Sich um des Weizens willen von der Spreutrennen: Die Leopold-Privatstiftung nimmt die Refinanzierung für das "Bildnis Wally" in Angriff
Rudolf Leopolds Erbe ist nicht nur schmuck, sondern birgt auch Unbill. Auf privater Ebene geht es um Außenstände, deren Ausmaß Otto Normalverbraucher wohl den Schlaf rauben würde. Weniger dramatisch sieht es die Familie, für die Schulden seit Jahrzehnten zum Alltag gehören. Die Höhe, bitte um Verständnis, will man nicht nennen, zumal das ja schnellstmöglich beglichen werden soll.
Mit dem Kunsthandel läuft das diskret hinter den Kulissen, bei den heimischen Auktionshäusern naturgemäß öffentlich. Dort hat man die ursprünglich von Leopold für Kunstwerke bewilligten Meistbote längst an die Einbringer ausbezahlt, ist also jeder Eurobetrag willkommen. Theoretisch.
Hätte RTLs Schuldnerberater Peter Zwegat ein Wörtchen mitzureden, dann wäre das Thema vermutlich längst vom Tisch und den Auktionshäusern punkto Verkäufe eine Traumquote gewiss. Aber die Realität ist von einer Doku-Soap doch recht weit entfernt. Kunden, die sich von Kunstwerken trennen, haben bestimmte Preisvorstellungen, da ist Elisabeth Leopold keine Ausnahme.
Leopoldschwemme
Zeitgleich will der Handel Marktwerte aufrechterhalten und eine potenzielle Abwertung verhindern. Zur Sicherung des Weizens trennt sich Elisabeth Leopold allerdings nur von der Spreu, zur Tilgung der Privatschulden genauso wie für die Wally-Refinanzierung. Für das eine stehen die lokalen Auktionshäuser Gewehr bei Fuß, für das andere bemüht man die globalen Player.
Im Kinsky versteigerte zuletzt 51 Kunstwerke zum Gegenwert von rund 993.000 Euro. Kommende Woche steht im Dorotheum eine Sonderauktion mit 190 Kunstwerken auf dem Programm, die 1,15 Millionen aufs Konto spülen sollen, am 13. Dezember (Bauernmöbel) dürfen sich Interessierte um 42 Posten (rund 111.250 Euro) raufen, die ohne Limit angeboten werden. Zweifellos sind diese "Dreschabfälle" in ihrer Qualität von besserer Beschaffenheit als viele sonst hierzulande fern der Öffentlichkeit angehäufte Kollektionen. Und ja, die Leopold'sche Provenienz ist besser zu vermarkten als andere. Die Frage ist, wie lange noch. Und ab wann wird es vor allem angesichts der Menge inflationär?
Dieser Aspekt könnte eine Rolle spielen, konkret in den Impressionist Departments bei Christie's und Sotheby's. Anfang dieser Woche präsentierten Vertreter beider Auktionshäuser dem Vorstand der Leopold-Museum-Privatstiftung ihre Konzepte: Es geht um rund 40 Zeichnungen und eine Handvoll Gouachen Egon Schieles, die eine vorzeitige Rückzahlung des für das Bildnis Wally aufgenommenen Kredits ermöglichen soll. 14,8 Millionen Euro hatte man sich die Einigung mit den Erben nach Lea Bondi-Jaray kosten lassen.
Pferdefuß Provenienz
Nein, die dafür verpfändeten sechs Blätter sind nicht darunter, versichert Peter Weinhäupl, kaufmännischer Direktor der Stiftung Leopold, vielmehr ginge es um solche, "die den substanziellen Kern nicht gefährden" . Der Verkauf aus dem Bestand des Museums sei auf Basis eines Gutachtens rechtens, und mit dem Bundesdenkmalamt stünde man in Kontakt. Ulrike Emberger, stellvertretende Leiterin der Ausfuhrabteilung, bestätigt: Ja, ein Verfahren läuft, für einige Werke sei die Genehmigung erteilt worden, andere bedürfen aber noch genauerer Prüfung.
Welches der beiden Auktionshäuser den Zuschlag für diesen Prestigeverkauf erhält, wird sich ebenso in den nächsten Tagen entscheiden wie das detaillierte Prozedere: Ob über Private Sale oder Auktion(en), im Februar oder auch erst im Juni 2011, jedenfalls aber London und zu Konditionen, von denen andere Einbringer nur träumen können, spesenfrei und mit einer Beteiligung an der Käufergebühr womöglich. Dazu wie viele und vor allem welche Blätter aus diesem Konvolut, denn nicht alle scheinen aufgrund der Provenienz geeignet bzw. sind über den vorläufigen Stand der Forschung eigentlich nicht verkäuflich. Für Christie's und Sotheby's ist die lückenlose Dokumentation allerdings keine Kür, sondern Pflicht, womit deren Restitutionsexperten jedenfalls intensive Wochen, ja Monate bevorstehen. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.12.2010)