Schmerztherapie

"Alte Menschen wollen nicht jammern"

3. Dezember 2010, 09:01
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    foto: apa/ralf hirschberger

    Die Schmerzen älterer Menschen werden oft nicht oder nicht ausreichend behandelt.

Bis zu 80 Prozent der über 60-Jährigen leiden unter chronischen Schmerzen - Viele erhalten keine adäquate Therapie

Salzburg - Vier von fünf Menschen über 60 Jahren leiden unter chronischen Schmerzen. Doch die Zahl jener betagten Personen, die auch eine adäquate Schmerztherapie erhalten, ist nach wie vor ungenügend. Das kritisierte der Salzburger Schmerzforscher Günther Bernatzky anlässlich einer Tagung "Schmerz im Alter", die heute, Freitag, im Bildungszentrum St. Virgil in Salzburg stattfindet.

Die Schmerzen von älteren Menschen werden oft nicht oder nicht ausreichend behandelt. "Je älter man ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man Schmerzmittel bekommt", bringt Bernatzky die Situation auf den Punkt. Bei Heimbewohnern oder Menschen mit Demenz ist die Chance, eine passende Schmerztherapie zu erhalten, noch geringer als bei Senioren, die daheim betreut werden, erklärte der Salzburger Wissenschafter. Eine Studie habe gezeigt, dass ältere Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen eine um 20 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit haben, eine Schmerztherapie zu bekommen als Senioren ohne solche Beeinträchtigungen.

Verlangsamte Reaktionszeit

Dass dem Schmerz im Alter zu wenig Augenmerk geschenkt wird, hat viele Gründe, die unter anderem auch bei den Betroffenen selbst liegen: "Alte Menschen können oder wollen ihren Schmerz oft nicht deutlich zeigen, sie wollen nicht jammern", sagte Bernatzky. Gleichzeitig ist es für die Ärzte und Pfleger oft schwierig, Schmerzen zu erkennen und richtig zu diagnostizieren. Die Reaktionszeit auf einen Schmerzreiz kann bei alten Menschen verlangsamt sein, die kognitiven Fähigkeiten nehmen ab, es gibt eine reduzierte Mimik und Körpersprache. Schmerzmessmethoden, die speziell für ältere oder demente Personen entwickelt wurden, werden erst seit kurzem eingesetzt.

Ein weiteres Problem ist, dass Schmerzmedikamente in Kombination mit anderen Medikamenten zu Nebenwirkungen oder gegenseitigen Beeinflussungen führen können. Mangelnde Mobilität, Ängste oder einfach auch die mangelnde Fingerfertigkeit, eine Medikamentenpackung zu öffnen, sind weitere Faktoren, die immer wieder dazu führen, dass ein Patient die Schmerztherapie abbricht oder nicht konsequent durchführt.

Chronischer Schmerz ist schwerer zu behandeln

Hauptursachen für den Schmerz im Alter sind Arthrosen, Osteoporose, Tumore, Diabetes oder neurologische Erkrankungen. Oft führen auch Angst, Depression oder Einsamkeit zu körperlichen Schmerzen, weiß Bernatzky.

"Ich will Menschen Mut machen, mit Schmerzen frühzeitig zum Arzt zu gehen", sagt der Salzburger Wissenschafter. Schon nach wenigen Wochen können Schmerzen nämlich chronisch und damit ungleich schwerer behandelbar werden als rechtzeitig diagnostizierte Probleme. Die Aufklärung der Betroffenen ist Bernatzky ebenso ein Anliegen wie die Fortbildung von Ärzten und Pflegepersonal im Bereich der Schmerzbehandlung. An der Tagung in Salzburg nehmen rund 50 Mediziner teil. Insgesamt sei das Bewusstsein für die Bedeutung von Schmerztherapien in den vergangenen Jahren stark gestiegen, bei älteren und dementen Patienten gebe es aber nach wie vor großen Aufholbedarf, sagte Bernatzky. (APA)

Schnee von gestern
01
4.12.2010, 19:22
Ältere Dame

(ca. 85) kommt ins KH. Die bisherige Therapie wird übernommen. Nach ein paar Tagen wird das Schmerzmittel abgesetzt, weil - sie hat ja eh keine Schmerzen! Der Einwand sie erhält ein Medikament gegen Schmerzen wird ignoriert. Am nächsten Tag kann und will sie nicht aufstehen, weil ihr einfach alles weh tut!

1patscher
04
4.12.2010, 08:55
Opiate eher verschreiben

Aber auch den Einsatz von Haschisch und Marihuana lieberalisieren!

dradiumwaberl
30
4.12.2010, 00:20
ich hatte auch vor kurzem schmerzen

im knie , nachdem ich die packungsbeilage des "schmerzmittels" durchgelesen hatte , habe ich freiwillig und gerne meine schmerzen ertragen , ich lass mich doch nicht vergiften !
übrigens gewöhnt man sich an schmerzen und hält dann viel mehr aus , man lernt mit schmerz zu leben , so ist das leben eben ....

relatio subsistens
11
3.12.2010, 11:51

"Alte Menschen wollen nicht jammern."

Ich habe eine Zeit lang im Pflegebereich gearbeitet und kann diese Hypothese nicht bestätigen. Viele alte Menschen jammern über die Maßen und sind nur darauf aus, Mitleid zu erheischen. Aber es gibt natürlich auch andere. Das ganze hat mit dem Alter meines Erachtens eher wenig zu tun (Kinder ausgenommen).

theWatcher14
00
27.1.2011, 13:01
Man muss....

...sehr dankbar sein, daß Du nicht mehr im Pflegebereich arbeitest, bei Deiner unglaublichen Menschenverachtung.

Peter-Alexander Schneider
36
3.12.2010, 17:12
Gut dass Sie NICHTMEHR

im Pflegebereich arbeiten!!!

muhme
13
3.12.2010, 10:06
der Umgang der alten Leute mit Schmerz

Da gibt es auch - zumindest beobachte ich das im Familien- und Bekanntenkreis - das Phänomen, dass es einfach als anständiger und tugendhafter gilt, den Schmerz "auszuhalten" und "nichts zu nehmen". Parallel zu den vielen älteren Menschen, die Unmengen an Medikamenten schlucken gitb es immer noch viele, die glauben, wenn sie Schmerzen nicht behandeln, beweisen sie Charakterstärke. Das hat schon auch mit der Erziehung und dem Wertesystem zu tun, in dem diese Generation aufgewachsen ist.

mediview
 
02
3.12.2010, 10:46
Einstellung einer anderen Generation

Habe ich auch beobachtet und wird auch von einigen Begutachtungsärzten für Pflegestufen schamlos ausgenützt. "Läßt den Kuli fallen, Oma deutet eine Reaktion richtung Bücken an - damit war für den Arzt alles klar....? http://mediview.wordpress.com/

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