Fernseher aus dem Kinderzimmer verbannen

3. Dezember 2010, 10:54
  • Seit elf Jahren erfreuen sich Volksschulkinder an Europas größter Schulsportveranstaltung "Athletics light".
    foto: derstandard.at/regina philipp

    Seit elf Jahren erfreuen sich Volksschulkinder an Europas größter Schulsportveranstaltung "Athletics light".

Ärztekammer fordert Gesundheitsoffensive - Sportunterricht an den Schulen dramatisch gering - Ganztagsschule als Chance

Wien - Eine Lifestyle-Offensive bei Kindern und Jugendlichen forderte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner, am Freitag in einer Aussendung. Vor dem Hintergrund der "finanzorientierten Diskussion um die Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheitssystems" sieht der Ärztechef dringenden Handlungsbedarf: "Im Jahr 2030 wird der schlechte Gesundheitszustand unserer heutigen Jugend nach Expertenrechnung jährliche Mehrkosten von 1,6 Milliarden Euro verursachen, bis 2050 werden diese Mehrkosten auf 3,7 Milliarden Euro steigen", zeigte Dorner die wirtschaftlichen Folgen auf. 

Ganz schlechtes Zeugnis

Mehr Schulsport und zusätzliche Bewegungsangebote in den Schulen sowie ein verantwortungsbewusster Umgang mit dem Medium Fernsehen, das den Bewegungsdrang der Kinder hemme, seien dringend erforderlich, so der ÖÄK-Präsident. Aus ärztlicher Sicht sei dem Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen ein ganz schlechtes Zeugnis auszustellen: Nikotin, Alkoholkonsum, Übergewicht, mangelnde Bewegung, zu wenig Obst und Gemüse seien die Hauptlaster der Jugend. Dorner: "Die Politik des Bundes und der Länder hat diese Problematik bisher sträflich vernachlässigt. Es ist Zeit für eine Gesundheitsoffensive."

Speziell die Aufwertung des Schulsports sei ein wichtiges Instrument, um die Gesundheit und Fitness der Kinder nachhaltig zu fördern. "Regelmäßige Bewegung - und sei es nur eine halbe Stunde täglich - hat enorme positive Auswirkungen. So wird das Risiko, an Diabetes zu erkranken, erheblich reduziert, das Immunsystem profitiert, Blutdruck und Herzfrequenz pendeln sich auf einem normalen Level ein", vermerkte der Ärztepräsident. Kinder hätten überdies einen natürlichen Bewegungsdrang, den man fördern müsse, schloss sich der Sportarzt und Vorstand des Instituts für Sportwissenschaft und Universitätssport an der Universität Wien, Norbert Bachl, an: "Ein eigener Fernseher im Kinderzimmer hemmt den Bewegungsdrang. Wir wissen, dass die Zahl der Fernsehstunden direkt mit der Inaktivität der Kinder korreliert und dass die Anzahl der Fernseher in den Kinderzimmern steigt. Hier gilt es gegenzusteuern - Studien haben gezeigt, dass Volksschüler, die einen eigenen Fernseher haben, dicker sind als ihre Mitschüler."

Gesundheit hat Vorrang

Der Kinder-Bewegungscoach, der einer Zusammenarbeit von Unterrichts- und Sportministerium entsprungen ist, sei ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber: "Das geht uns noch nicht weit genug", forderte Dorner mehr Engagement seitens der Politik. Die Bewegungscoaches seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein, zumal sie vorerst nur in Wien zum Einsatz kämen. Es sei daher in jedem Fall erforderlich, die Zahl der Sportstunden auf mindestens vier anzuheben, und zwar unabhängig von der Schulstufe. Dorner: "Vor allem in den höheren Schulen spielt der Sportunterricht kaum noch eine Rolle. In einer Berufsbildenden Höheren Schule sind maximal zwei Stunden Sport pro Woche vorgesehen." Auch in der Volksschule sei der Sportunterricht dramatisch gekürzt worden; in den letzten beiden Schulstufen müssen die Kinder mit mageren zwei Stunden auskommen. Dorner: "Das ist ein Skandal!" Auch Norbert Bachl sieht im schulischen Bereich Verbesserungsmöglichkeiten: "Die Ganztagsschule ist eine Riesenchance - man kann die Kinder über Mittag sozusagen in Bewegung bringen, eventuell in Kooperation mit Sportvereinen oder eben den Bewegungscoaches." Ein ähnliches Konzept sei für Schulen vorstellbar, die bereits zur Mittagszeit enden. Haftungs- und Geldfragen dürften dabei keine Hindernisse sein, waren sich Dorner und Bachl einig: "Die Gesundheit unserer Kinder muss Vorrang haben." (red)

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meine mama schaut nur fern...

tatsachenbericht:
http://www.babylog.at/2011/allg... %e2%80%a6/

schulsport soll gesund sein? mein sohn brach sich in der volksschule beim sportunterricht 2 mal die hand und einen zehen.
jetzt in der ahs ist der sport in seiner schule fussballunterricht. wer fussballspielen nicht mag hat pech gehabt.

die eltern sollten aufhören, ihre kinder so sehr zu er-ZIEHEN und sollten sie wachsen lassen.
nur so entstehen später einmal erWACHSENe und keine erZOGENen.

Die Auswüchse der Nicht-erZIEHung sieht man eh schon anhand der steigenden Jugendkriminalität und dem steigendem Drogenkonsum. Vom allseits beliebten Alkohol mal abgesehen ...

Was machen Sie zB mit einem Hund? Erziehen Sie den auch nicht? Werden Sie wsl schon tun. Aber Kinder, nein nein die muss man natürlich nicht erziehen...

So einen Blödsinn hab ich selten gelesen, den Sie hier verzapft haben.

hunde sind für dich wie kinder? seltsame ansichten....

stimmt leider alles.

sind die studien, die zeigen, dass fernsehen - unabhängig von der kalorienaufnahme (!) - dick macht, endlich auch bei der ärztekammer angekommen? mein kompliment! hat nur jahre gedauert!

So ein Blödsinn kommt halt auch immer nur von Ihnen. Was Sie sich nicht wieder in Ihrer Welt zusammendichten...

dichten? keine ahnung, wovon du sprichst. die NHANES studie spricht jedenfalls eine eindeutige sprache.

da bekommen die rabeneltern für ihre

kinder die höchsten familienleistungen (laut oecd) der welt ausgeschüttet und was machen diese egomanen - sie lassen ihre kinder verwahrlosen!

mich wundert da pisa und anderes nicht mehr!

Sind bei den 1.6 Mrd die Kosten für Sportunfälle samt Folgeschäden schon abgezogen?

den fernseher zu verbannen würde alleine schon viel bringen: weniger stress, weniger gewicht, mehr zeit zum lesen, mehr langeweile, die zu kreativität führt.....

Fernseher im Kinderzimmer?

wozu?

zum ruhigstellen.
der fernseher ist die nanny der modernen zeit. kein wunder, dass die kinder nicht mehr lesen können....

weil papi sich gern die bundesliga anschauen will,
der sohnemann aber zu randalieren beginnt wenn man ihm seinen spongebob schwammkopf wegschaltet.

Die Ärztekammer möge bei ihrer ureigensten Aufgabe bleiben.

Sie sollte die Ärzte standesvertreten. Medizinische und gesundheitspolitische Ratschläge sind entbehrlich.

AerzteKammer!praesident

bitte.

Welchen Sport?

Es kommt auf den Schulsport an - ich weiß nicht, welche Art von Sport heute betrieben wird. Ballspiele sind ok, ab und an. Aber das Wichtigste am Sport mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist das (jeweils an die körperlichen Gegebenheiten angepasste) Ausdauertraining.
Anaerobes Training im Freien, und mag es noch so gemächlich ablaufen (schnelles Gehen, sehr langsames Laufen) ist allemal physiologisch wertvoller als Hallensport mit Geräten oder Schnellkraft-Übungen: besonders im Hinblick auf die langen Stunden in der Schule mit geistiger Arbeit.
Und - alles was mit "Wettbewerb" zu tun hat (Laufen nach Zeit), ist kontraproduktiv, da in der Klasse genügend Wettbewerb stattfindet.

das wichtigste wäre, dass die erwachsenen die kinder wenigstens eine stunde am tag in ruhe lassen. diese dauerbeschäftigung macht die meisten kinder psychisch und körperlich krank.

Haben sie Kinder?

Der Großteil der Kinder braucht erlebnisorientierte
Bewegungsangebote, spannend, abwechslungsreich, herausfordernd, interaktiv, kooperativ.....

Ein Wechsel von Wettkampfspielen, Ausdaueranforderungen, Regelspielen usw.

Kindern geht es nicht um körperliche Fitness sondern um Freude am Tun, um die kognitive und motorische Herausforderung. Ein wichtiger Schritt wäre vor allem der Einsatz von ausgebildeten Sportlehrern im VS-Bereich.
Einfach nur mehr Stunden vorzusehen ist zuwenig, die Qualität muss stimmen, sonst geht, wie so oft, der Schuß nach hinten los.

kinder BRAUCHEN gar keine abwechslungsreichen spiele etc.

das wird dir von der werbung nur eingeredet!

es gibt nichts was förderlicher für´s kind ist, als wenn ihm mal langweilig ist, oder wenn das kind nicht dauernd unter beschäftigungstherapie steht.
leider sind die meisten eltern psychische armutschgerl, die nicht genügend selbstbewusstsein haben, auch einmal etwas zu tun, das die medien nicht für toll halten.

schon mal kinder beobachtet?

die laufen und klettern ganz von selbst. das muss ihnen kein erwachsener anschaffen.

genau das meine ich. kinder brauchen nicht dauernd animiert werden. die können das ganz von selbst!

Während des Sportunterrichts???

stattdessen. oder zusätzlich.

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