Als Planungsstadträtin ist Maria Vassilakou für einige Projekte verantwortlich, die die Grünen vor der Wahl zum Teil heftig kritisiert haben
Wien - Vom Erneuern sämtlicher Zebrastreifen bis zum Stopp diverser Autobahnprojekte: Vor der Wienwahl hatten die Grünen eine lange Forderungsliste für den roten Planungsstadtrat parat. Nun hat mit Maria Vassilakou deren eigene Chefin das Ressort übernommen - und ist für eine Reihe von Projekten verantwortlich, die sie in der Vergangenheit zum Teil scharf kritisiert hat. Etwa die Entwicklung des Geländes um den Hauptbahnhof.
Nach Skylink und Pratervorplatz sei das die nächste Baustelle, die der Wiener SPÖ aus dem Ruder laufe, sagte die grüne Klubchefin noch Ende September. Nun muss sie selbst darauf schauen, dass am Wiedner Gürtel zumindest in den nächsten fünf Jahren alles halbwegs nach Plan läuft. Dabei ist sie vom neuen Stadtteil alles andere als begeistert: Dort entstehe eine öde Monostruktur statt ein lebendiges neues Viertels, bemängelten die Grünen. Umkrempeln kann die neue Planungsstadträtin das neue Viertel freilich nicht mehr. Die Flächenwidmungspläne sind längst erstellt. Auch im Öffi-Bereich sind Vassilakou die Hände gebunden. Die Verlängerung der U1 nach Norden und der U2 nach Süden bis 2019 sind längst beschlossene Sache, auch wenn Vassilakou mehr auf Straßenbahnen setzt.
Die SPÖ habe in den letzten zwei Jahrzehnten in der Stadtentwicklung viele Weichen gestellt, die in den nächsten fünf Jahren nicht reversibel seien, sagt Stadtplaner Reinhard Seiß. Statt sich zu fragen, was ein Gebiet an Bebauung verträgt, sei es oft darum gegangen, wie viel Rendite erzielt werden könne. "Man war auch nicht ernsthaft daran interessiert, Wien zur Stadt der kurzen Wege zu machen. Stattdessen entstanden Supermärkte und Einkaufszentren fernab der Wohngebiete - und jeder kommt mit dem Auto." Der neuen Planungsstadträtin traut Seiß zwar zu, einiges umkrempeln zu wollen. "Es wird aber an der SPÖ liegen, was sich dann auch umsetzen lässt." Dass die Roten nicht überall mitwollen, machte zuletzt SP-Gemeinderat Karlheinz Hora klar: Sowohl bei der Ausweitung der Öffi-Kernzone als auch beim Parkpickerl bestehe noch Diskussionsbedarf, sagte er am Donnerstag. (Martina Stemmer, DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2010)