Rote Erde, weißes Gold

2. Dezember 2010, 16:58
  • Anreise & Unterkunft
Mit der TAM ab Wien über Frankfurt 
nach São Paulo oder Rio de Janeiro.
Direkt in Joao Pessoa im Hotel 
Verdegreen, das sehr zentral und direkt am Strand liegt. Hier legt man Wert auf Nachhaltigkeit.
Etwa 20 Kilometer von João Pessoa entfernt liegt Conde. Dort geht es noch entspannter zu, hier findet man einsame Strände und absolute Ruhe. Unterkunft in der Pousada das Conchas.
Durch die Engenhos, wie die 
Companhia Usina São João, gibt es Führungen
 im Rahmen eines Programms mit Namen "Civilização do Açucar".
Allgemeine
 Infos und Organisation der Touren: www.joaopessoa.pb.gov.br, E-Mail: elzariojr@joaopessoa.pb.gov.br
    foto: mirjam harmtodt

    Anreise & Unterkunft

    Mit der TAM ab Wien über Frankfurt nach São Paulo oder Rio de Janeiro.

    Direkt in Joao Pessoa im Hotel Verdegreen, das sehr zentral und direkt am Strand liegt. Hier legt man Wert auf Nachhaltigkeit.

    Etwa 20 Kilometer von João Pessoa entfernt liegt Conde. Dort geht es noch entspannter zu, hier findet man einsame Strände und absolute Ruhe. Unterkunft in der Pousada das Conchas.

    Durch die Engenhos, wie die Companhia Usina São João, gibt es Führungen im Rahmen eines Programms mit Namen "Civilização do Açucar".

    Allgemeine Infos und Organisation der Touren: www.joaopessoa.pb.gov.br, E-Mail: elzariojr@joaopessoa.pb.gov.br

  • Fotos von der Zuckerfabrik São João und von João Pessoa gibt es in einer Ansichtssache.
    foto: mirjam harmtodt

    Fotos von der Zuckerfabrik São João und von João Pessoa gibt es in einer Ansichtssache.

  • Außerdem gab es Anfang des Jahres einen Blog zur 
Reise auf derStandard.at.
    grafik: der standard

    Außerdem gab es Anfang des Jahres einen Blog zur Reise auf derStandard.at.

  • Tourismusvideo aus dem Nordosten

Bis heute ist Brasiliens Nordosten vom Zuckerrohranbau geprägt. Das schlägt sich in der Küche nieder, in der ethnischen Vielfalt und in den Tänzen

Die vom Wind aufgewühlte rote Erde der Lehmstraße, die zur "Usina São João", einer Zuckerfabrik in der kleinen Stadt Santa Rita führt, wirft einen roten Schleier über das grüne Tal unter der glühenden Sonne Paraíbas. Der kleine SUV wird ordentlich durchgeschüttelt auf dem rumpeligen Weg durch den Wald. Am Horizont tauchen rauchende Schlote auf, dann ein barocker Kirchturm und schließlich die Fassade eines alten Herrenhauses im Kolonialstil.

Paraíbas Geschichte ist zuckersüß und bitter. Der große Reichtum mit dem Zuckerrohr, der zugleich die Hochblüte der Sklaverei in Brasilien einläutete, begann im Bundesstaat Pernambuco im 16. Jahrhundert, als die Portugiesen die vorzüglichen Eigenschaften von Boden und Klima erkannten und begannen, Geschäfte mit dem weißen Gold zu machen. Die Produktion weitete sich auf die Staaten Paraíba, Alagoas und letztendlich beinahe den gesamten Nordosten Brasiliens aus. Bis heute ist die Kultur im Nordosten Brasiliens vom Zuckerrohranbau geprägt, spiegelt sich in der regionalen Küche, der ethnischen Vielfalt und den traditionellen Tänzen wie der Capoeira wider. Brasilien war in jenen Tagen das einzige Land, das Europa den kulinarischen Alltag versüßte und damit auch den portugiesischen Kolonialherren die Taschen füllte.

Heute kann man die Zuckerfabriken, "Engenhos" genannt, die teilweise noch in Betrieb sind, im Rahmen von organisierten Ausflügen besuchen. Drei verschiedene "Roteiros do Açúcar" - Zuckerrouten - gibt es allein im Bundesstaat Paraíba, in der Umgebung der Hauptstadt João Pessoa. Auf aufwändiges Haarstyling, strandtaugliche Bekleidung und vor allem sommerliches Schuhwerk kann man getrost verzichten, denn Helm und geschlossene Schuhe sind Vorschrift. Schließlich begibt man sich in eine in Betrieb befindliche Produktionsstätte, wo tonnenschwere Lasten bewegt werden, heißer Dampf senkrecht und waagrecht aus Rohren schießt und jede Menge geschrettertes Zuckerrohr durch die Luft fliegt.

Der Duft von Erde, Zucker und Alkohol liegt in der Luft. In der Engenho São João werden heute täglich 8000 Kilogramm raffinierter Zucker und 120.000 Liter Biosprit produziert. Von September bis März laufen die Förderbänder und Destillierapparate unter Volldruck. Dann kehrt Ruhe ein, bis die neue Saison startet. São João ist eine Zuckerstadt, ein privates Anwesen, das die gesamte Infrastruktur für die Menschen bietet, die in irgendeiner Form mit den Arbeiten in der Fabrik zu tun haben.

Es gibt Wohnhäuser und Schulen, und die Familien leben und arbeiten hier. Im Dreischichtbetrieb wird der wertvolle Saft aus den Stangen gequetscht, mit Chemikalien versetzt, erhitzt, gekühlt, destilliert und zu den begehrten Endprodukten verarbeitet. Vor allem der Biosprit-Markt wird mit dem Saft aus dem süßen Gras beliefert, Brasilien ist heute hinter den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Produzent von Bioethanol.

Bis ins späte 16. Jahrhundert war es die indianische Bevölkerung, die auf den Zuckerrohrplantagen für die portugiesischen und holländischen Kolonialherren schufteten und starben. Dann waren es afrikanische Sklaven, die in einer unerreicht hohen Zahl nach Brasilien verschleppt wurden, um den süßen Strom von Amerika nach Europa aufrechtzuerhalten. Millionen von Menschen bezahlten den Wirtschaftsfaktor Zucker mit dem Leben, bis Brasilien als letztes Land der westlichen Welt die Sklaverei 1888 endgültig aufhob.

Noch heute sind die ehemaligen Gebäude der Plantagen vielerorts erhalten. Allerdings nicht aus Respekt oder zum Gedenken an die unmenschlichen Tatsachen der Geschichte, sondern vielmehr aus praktischen Gründen. In den ehemaligen Sklavenbaracken leben heute die Familien der Arbeiter. Keine Tafel, kein Stein, kein einziges Dokument erinnert an das, was hier noch vor rund 150 Jahren tagtägliche Praxis war.

João Pessoa selbst existiert allein aufgrund des unglaublichen Reichtums der Zuckerindustrie. Die drittälteste Stadt Brasiliens ist lebendiger Zeuge sämtlicher Epochen der Kolonialherrschaft und war von Beginn an ein wichtiger Handelsplatz für die Verschiffung von Zuckerprodukten und den Sklavenhandel. Nirgendwo ist man Afrika näher als am östlichsten Punkt des amerikanischen Kontinents, der hier in João Pessoa liegt. Die Stadtregierung gibt sich sichtlich Mühe, die Jugendstilhäuser, die in zuckerlbunten Farben bemalt sind, zu erhalten. Ein Blick von der "Casa do Pólvora", dem einstigen Pulverhaus, ist ein Ausflug in die koloniale Vergangenheit des Landes. Die Stadt liegt im goldenen Schimmer der untergehenden Sonne, hinter den barocken Fassaden der Altstadt wiegen sich die Palmen in der Meeresbrise.

Brasilianischer Barock in verschwenderischer Üppigkeit versteckt sich hinter der durch den Staub der Jahrhunderte, etwas in Mitleidenschaft gezogenen Fassade der Kirche São Francisco, die Teil eines ganzen Baukomplexes ist. Azulejos leuchten in unverblasstem Blau von den Wänden, die Holzdecken sind reichlichst mit Schnitzereien und Malereien ausgeschmückt, auf den im Original erhaltenen Böden wagt man kaum, einen Fuß zu setzen. Der Reichtum der Stadt und der gesamten Region wäre ohne die Zuckerindustrie undenkbar gewesen.

Die Stadt investiert in die Errichtung öffentlicher Plätze, die sicher und sauber sind, von der Stadtbevölkerung genutzt werden und sich hervorragend dazu eignen, mit den Bewohnern in Kontakt zu treten.

Vielleicht bei einem "Caldo de Cana", dem ausgepressten Zuckerrohrsaft oder einem "Agua de Coco", aber bitte "bem geladinho", also eiskaltes Kokoswasser, direkt aus der Nuss getrunken.

Dazu isst man die Tapioca genannten Manjokmehlfladen, gefüllt mit "Carne do sol", dem gesalzenen und getrockneten Rindfleisch, das typisch für die Region des Nordostens ist. Getanzt wird Forro, ein sinnlicher Tanz, der auch dem Lambada Vorbild war.

João Pessoa ist eine Stadt, die sich nicht an den Tourismus verkauft hat, für die Bewohner arbeitet und gerade daher ihre Attraktivität behalten hat und sogar noch dazugewinnt. Ob und wie lange sie dem finanziellen Druck eines permanenten Wachstums widerstehen kann, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. (Mirjam Harmtodt/DER STANDARD/Rondo/3.12.2010)

-> derStandard.at/Reisen auf Facebook.

Fotos von der Zuckerfabrik São João und von João Pessoa gibt es in einer Ansichtssache.

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1 Posting
Ja der Nordosten ist zu empfehlen.......!

das ist eine schöne Ecke Brasiliens und auch sicherer als zB Rio und drumherum bis Sao paulo !! Zwischen Fortaleza und Natal - Bahia sind die wunderbaren endlosen Sandstrände ein Traum, wie auch alles Andere

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