derStandard.at-Reportage

Gerstensaft gibt Steirern in Brüssel Kraft

Lukas Kapeller aus Brüssel, 2. Dezember 2010, 11:54
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    Steirerbluat und Bockbier sind kein Himbeersaft, weiß man in Brüssel spätestens seit Mittwoch.

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    SPÖ-Delegationsleiter Jörg Leichtfried lud den Bürger- und den Braumeister von Leoben in die EU-Hauptstadt. Den Anstich übernahm er selbst.

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    Bürgermeister Konrad (li.) ist hundertprozentig überzeugt vom Leobener Bockbier, nicht ganz so von der Handlungsfähigkeit der EU.

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    Der Trachtenverein "Roßecker" wirbelte durch die Gänge des EU-Parlaments.

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    In Bruck/Mur daheim, in der Welt zuhause: Steirer mit mitgebrachtem Bockbier.

Bockbieranstich und Schuhplattler: Ein steirischer Trachtenverein jodelte sich ins Herz der EU-Hauptstadt

Durch die Gänge des Europäischen Parlaments hallt eine Ziehharmonika. Mancher EU-Abgeordnete zieht die grauen Augenbrauen hoch und glaubt falsch zu hören. Doch dann erklingt ein Jodler.

Verantwortlich für die ungewohnten Töne ist der Trachtenverein Roßecker. "Der hat nichts mit dem Peter Rosegger zu tun, sondern wir kommen vom Berg", erzählt eine blonde Steirerin, die nicht nur Dirndl, sondern auch eine traditionelle Haube trägt. Vom 1664 Meter hohen, obersteirischen Berg Roseck, um genau zu sein. "Ich hoffe, Sie nehmen ein bisschen mit, wie es bei uns in der Steiermark so zugeht", ruft der Trachtenverein-Obmann, und schon wird musiziert, getanzt und geschuhplattelt für das internationale Publikum, dessen Mundwinkel mitunter ein leichtes Lächeln umspielt.

Europapolitiker in Lederhose

SPÖ-Delegationsleiter Jörg Leichtfried hat an diesem Mittwochabend zum Bockbieranstich geladen. Er trägt jetzt Lederhose und Steireranzug, auch seine Mitarbeiterinnen haben die schwarzen Hosenanzüge gegen Dirndl getauscht. Leichtfried schlägt dann eigenhändig mit einem riesigen Holzhammer das Fass an. Gezapft wird Bockbier, Marke Gösser.

Darum sind neben dem Trachtenverein auch der Bürgermeister von Leoben, der Braumeister von Gösser und eine Reihe von Landtagsabgeordneten aus SPÖ und ÖVP gekommen. "Das ist das beste Bock der Welt", spricht Leobens Bürgermeister Matthias Konrad (SPÖ) ins Mikrofon. Die Huldigung heißt nicht allzu viel, ist Konrad doch offiziell auch Bierbotschafter seiner Stadt.

Brüsseler Bockbier-Belagerung

Rund ums Fass tummeln sich bald Politiker und Parlamentsmitarbeiter, die meisten aus Österreich, aber auch Abgeordnete anderer Länder. Für Leichtfried bietet der Abend willkommene Abwechslung. Wie den der anderen 735 EU-Abgeordneten kennzeichnet seinen Alltag der Brüsseler Sitzungsmarathon. Das Ringen um Kompromisse kann man spannend finden, freilich ist es auch zäh. Kleinen Fortschritten gehen oft monatelange Diskussionen voraus. Doch der tägliche, beharrliche Meinungsaustausch und die Arbeit in Ausschüssen und Unterausschüssen werden in der Heimat oft wenig gedankt. "Europa-Abgeordnete haben schon ein Präsenzproblem in den österreichischen Medien" sagt Leichtfried im Gespräch mit derStandard.at.

Wer kennt in Österreich schon Leichtfrieds Position zur europäischen Wegekostenrichtlinie, oder wer weiß, dass seine SPÖ-Kollegin Evelyn Regner vor einem halben Jahr im Ausschuss für Wirtschaft und Währung für eine schärfere Regulierung von Hedge-Fonds und Private-Equity-Fonds gestimmt hat?

Leobener Bürgermeister ist "China-Fan"

Ein Bürgermeister ist in seiner Region zweifelsohne bekannter. "Weil ich täglich an der Front stehe und aus der Stadt Leben erzeugen muss", sagt Konrad zu derStandard.at. Seit 16 Jahren ist der energische Mann mit dem kurzen weißen Haar schon Stadtoberhaupt. In Leoben habe es früher "nur Staub und Rost gegeben", heute sei die Montan-Uni modernisiert und die Industrie lebendig. Ein EU-Abgeordneter sei "ein Mittelsmann, aber in der Region wird Politik gemacht".

Wenn er sich das EU-Parlament ansehe, habe er Sorgen. "Da wird ja nur geredet", sagt Konrad nach seinem Brüssel-Tag. "Darum bin ich bin ein China-Fan." Dort würden Entscheidungen schnell fallen, in Europa hingegen werde gebremst. "Heute ist mir erklärt worden, 700 Leute reden mit beim Lissabon-Vertrag. Ich habe keine Ahnung vom Lissabon-Vertrag, aber wenn das so ist, ist das der Tod der EU."

"Sind viel zu selten in Österreich"

Parteikollege Leichtfried scheint da wesentlich optimistischer zu sein: "Die Zeit wird zeigen, dass die Europäische Union das Beste ist, was seit Jahrhunderten erfunden worden ist." Als Problem sieht er, dass er wegen des Brüsseler Terminkorsetts seltener nach Österreich kommt, "als mir eigentlich lieb ist". Auch die SPÖ-Abgeordnete Karin Kadenbach bekennt beim Steiermark-Abend: "Die Abgeordneten sieht man viel zu selten in Österreich." Für sogenannte "außerparlamentarische Tätigkeiten" im Wahlkreis blieben nur vier bis fünf Wochen im Jahr.

Leichter scheint es vorläufig, die Heimat nach Brüssel zu bringen als umgekehrt. Im Hintergrund führen fünf oder sechs Trachtenpaare ihre Volkstänze auf. Die Herren tragen Kniebundhose und grünes Sakko, ihre Krawatten hält ein aus Hirschgeweih geschnitzter Ring zusammen. Die Hand in die Hüfte gestützt umkreisen sie ihre Tanzpartnerinnen, die sich um sich selbst drehen. Dazwischen immer wieder ein Jodler und immer neues Bockbier.

Gegen Ende des Abends wird auch mancher internationale Veranstaltungsbesucher zum Mittanzen aufgefordert. Im EU-Parlament gibt man sich aufgeschlossen. "Das ist nicht seltsam", sagt ein nicht-österreichischer Gast. "Das ist lokal."

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aiuto
00
was haben wir denn auch schon für ein großartiges Bier?

einzig das Murauer und a paar Kleinbrauereien,...
die anderen Sorten sind doch "Industriebiere", wo eh eines wie's andere schmeckt

song
00
6.12.2010, 09:39

am dritten bild wurde das bier auch sehr gut eingeschenkt...

Robert Fien
00
4.12.2010, 13:41
Warum müssen immer winzige im aussterben begriffene Minderheiten kulturell nach Außen hin Österreich representieren?

Genauso gut könnte man doch die Punks aus dem EKH dort MDMA schmeißend zu free tekkno beats abtanzen lassen, wäre ähnlich repräsentativ für die östereichische Gesamtbevölkerung!

Chanel3
00
4.12.2010, 13:07
Und einen Stock drüber gleichzeitig..

..noch viel, viel mehr Leute und nochmals Dirndlverdichtung, weil die ÖVP ihren Waldviertler Christbaum feierte und alle Leute mit gratis Büffet köderte.

Komisch, daß das nicht erwähnt wird...war nämlich die grössere Veranstaltung nd nicht zu übersehen.

Hat ja schon der Schüssel als Ratspräsident gemeint, Mozartkugelausteilen kann politische Arbeit ersetzen und legte einen inhaltlich erbärmlichen österreichischen Ratsvorsitz hin.

Knochenmann
00
4.12.2010, 10:27
Österreichisches Bier in Belgien...

...und für die bayrische Delegation wurde ein besonders sChmakerl vorbereitet: Gebratene Weisswürde mit extra viel Ketschup.

Verdi Sepp
00
4.12.2010, 02:00

das grinsen aus der zehnkilo-tube.

snaut
00
4.12.2010, 00:52

A Bier is a Bier. Und wannst ka Bier host, is deppad..

Foren Administrator
00
3.12.2010, 23:20
es muss ein stiegl sein

wenn schon bier, dann stiegl!!

ich geb meinen senf dazu
00
4.12.2010, 14:13

Wie unten schon angemerkt: Bier nach Belgien bringen ist wie Eulen nach Athen tragen.

Und die Bandbreite an Bieren ist hier um einiges bunter, der Unterschied zwischen Stiegl und Gösser würde wahrscheinlich kaum jemanden richtig auffallen

shaki1
00
3.12.2010, 23:07

Leichtfried trägt jetzt Lederhose UND Steireranzug.
Das muß ein wahrer Patriot sein!

Cepheus
00
3.12.2010, 20:13

1.) Ein bissi viel Schaum auf dem einen Bild.

2.) Glauben die das die mit einem Gösser Bock die Belgier vor den Ofen locken können? Ich sage nur Trapisten.

shaki1
00
3.12.2010, 23:17

1.) Schaumschläger eben...

Thomas Jackson
40
3.12.2010, 14:29

Peinlich. Da fange sogar ich einmal mit dem Fremdschähmen an.

dieter van teese
00
3.12.2010, 16:41

Fänden Sie eine baskische oder polnische Trachtengruppe auch so peinlich?

Also ich würde eher diejenigen Basken und Polen peinlich finden, die sich dafür öffentlich fremdschämen.

Locker bleiben.

Thomas Jackson
00
3.12.2010, 17:28

In dem beschriebenen Umfeld, ja!

dieter van teese
00
3.12.2010, 19:13

Auch Schotten mit Dudelsack?

Ja muss denn die Folklore aus dem Morgenland kommen, damit Sie sie stürmisch begrüßen?

Joseph Mutzenbacher
00
3.12.2010, 20:08
kommt drauf an

Geizige brauch ich zum Beispiel nicht. Wenn geizige Schotten dudeln trocknet einem bekanntlich das Herz aus. Man muss also ein bisserl aufpassen bei der Folklore. Von Hubert v. Goisern halte ich übrigens sehr viel, musikalisch wie auch spirituell. Ich würds gut finden wenn sich da viele dran orientieren würden.

der Beobachter der Beobachter
00
4.12.2010, 14:18

womit wir wieder beim morgenland sind ;-)

Schicke Schickse
20
3.12.2010, 13:58
was kostet diese veranstaltung eigentlich und wer bezahlt das?

oder ist das eine naive frage?

Thomas Jackson
00
3.12.2010, 14:30

Die Frage ist naiv. ;-)

Erstversuch
13
3.12.2010, 13:21
Das Scheissbier ist ein Heineken

Nieder mit der Brau Union. Biertrinker Unite!

Violett
03
3.12.2010, 13:17
Leider ist Ö lediglich mit solchen Klischees in Brüssel anwesend

und die österr.EU-Parlamentarier fallen auch nicht mit sonderlich toller Performance auf - Ausnahmen sind lediglich Hannes Swoboda und Othmar Karas.
Und gerade Bier nach Belgien bringen...

il padrino
00
4.12.2010, 16:58

ich weiss es einfach nicht, es wird ja null berichtet, das ist doch das eigentliche problem, der blinde Fleck Europa in unserer Medienlandschaft und da Desinteresse der Öffentlichkeit (ausser es geht um Kuriositäten wir Gurkenkrümmungen, da sind dann alle Experten ...)

Dilbert
00
3.12.2010, 12:46

Die werden uns auch noch kennen lernen.

Konsumtrottel 2.0
02
3.12.2010, 12:43
trachtenkasperliade und schuhplattler

what next? lippizanerattacke und mozartkugelschlacht? klischeehafter is es wohl nicht mehr gegangen. und das bier wurde scheinbar auch schlecht gezapft.

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