13:46
Nö, das weltweit erste Kernkraftwerk stand in Idaho (EBR-1, 1951)

flotter denker
010
4.12.2010, 09:54
Das ist eine hervorragende Nachricht - Viva Japan

Ein Teil der Industriestaaten wird nun hoffentlich doch nicht so blöd sein, sich selbst teure Fesseln anzulegen, während alle Anderen munter weitermachen.

Und im Uebrigen sollten sich Alle lieber Gedanken machen, wie man mit der Klimaerwaermung bestmöglich zurechtkommt, statt an völlig chancenlosen Versuchen herumzubasteln, die Erwärmung zu verhindern.

Chien de Pique
01
4.12.2010, 18:00

Doch, doch, die Europäer stehen auf Fesselspiele.

Armin Wilhelm Kolprat
22
4.12.2010, 13:12
Endlich wird die

lächerliche KIOTO-Klima-Wahn-Bürokratie mit zigtausenden "Arbeits"-Plätzen beendet.

Diese Steuergelder können sinnvoller eingesetzt werden oder doch?

hmx4biocell
 
04
4.12.2010, 02:39
die dramatischen Folgen der globalen Erwärmung

sieht man am deutlichsten im deutschen Aussenministerium ;-)

Zuckerlilly Zuckerlilly
43
3.12.2010, 21:28
"Die vom Klimawandel besonders betroffenen Entwicklungsländer..."

Welche sollen das denn konkret sein und wie sind sie betroffen?

razor blade
00
4.12.2010, 00:26

geh bitte, ist die frage ernst gemeint? zb tropenzone wg. hurricanes, sahel wg. trockenheit, inselstaaten wg. meeresspiegel.

Drizzt
10
4.12.2010, 10:25

Was zu beweisen wäre.

fliegendes Bettgestell
12
4.12.2010, 08:45
Ob Hitze oder Kälte,

Dürren oder Überschwemmungen, immer ist die globale Erwärmung schuld - glauben zumindest einige!

jodaflo
 
32
3.12.2010, 20:58
usa und china machen was sie wollen

und der rest der welt ist mitgefangen

zeit ihren scheiss zu boykottieren und es wieder ohne den weltpolizisten versuchen

Freie Welt
00
4.12.2010, 13:11
USA und China boykottieren?

Schon hart, wenn man das wirklich konsequent angeht.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.