Nächste Station London

3. Dezember 2010, 17:11
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    foto: dumont / ausstellungskatalog 1997

    Egon Schieles "Liegende mit erhobenem rechten Bein"  (1914) würde den Bestand des Leopold-Museums zwar nicht gefährden, bedürfte aber vermutlich noch weiterer Provenienzforschung.

Sich um des Weizens willen von der Spreutrennen: Die Leopold-Privatstiftung nimmt die Refinanzierung für das "Bildnis Wally" in Angriff

Rudolf Leopolds Erbe ist nicht nur schmuck, sondern birgt auch Unbill. Auf privater Ebene geht es um Außenstände, deren Ausmaß Otto Normalverbraucher wohl den Schlaf rauben würde. Weniger dramatisch sieht es die Familie, für die Schulden seit Jahrzehnten zum Alltag gehören. Die Höhe, bitte um Verständnis, will man nicht nennen, zumal das ja schnellstmöglich beglichen werden soll.

Mit dem Kunsthandel läuft das diskret hinter den Kulissen, bei den heimischen Auktionshäusern naturgemäß öffentlich. Dort hat man die ursprünglich von Leopold für Kunstwerke bewilligten Meistbote längst an die Einbringer ausbezahlt, ist also jeder Eurobetrag willkommen. Theoretisch.

Hätte RTLs Schuldnerberater Peter Zwegat ein Wörtchen mitzureden, dann wäre das Thema vermutlich längst vom Tisch und den Auktionshäusern punkto Verkäufe eine Traumquote gewiss. Aber die Realität ist von einer Doku-Soap doch recht weit entfernt. Kunden, die sich von Kunstwerken trennen, haben bestimmte Preisvorstellungen, da ist Elisabeth Leopold keine Ausnahme.

Leopoldschwemme

 Zeitgleich will der Handel Marktwerte aufrechterhalten und eine potenzielle Abwertung verhindern. Zur Sicherung des Weizens trennt sich Elisabeth Leopold allerdings nur von der Spreu, zur Tilgung der Privatschulden genauso wie für die Wally-Refinanzierung. Für das eine stehen die lokalen Auktionshäuser Gewehr bei Fuß, für das andere bemüht man die globalen Player.

Im Kinsky versteigerte zuletzt 51 Kunstwerke zum Gegenwert von rund 993.000 Euro. Kommende Woche steht im Dorotheum eine Sonderauktion mit 190 Kunstwerken auf dem Programm, die 1,15 Millionen aufs Konto spülen sollen, am 13. Dezember (Bauernmöbel) dürfen sich Interessierte um 42 Posten (rund 111.250 Euro) raufen, die ohne Limit angeboten werden. Zweifellos sind diese "Dreschabfälle" in ihrer Qualität von besserer Beschaffenheit als viele sonst hierzulande fern der Öffentlichkeit angehäufte Kollektionen. Und ja, die Leopold'sche Provenienz ist besser zu vermarkten als andere. Die Frage ist, wie lange noch. Und ab wann wird es vor allem angesichts der Menge inflationär?

Dieser Aspekt könnte eine Rolle spielen, konkret in den Impressionist Departments bei Christie's und Sotheby's. Anfang dieser Woche präsentierten Vertreter beider Auktionshäuser dem Vorstand der Leopold-Museum-Privatstiftung ihre Konzepte: Es geht um rund 40 Zeichnungen und eine Handvoll Gouachen Egon Schieles, die eine vorzeitige Rückzahlung des für das Bildnis Wally aufgenommenen Kredits ermöglichen soll. 14,8 Millionen Euro hatte man sich die Einigung mit den Erben nach Lea Bondi-Jaray kosten lassen.

Pferdefuß Provenienz

Nein, die dafür verpfändeten sechs Blätter sind nicht darunter, versichert Peter Weinhäupl, kaufmännischer Direktor der Stiftung Leopold, vielmehr ginge es um solche, "die den substanziellen Kern nicht gefährden" . Der Verkauf aus dem Bestand des Museums sei auf Basis eines Gutachtens rechtens, und mit dem Bundesdenkmalamt stünde man in Kontakt. Ulrike Emberger, stellvertretende Leiterin der Ausfuhrabteilung, bestätigt: Ja, ein Verfahren läuft, für einige Werke sei die Genehmigung erteilt worden, andere bedürfen aber noch genauerer Prüfung.

Welches der beiden Auktionshäuser den Zuschlag für diesen Prestigeverkauf erhält, wird sich ebenso in den nächsten Tagen entscheiden wie das detaillierte Prozedere: Ob über Private Sale oder Auktion(en), im Februar oder auch erst im Juni 2011, jedenfalls aber London und zu Konditionen, von denen andere Einbringer nur träumen können, spesenfrei und mit einer Beteiligung an der Käufergebühr womöglich. Dazu wie viele und vor allem welche Blätter aus diesem Konvolut, denn nicht alle scheinen aufgrund der Provenienz geeignet bzw. sind über den vorläufigen Stand der Forschung eigentlich nicht verkäuflich. Für Christie's und Sotheby's ist die lückenlose Dokumentation allerdings keine Kür, sondern Pflicht, womit deren Restitutionsexperten jedenfalls intensive Wochen, ja Monate bevorstehen. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.12.2010)

 

Kommentar posten
11 Postings
Peter Weinhaeupl
23
4.12.2010, 10:52
Mutiger Schritt des Leopold Museums

Ein mutiger Schritt: um Wally für Österreich zu retten, werden andere Kunstgüter der Stiftung versteigert. Warum muss man das in gut österreichischer Manier so kritisch zynisch beäugen?

W.Hammerl
03
4.12.2010, 14:42

Weil es um das Leopold-Museum geht. Immerhin ist es der größte kulturelle Reibebaum unserer Linken.

Lila Panther
11
5.12.2010, 00:45
Ja, richtig. Und Journalisten, die da nicht mitziehen, müssen wohl um ihren Job fürchten

oder dürfen sich am Journalisten-Stammtisch nicht mehr sehen lassen.
Was immer dieses Museum oder die familie Leopold macht, muss angeprangert werden.
Das Museum restituiert, auch wenn es nicht müsste.
Die Familie muss Schulden bezahlen und tut dies umgehend und nun spricht man von "Spreu", obwohl man weiß, dass kein anderer Sammler in Österreich solche Qualität gesammelt hat.
Vom Urteil einer Frau Kronsteiner, die mehr nach dem Hörensagen urteilt als mit eigenem Kunstverständnis, wird sich die internationale Käuferschicht sicher nicht beeinflussen lassen.

Kronsteiner Olga
21
5.12.2010, 18:36
"Hoerensagen" ?!

Lieber "Lila Panther",
Artikel werden niemals auf Basis "Hoerensagen" verfasst (in diesem Fall reicht
u.a. ein Blick in die Auktionskataloge) ebensowenig spielt der persoenliche Geschmack des Autors eine Rolle. Bei mir nicht und auch nicht bei anderen Kollegen, die Du Dich bemuessigt fuehlst, hier immer wieder auf Deine spezielle Art zu "benoten".

Ueber mein Kunstverstaendnis koennen wir uns gerne persoenlich unterhalten - wenn Du den Mumm haettest, Dich nicht hinter einem "Nick" zu verstecken.

Schmendrick
01
7.12.2010, 23:51
Hoffentlich

ist das jetzt aber wirklich bloss nur gut getrollt...

Waer ja echt peinlich, wenn eine Standardredakteurin wirklich so ein empfindliches Nervenbuendel waer, und das dann auch noch oeffentlich rausposaunt. Am Ende kaemen wir dann noch drauf, dass die meisten Rot-Striche bei kritischen Postings von den Schreiberlingen selbst kommen...

gegen die sattheit
20
5.12.2010, 18:09
schulden

die Schulden hat es, weil sich das Museum Jahre lang geweigert hat, eine Lösung herbeizuführen

Es ist hinlänglich bekannt, dass es die Wally um einiges günstiger gegeben hätte, wenn Leopold nicht so ein alter sturer Bock gewesen wär!

Ronja Räubertochter
01
5.12.2010, 21:55
die Privatschulden haben mit der Wally nichts zu tun

Die "Wally" gehört seit 1994 der Stiftung. Das hat mit den Verkäufen der Leopold-Erbin nichts zu tun. Da hat weder Michalek noch Schmied noch Kronsteiner noch Trenkler oder sonst irgend jemand mitzureden.

gegen die sattheit
32
5.12.2010, 18:08
was zu beweisen wäre

bislang hat das Museum noch kein einziges Bild restituiert! Das Michalek Gremium hat immerhin schon 11 Bilder als restitutionswürdig erachtet,

aber nix passiert!!!!!!!

Klug schiss
22
4.12.2010, 11:55
Was ist daran genau "mutig"?

Was genau ist daran bitte "mutig"? Und warum soll ich weichgespuelte Hofberichterstattung lesen, statt eine kritische Hinterfragung?

Robert Waloch
20
4.12.2010, 16:35
Ihr Nick

beantwortet Ihre scheinheilige Frage prompt....

Peter Weinhaeupl
21
4.12.2010, 10:49
Mutiger Schritt des Museums

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