Erleichterung für alle Bürotage in Denkmalform

Der Superheld des Workflows ist jetzt in "Best of"-Form erschienen - Dilbert, Spitzhaar & Co haben als schräge Wirklichkeitsabbilder gar nichts an Unterhaltungswert verloren - im Gegenteil

Wer sie schon hat und liebt, die Klassiker vom Superhelden des Workflows, braucht sie trotzdem: Best of Dilbert 2011. Weil diese Scott-Adams-Anthologie natürlich unentbehrlich zum Trost für alle Werktätigen ist, aber auch weil sie textlich um Neues ergänzt ist, etwa um Scott Adams' unwissenschaftliche jährliche Dilbert-Umfragen, die ans Tageslicht fördern, welche Managementpraktiken Angestellten am meisten auf die Nerven gehen: Qualitätssicherung, Empowerment, Reengineering. "Den ersten Platz bekamen jedoch Idioten, die ins Management befördert werden", erklärt der Cartoonist, der 17 Jahre eigenes Arbeitsleben solcherart verarbeitet, Humor anbietet gegen das Verzweifeln an der aberwitzigen Realität im Workflow.

Stoff von den Lesern

Angeblich erhält Adams täglich mindestens 200 Mails - meistens von Leuten, die sich über ihre eigenen unbedarften Manager beklagen, weswegen, wie er sagt, ihm das Material nie ausgehe. Ein Beispiel: "Ein Arbeitnehmer schlägt vor, Prioritäten zu setzen, damit man im Unternehmen weiß, wie die begrenzten Mittel eingesetzt werden sollen. Die Antwort des Managers: Warum können wir unsere Mittel nicht in allen Bereichen konzentrieren?" Spitzhaar, Dilbert, Dogbert & Co werden uns also weiter begleiten, gut so - im Best of in sehr praktischer Form.

Die größten Lügen

Adams hat die größten Lügen im Management nummeriert, damit alle, die von Niederträchtigkeiten des Managements erzählen, gleich auf Nummern verweisen können. Top in diesem Lügen-Ranking: "Die Mitarbeiter sind unser wertvollstes Gut." An sechster Stelle rangiert "Wer etwas riskiert, wird belohnt", Platz 13 hält "Ihr Beitrag ist uns wichtig".

Es mangelt auf den 220 Seiten auch nicht an guten Tipps für adäquates Manager-Verhalten, etwa sprachlich: Man möge dann also nicht mehr von "den Idioten, die die Mitarbeiter sind" reden, sondern besser von "Ressourcen". Statt "entwürdigender Bezeichnungen wie Niete" wird an dieser Stelle "Teammitglieder" empfohlen. Tipps zum Umgang mit "Gewinsel um Gehaltserhöhungen, mehr Menschenwürde" etc. etc. sind auch enthalten, ebenso wie Techniken zum Vorhersagen der Zukunft. Wie einfach doch das Managen erscheint.

Neue Arbeitsformen

Ratgebend nimmt sich Best of auch der neuen Arbeitsformen an, etwa der Heimarbeiter und nennt für diese "essenzielle Produkte". Dazu gehört etwa der Geruchsindikator, der anzeigt, wann es Zeit für ein Bad ist oder der Katzenschreck, welcher die Tastatur vor unbefugten Eingaben schützt.

Dass übrigens die Zukunft keinen Trends folgt - das behauptet Scott Adams nicht einfach, er belegt es anhand dreier Regeln, die er nach sich selbst benannt hat, "um meine Bedeutung hochzuspielen". Sehr empfehlenswert. (kbau, DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.12.2010)

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