Eine Krankengeschichte

Die irren Wege des Morbus Boeck

Philip Bauer, 9. Dezember 2010, 15:07
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    foto: apa/ers/handout

    Erstes Krankheitszeichen ist häufig die Entzündung der Lungenbläschen, die den Veränderungen im Röntgenbild mitunter lange vorauseilt.

Bis eine Sarkoidose zweifelsfrei erkannt wird, ist es oft ein langer Weg, der über Irrtümer und beunruhigende Momente führt – Bericht eines betroffenen derStandard.at-Redakteurs

Wien - Alles wird gut. So sprachen meine Freundin, meine Familie, meine Freunde. Nur nicht die Ärzte und auch mir fehlte der Glaube. Im Rahmen einer Computertomographie wurde in meiner Lunge eine Raumforderung festgestellt. Ich hatte dieses Wort noch nie zuvor gehört, so klang es zunächst auch nicht bedrohlich. Erst auf Nachfrage wurde mir klar, dass sich in meinem Körper ein Tumor eingenistet hatte. Vermutlich Krebs, vielleicht auch schon Metastasen, so wurde es mir mitgeteilt. Die Meinungen der Onkologen und Lungenärzte widersprachen sich nicht. Ich war 35 Jahre alt, neuerdings Vater und hatte entsetzliche Angst.

Scheinbar harmloser Beginn

Fünf Wochen zuvor, am 20. Februar 2009 hatte alles angefangen, Gliederschmerzen, dann Fieber, nicht weiter beunruhigend. Erst als mich die Einnahme der Medikamente kopfüber zur Toilette kriechen ließ, ich einen extremen Widerwillen zu Essen entwickelte und die wenigen Meter zwischen Schlaf- und Wohnzimmer zur kaum überwindbaren Hürde wurden, rief ich einen Hausarzt, der diagnostizierte flotten Blickes eine Angina. Nach drei weiteren Tagen unter hohem Fieber trieb mich diese vermeintliche Angina des Nachts in die Ambulanz des Wiener Allgemeinen Krankenhauses. Ein Blutbild später wurde mir ein harmloser grippaler Infekt bescheinigt und der flotte Weg nach Hause empfohlen.

Eine weitere Woche war vergangen als sich das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder meiner erbarmte. "Das Herz befehle" steht dort in mächtigen Lettern über der Rezeption geschrieben und es befahl, nämlich dass ich das Spital nicht mehr verlassen sollte. Bei einer Ultraschall-Untersuchung des Herzens wurde eine "hochgradig eingeschränkte Pumpleistung" festgestellt. Mit ernster Miene wurde mir mitgeteilt: "Herr Bauer, wir müssen Sie einkassieren." Ich war erleichtert, mein Zustand ließ mich bereits auf eine Aufnahme hoffen. Als die Möglichkeiten bei den Barmherzigen Brüdern an ihre Grenzen stießen und die Untersuchungen keinen Rückschluss auf die Ursachen meiner Symptome zuließen - wenngleich eine Herzmuskelentzündung als wahrscheinlich galt -, wurde ich ins Wiener AKH verlegt.

Über die Angina zum Krebsverdacht

Nach einem Untersuchungsmarathon, der nicht nur über Herzkatheter, Magnetresonanz und Schluckultraschall (gelinde gesagt unangenehm) führte, wurde ein Herzinfarkt festgestellt. Die Botschaft wurde mir mit den Worten "Sie können froh sein, noch am Leben zu sein!" übermittelt. Dieser Herzinfarkt wurde später nie bestätigt, aber nach der Ursache fortan gesucht. Da ich mittlerweile auch über heftige Bauchschmerzen klagte und mir nur noch mit Schmerzmittel und Schlaftabletten zu helfen war, wurde ein Tumormarkertest veranlasst. Da ich gerade eine Pechsträhne hatte, überraschten mich die überhöhten Werte auch nicht mehr.

Als ich zur fällig gewordenen Gastro- und Koloskopie antrat, sah der zuständige Arzt meine Werte an und teilte mir sofort mit, dass meine Sorge unberechtigt sei und er wenig Verständnis für die Vorgangsweise seiner Kollegen habe: Tumormarker seien nicht zum Entdecken einer Erkrankung sondern nur zur Verlaufskontrolle geeignet. Also weder Darm- noch Magenkrebs. Die Computertomographie des Thorax brachte aber weit Konkreteres zu Tage: die eingangs erwähnte Raumforderung, den Krebsverdacht. Um den letzten Zweifel aus dem Weg zu räumen, riet man mir zu einer Mediastinoskopie, einer minimal-invasiven Operation, um eine Gewebeprobe zu entnehmen. Die Diagnose am 7. April 2009 hieß: Sarkoidose. Ja, dieses Wort war mir schon untergekommen, nämlich als man mir mitteilte, dass dies wohl kaum meine Erkrankung wäre.

Ein vermeintlicher Jackpot

Der Sog hatte aufgehört mich nach unten zu ziehen: Angina, Grippe, Herzmuskelentzündung, Herzinfarkt, Krebs. Und plötzlich doch nur eine Sarkoidose, eine systemische Erkrankung des Bindegewebes mit Granulombildung, deren Ursachen unbekannt und deren Prognose bei Cortisontherapie exzellent ist. Zumindest solange die Erkrankung nur auf Lunge und Lymphknoten übergreift, in meinem Fall war aber auch - der Verdacht lag freilich auf der Hand - das Herz betroffen. Herzsarkoidose, eine Krankheit wie ein Jackpot, so selten dass es dafür keine Experten, ja nicht einmal verlässliche Studien gibt. Die wenigen verfügbaren ermuntern nicht zur Pensionsvorsorge. Erste Konsequenz: die Implantierung eines Kardioverter/Defibrillators.

So ein Gerät baut man einem 35-Jährigen aber nicht mir nichts, dir nichts ein. Ich wurde also zur Herzbiopsie nach Innsbruck verfrachtet und siehe da: wahrscheinlich keine Sarkoidose. Womit sich endgültig bestätigte, was mir einer meiner verzweifelten Ärzte bei jedem Gespräch unter die Nase rieb: "Sie sind kein 08/15-Fall, echt nicht." In der Lunge eine Sarkoidose, an der Pumpe wohl doch eine Herzmuskelentzündung. Dr. House hätte seine Freude gehabt. Ganz so unterhaltsam war die Zeit dann aber doch nicht: die Schmerzen, die Angst, die Panik, die Schlaflosigkeit - es haben sich unbekannte Abgründe eröffnet.

Ja warum nicht ich?

Die zehn verlorenen Kilogramm nahm ich schnell wieder zu, die Knoten in der Lunge verschwanden dank Cortison, auch die Pumpleistung des Herzens verbesserte sich dank einer kombinierten Immunsuppression. Knapp zwei Jahre sind seit dem Beginn der Erkrankung vergangen, ich bin weiter unter Behandlung, fühle mich gesund und bei den Kontrollen im AKH sehr gut betreut. Den Zimmerkollegen, der mir in der Nacht die Sauerstoffzufuhr abdrehen wollte, weil ihn das Blubbern beim Einschlafen störte, habe ich mir gemerkt. Ansonsten hat sich mein Groll gegen manch unterkühlte Ärzte, gegen die lachend in mein Zimmer stürmenden Studenten, gegen Gott und die Welt längst gelegt. Warum gerade ich? Ja warum eigentlich nicht ich?

Ich denke an das Pflegepersonal, dass trotz harter Arbeitsbedingungen immer sehr nett zu mir war, an jene Ärzte in Wien und Innsbruck, die ihre Kompetenzen bündelten, um doch noch eine geeignete Therapie zu finden. Ich bringe meinen Sohn in den Kindergarten, danach gehe ich in die Arbeit. Davon hatte ich geträumt. Es ist jetzt gut, alles ist gut. (derStandard.at, 12.2010)

Philip Bauer (37) ist Ressortleiter von derStandard.at/Sport.

Wissen:

Sarkoidose, auch Morbus Boeck oder benigne Lymphogranulomatose genannt, ist eine seltene entzündliche Erkrankung, die sich durch die Bildung winziger Bindegewebsknötchen (Granulome) auszeichnet. Die knötchenartigen Neubildungen sind die Folge einer Fehlregulation des Immunsystems.

Der Altersgipfel der Sarkoidose liegt zwischen dem 20. Und 40. Lebensjahr. Frauen sind bevorzugt betroffen. Die Ursache der Erkrankung ist ungeklärt, eine erbliche Komponente wird vermutet.
Die Knötchen finden sich vorwiegend in der Lunge und in den Lymphknoten im Raum zwischen den beiden Lungenflügeln (Mediastinum). Grundsätzlich können die Granulome jedoch in jedem Organ auftreten und eine Störung der jeweiligen Organfunktion bewirken. 

Eine Sarkoidose kann akut oder chronisch verlaufen. Bei jedem zweiten Betroffenen löst die Erkrankung keinerlei Beschwerden auf. Neben den vom jeweilig betroffenen Organ abhängigen Symptomen, sind wie bei allen entzündlichen Erkrankungen Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, Müdigkeit und Gliederschmerzen die typischen Beschwerden.

Die Diagnose gestaltet sich aufgrund der vielfältigen Symptomatik häufig schwierig. Eine therapeutische Intervention ist nicht in allen Fällen erforderlich. Insbesondere die akute Form heilt in 95 Prozent der Fälle spontan. Bei der chronischen Form sind Kortikosteroide die Therapie der Wahl. Auch bei dieser Verlaufsform ist eine Heilung erreichbar. (phr)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 40
1 2
Mama Breitfuss
02
12.12.2010, 12:38
...warum ich nicht...

ist die Frage die wir uns eigentlich immer stellen sollten, wird aber meist nur bei vordergründig "positiven" Anlässen gestellt.

Angst und Schwäche haben mich reifen lassen und den kleinen "alltäglichen" Freuden einen unübertrefflichen Glanz gegeben.
So kann z.B. das Gelingen einer Schulstunde, einer selbstgekochten Mahlzeit ein Einkaufsbummel usw. viel mehr sein, als der größtmögliche Lottojackpot, Karrieresprung oder Börsen- bzw. Machtgewinn.
Die ganz besonderen Momenten beim Entstehen neuen Lebens, der Geburt eines Enkelkindes eines Ziegenkitzes oder nur einer Babykatze bei uns zu Hause sind strahlende Glanzpunkte erfüllt von ehrfürchtigem Staunen geworden.

Wünsche ihnen unzählige Glücksstunden in ihrer neugewonnenen Lebensqualität.

Pump Kin
04
12.12.2010, 10:30

Super geschrieben.
Möchten Sie nicht gänzlich ins Gesundheitsresort wechseln ? Toller Artikel.

jerry springer
02
11.12.2010, 17:13
alles gute...

...meine freundin hat heuer 6 monate vage beschwerden gehabt, nicht sonderlich aber doch ständig erhöhte körpertemperatur, lustlos, matt und keuchend. laut hausarzt zunächst verschleppte grippe, dann lungenentzündung, wie die antinbiotika nicht gegriffen haben, hat er gemeint, sie soll sich mal einen ruck geben. schlussendlich hat er sie aus unerfindlichen gründen für einen hirnscan angemeldet. beim warten ist sie zusammengebrochen, das krankenhaus hat lediglich 4 stunden gebraucht, anhand der sympome, über die sie sich schon monate beschwert hat, herauszufinden, dass sie lungenembolien hatte, ein scan hat das bestätigt. es ist viel einfacher, der gottesgleichheit der mediziner glauben zu schenken, wenn man nicht krank ist.

MoltoBene
00
11.12.2010, 13:17

Alles Gute. Ich habe gleich 2 mir sehr nahestehende Personen mit dieser Krankheit. Es ist mühsam, aber beherrschbar. Beide haben ähnliches durchgemacht, nämlich eine Odysee bis zur Erkennung der Krankheit, eine hatte sogar eine (wahrscheinlich überflüssige) Lungen OP.

Ziemlich leichter Stessa
02
11.12.2010, 02:05

Alles Gute, Herr Bauer!

politisch verfolgt
07
10.12.2010, 23:04
ich reihe mich ein:

gut geschrieben. ich bin ansonsten absolut nicht medizinisch interessiert, aber das habe ich gelesen. alles gute weiterhin, mit 35 ist ja grade die pubertät im letzten drittel, da packt man sowas.

Kritifax
00
10.12.2010, 19:32

gute nachrichten herr bauer! gezeichnet kritifax, der meister-poster.

okumonux
01
10.12.2010, 15:11

Ich möchte mir nicht anmaßen, ihre Erfahrungen mit den Meinigen zu vergleichen. Scheisse ist das, ich habe einen "ähnlich" fall hinter mich gebracht. (auch mit eine checkpot-krankheit) am schluss "halfen" nur mehr antideprissiva die ich nicht vertragen habe, in schlechten tagen wollte ich mir selbst an die Gurgel. Bei entweder oder verliert man schnell den Nerv. Ich war damals 24 und fühlte mich wie Captain Willard in Apocalypse Now. Kopf voll und alles von Wahnsinn durchdrungen. Entwarnung und vorsorgliche Untersuchungen mit interpretationsauslegenen Ergebnissen hielten sich die Waage. Auf Aussage wie "in ihrem Alter 1:500.000" helfen dir dann auch nicht weiter....

okumonux
00
10.12.2010, 15:19

...und natürlich möchte ich mich den glückwünschen anschließen, dass es ihnen wierder gut geht. humor ist wenn man trotzden lacht, nur bleibt einem manchmal das lachen ziemlich im halse stecken. Ohren steiff halten!

i am austrian
01
10.12.2010, 14:47

wen wunderts?
selbst house hat seine lieben probleme bei einer Sarkoidose diagnose.

Takis
11
10.12.2010, 02:47

Ich weiß schon warum ich nur ungern zum Arzt gehe...

Ansonsten freut es mich natürlich, dass es ihnen gut geht ;)

artemis70
01
10.12.2010, 14:24
na ja, alles nicht so einfach ...

wenn herr bauer nicht "zum arzt" (in seinem fall leider eine odyssee) gegangen wäre - das wäre auch nicht gerade ideal gewesen!

Takis
00
11.12.2010, 06:26

Ich geh ja zum Arzt wenn ich muss, aber eben ungern.

Penny Murdoc
 
04
9.12.2010, 23:01
Alles Gute weiterhin

Und nie den Humor nehmen lassen ^^ Trotz des doch erschreckenden Weges musste ich doch schmunzeln. Toll geschrieben. ^^

mut und humor macht stark
22
9.12.2010, 22:43
ich bewundere, wie sie das durchgestanden haben

und über ihre erlebnisse mit humor und offenheit schreiben.

ärzte, die so wie beschrieben, planlos diagnostizieren und herumfaseln sind leider keine seltenheit: sie "wirken" als zusätzliche krankheit still und leise destruktiv vor sich hin.

ich wünsche ihnen das beste für ihre gesundheit, und dass sie nur mehr fachlich und sozial ausserordentlich kompetenten ärzten begegnen.

hot doc
31
10.12.2010, 21:23

es ist immer wieder erfrischend, wenn menschen, die genau gar keine ahnung von unserer arbeit haben (entschuldingung, natürlich doch: sie habe sicher dr. house, private practice und greys anatomy gesehen, damit kennt man sich natürlich aus!), diese beurteilen wollen: planlos diagnostizieren und herumfaseln? ja, war der herr bauer oder sie der betroffene? waren sie oder andere die behandelnden ärzte? eben. bitte sparen sie sich künftig solche verzichtbaren vorwürfe.

NoComment
02
22.12.2010, 13:09

ich muss ihnen sagen, dass fehldiagnosen rapide zunehmen wenn es kein 08/15-fall ist, bei denen die medizintechnik oder der pharmakonzern nicht das passende allheilmittel sofort zur verfügung haben. 15 jahre lang hat man mich gequält, hat fehldiagnosen gestellt, und durch die fehlbehandlung wurde vieles zerstört was nicht zerstört werden hätte müssen. heute, dank eines kompetenten arztes und verteufelter techniken (ostheopathie) hab ich auf einmal keine probleme mehr und kann all das machen, was ich zuletzt vor 15 jahren gemacht habe. und höre von bekannten, wie sie ihr arzt in die gleichen fehldiagnosen treibt.

mut und humor macht stark
10
13.12.2010, 00:34
lieber "hot dog" (gaaanz ein cooler nick aber auch!)

möglicherweise war ich in einer ähnlichen situation?

und/oder möglicherweise habe ich einen medizinischen oder ärztlichen background?

woher wollen SIE es denn so genau WISSEN, wenn sie nicht endlich lernen zu FRAGEN? Denn nur über strukturiertes FRAGEN werden auch sie sich jemals in die situation bringen können, emotionsfreie und vorwiegend ordentliche DIAGNOSEN auf die reihe zu kriegen.

für dieses bemühen wünsche ich ihnen jetzt schon alles gute.

hot doc
00
13.12.2010, 12:13

schauen sie, ich bin hier nicht der behandelnde arzt. aber sie meinen frank und frei, ich würde nicht fragen. wie kommen sie auf die idee? das ärztliche gespräch ist die hilfreichste untersuchung, erst danach weiss man, mit welcher technik man auffahren muss.
übrigens hab ich auch mit sarkoidose erfahrung, und weiss, wie schwierig die diagnose ist. und auch in meinem privaten umfeld habe ich betroffene anzubieten.
also bleiben sie cool und finden sie endlich jenen humor, den sie in ihrem nick erwähnen - und verar***en sie nicht grundlos meinen nick, sonst könnt ich meinen sie sind einfach ein übellauniger zeitgenosse.

mut und humor macht stark
00
14.12.2010, 23:59
kürzen wir es ab:

sie haben die aussergewöhnliche emotionale leichtigkeit besessen, die öffentlich und vollkommen glaubwürdig beschriebene krankheitshistorie des herrn bauer auf grund eines inhaltsgleich zuzuordnenden postings, das im übrigen primär lediglich zum ziel hatte (und hat!), dem leidtragenden autor glück zu wünschen, zumindest implizit in frage zu stellen.

haben sie sonst keine probleme?

mal abgesehn von der menschlichen seite: warum diskutieren sie das ganze nicht einfach unter kollegen.

oder kennen sie keine, die etwas über das beschriebene krankheitsbild zu verlautbaren wissen?

hot doc
00
15.12.2010, 09:06

ich hab sonst keine probleme, nur mit ihrer bemerkung:

"ärzte, die so wie beschrieben, planlos diagnostizieren und herumfaseln sind leider keine seltenheit: sie "wirken" als zusätzliche krankheit still und leise destruktiv vor sich hin."

und das will ich so nicht stehen lassen. ein mensch ist kein auto, wo man das problem mit dem diagnosecomputer auslesen kann. da gibts halt zuerst ratlosigkeit und diagnostische misserfolge, und das darf man den behandelnden ärzten nicht anlasten.

zorrrro
00
10.3.2012, 01:32

ein arzt, der die glasklare diagnose schafft, ist ein guter arzt. alle anderen (in sinne ihres postings) sollten sich nach einer passenderen, heil- und glückbringenderen beschäftigung umsehen: einer individuell erstrebbaren profession, ohne der im artikel beschriebenen schwerwiegenden folgen für körper & psyche leidtragender anderer.
alternative berufe gäbe es viele... als da wären: kaffeesudlesen, lottospielen, hedge fonds managen. alles menschlich, daher auch alles mit einer gewissen ahnungslosen ratlosigkeit verbunden, wenngleich, zugegebenermassen, diese berufsstände nur halb so aufstiegs- und prestigeträchtig sind, wie der ärztestand. folgt die gewissensfrage: welcher guter arzt will schon auf rücken der patienten kassa machen? eben.

Philip Bauer
05
10.12.2010, 10:40
...man

Muss jetzt aber auch so fair sein und sagen: meine ganze geschichte war sehr schwer zu verstehen. Vielleicht haette man manches besser kommunizieren koennen, aber wer macht keine Fehler? Die Aerzte, die mich jetzt behandeln sind menschlich und fachlich top, ich haette es gar nicht besser erwischen koennen.

Dr. 2Much
03
9.12.2010, 22:24
Willkommen im Club, Herr Bauer, Teil I

Erst mal Gratulation, weil: Angriff ist die beste Verteidigung - sagt einer, der weiß, wovon Sie sprechen. Ich hatte 2008 die Ehre allein 4x untersucht zu werden, ob es nicht doch ein Tumor sein könnte. Pendelverkehr zwischen Onkologie/Hämatologie, Neurologie, Plastischer Chirurgie, Sportmedizin, dazwischen immer die Standarduntersuchungen, Koloskopie, Gastrologie, Blutbild, Röntgen, CT, US, Knochenstatus, aber ich hatte Glück: nur eine Sorbitunverträglichkeit - und meinen irreparablen Muskelschaden in der Wade teile ich mit 6 anderen weltweit - tja, ich wußte immer: ich bin was Besonderes! Jetzt laufe ich mit insgesamt 3 chronischen Krankheiten (u.a. Diabetes) durch die Gegend, muß täglich 1 ganze Tablette schlucken - und laufe Marathon.

Dr. 2Much
02
9.12.2010, 22:37
Willkommen im Club, Herr Bauer, Teil II

Ich bin kein geduldiger Mensch, also sagte ich mir nach 1/2 Jahr, LmaA, liebe Ärzte, ich gehe wieder laufen. Der Neurologie meinte, so wie ich zur Tür reinkomme, hat er nur noch einen Patienten (Triathlet mit halbseitiger Lähmung), ich solle ihn anrufen, ob es geklappt hat. Dann bin ich zu meiner Physiotherapeutin, habe ihr das Wort Laufpause aus dem Vokabular gestrichen (sie haßt mich heute noch!), das Versprechen abgenommen, daß sich der Herbstmarathon noch ausgeht (hat sie gehalten!), und ihr die Erlaubnis erteilt, daß sie mich wieder lehrt, meine Beine zu benützen. Statt 3:30h bin ich in ein Debakel über vier Stunden gelaufen, habe enorme Lehren daraus gezogen und im Ziel erstmals geschrien vor Freude, wo ich mich früher geschämt hätte.

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