Kokain in der Arbeitswelt

Schneegestöber in der Nase

Regina Philipp, 2. Dezember 2010, 09:29
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    foto: apa/helmut fohringer

    Musalek: "Heute wird praktisch nur noch geschnupft. Ein intravenöser Konsum ist sehr selten."

Feine Eiskristalle versetzen uns dieser Tage in Weihnachtsstimmung - In der Arbeitswelt erfreut sich psychoaktiver „Schnee" immer größerer Beliebtheit

In der Welt der Drogen genießt Kokain einen besonderen Ruf. Wird das weiße Gold doch nicht mit Elend und Verwahrlosung in Verbindung gebracht, sondern vielmehr mit Glamour und Partylaune. Geschnupft wird heute in bester Gesellschaft. Börsenmakler, Künstler, Spitzenmanager und Ärzte ziehen sich Koks, zu fein säuberlichen Linien präpariert durch gerollte Euro-Noten hinein in ihre Nasen. Und nicht nur Bestverdiener, auch für die bürgerliche Mittelschicht ist das Kokain zu einem leistbaren Vergnügen geworden.

„Kokain findet sich mittlerweile in allen Berufssparten, wo Arbeitnehmer großem Druck ausgesetzt sind", weiß Michael Musalek, Leiter des Anton-Proksch-Entzugsinstituts. Zurückzuführen ist diese verbreitete Tatsache auf die Wirkung der Droge. Denn das weiße, geruchlose, bitter schmeckende Pulver steigert die Ausdauer und das Selbstbewusstsein, macht dynamisch, kreativ und euphorisch - alles wonach eine Leistungsgesellschaft eben verlangt.

Droge mit zwei Gesichtern

Für Nichtkenner vorweg: Kokain wird aus den Blättern des südamerikanischen Kokastrauches, der heiligen Pflanze der Inka, gewonnen und auch heute noch von den Anden -Indios zur Bekämpfung von Hunger und Müdigkeit benutzt. Nach Europa gelangte es im 18.Jahrhundert, 1855 wurde der Hauptwirkstoff aus Kokablättern erstmalig extrahiert und kurze Zeit später fand er als Lokalanästhetikum seine medizinische Anwendung. Parallel dazu schaffte Kokain den Aufstieg zur Modedroge, unter anderem weil seine antreibende Wirkung in Mischgetränken sehr geschätzt wurde. Medizinalstatus und Kokagehalt in Limonaden sind verloren gegangen, als Partydroge ist Koks aber nach wie vor aktuell. In den 70-er und 80-er Jahren hat sich Kokain und seine Derivate auch in der Drogenszene fest etabliert. Seither bezeichnen Experten den „Schnee" als die Droge mit den zwei Gesichtern: Droge des Elends in der Gruppe der schwerstabhängigen Polytoxikomanen und Lifestyledroge für strebsame junge Aufsteiger.

Schenkt man der Statistik Glauben, dann haben in Österreich jedoch gerade einmal zwei bis vier Prozent aller jungen Erwachsenen Erfahrung mit Kokain. „Die Dunkelziffer ist wesentlich höher. Die Zahlen sind jedoch schwer zu erfassen, denn Menschen die sich in guten beruflichen Positionen befinden, werden mit Kokainproblemen sicher nicht in eine öffentliche Drogenambulanz oder Drogenberatungsstelle gehen", so Rainer Schmid, Leiter der Toxikologie und Medikamentenanalytik am Wiener AKH. Es wird also fleißig konsumiert und dabei die Gefährlichkeit des „Champagners unter den Drogen" nach wie vor weit unterschätzt.

Hohes Abhängigkeitspotential

„Kokain besitzt ein Abhängigkeitspotential, vergleichbar mit dem von Heroin", betont Musalek. Das hat vor allem mit Wirkungseintritt und -dauer der weißen Droge zu tun. Über die Nase appliziert kommt der gewünschte Kick in Minutenschnelle, hält aber nicht besonders lang an. Darum heißt es rasch nachlegen, sonst darf der Kokainist Unangenehmes erwarten: Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Versagensängste und depressive Verstimmungen tauchen auf und steigern das Verlangen nach mehr.

Bezogen auf die psychischen Folgen herrscht Einigkeit. Was die physische Abhängigkeit angeht, wurde diese auch in Fachkreisen lange negiert. „Ein Alkoholentzugssyndrom dauert sieben bis zehn Tage, ein Kokainentzugssyndrom dagegen Wochen bis Monate", beschreibt Musalek den mühsamen Weg aus der Kokainsucht. Besonders zu schaffen machen den Süchtigen vor allem Antriebsstörungen, die sich in chronischer Apathie, Lust- und Interesselosigkeit und im schlimmsten Fall in einer schweren Depression äußern.

Akut kardiotoxisch

Probleme bereitet Kokain dem Körper jedoch nicht nur im Entzug. Die verschwindende Müdigkeit beim Konsum ist eine Folge sympathikotoner Effekte. Parallel zur Verengung der Blutgefäße, kommt es zu einer Steigerung der Herzfrequenz, die Atmung wird schneller und der Blutdruck erhöht sich. „Herzinfarkte bei sehr jungen Erwachsenen finden ihre Ursache häufig im Kokainkonsum", erzählt Schmid von der akut kardiotoxischen Wirkung. Die plötzliche Hypertonie kann auch Schlaganfälle oder Krampfanfälle im Gehirn auslösen. Die Angaben darüber, welche Dosis gefährlich werden kann, schwanken, da das Risiko stark von individuellen Faktoren abhängt.

Einer der von den langfristigen Folgen eines Kokainkonsums profitiert ist der Schönheitschirurg. „Kokain ist eine basische Substanz, wirkt also ätzend", erklärt Schmid. Die durchlöcherte Nasenscheidewand in der Koksernase lässt sich anschließend nur mehr chirurgisch sanieren.

Die körperlichen Risiken sprechen alle für sich, doch mit der Illusion den Gebrauch kontrollieren zu können, sieht der User darüber locker hinweg. Zu perfekt passt Kokain in die hedonistische Spaßkultur, in der jeder gut drauf ist, erfolgreich und leistungsfähig. Und so wird munter weiter geschnupft, wohlwissend, dass irgendwann jeder Süchtige seine Euphorie mit einer Depression zurückzahlt. (derStandard.at, 02.12.2010)

Kommentar posten
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Der Busfahrer
00
25.7.2011, 15:33
wollte noch was posten...

...hab aber überhaupt keine zeit...
keine zeit...

Rocco600
21
17.1.2011, 14:14

Lieber koksen als rauchen!

Der dicke Michl
00
20.1.2011, 09:26

Lieber saufen als wi**en.

Feier </tag>
00
18.1.2011, 11:06
Kokain beeinflusst Ihre Wahrnehmung,

nachhaltig....

Cut-Me-Own-Throat Dibbler
00
17.1.2011, 14:04
Ungeeignet zum Aufputschen, da die Wirkung viel zu kurz u. der Crash zu heftig ist.

Bei Amphetaminen sieht's da gleich wieder ganz anders aus - ein Bericht darüber, wie verbreitet da in gewissen Berufsgruppen (Fernfahrer, Akkordarbeiter, u.ä.) der Missbrauch ist wäre mal interessant.

Die Methepidemie aus Asien u. dem mittleren Westen wird auch vor Europa nicht mehr lange halt machen.

koSebi
 
63
24.12.2010, 12:04
Kokser sind Mörder

Jedes Kilo Kokain tötet einen Menschen in Südamerika. Somit ist jeder dieser "coolen" LuxusMenschen indirekt ein Mörder.

Mama ist sicher stolz auf euch....

nasserfetzn
12
16.1.2011, 18:01

damit sind aber auch die regierungen als mörder zu sehen, denn die prohibition macht das alles erst möglich.

Der dicke Michl
10
17.1.2011, 13:16

Ja sicher. Am besten wird der Handel und der Konsum komplett freigegeben und gleichzeitig die Rezept- und Apothekenpflicht für alle Medikamente aufgehoben und diese Maßnahme wird durch "Aufklärungsmaßnahmen" der Pharmaindustrie "begleitet".

Die Leute sollen koksen, saufen, kiffen und schlucken was sie kriegen können. Am besten alles auf einmal. Dann wird alles gut. Ganz sicher. Da geht dann die Sonne auf auf dieser Welt...

thunderball
02
19.1.2011, 18:52

aber wirklich. wo kommen wir denn bitte hin wenn wir plötzlich den leuten selbst überlassen was sie ihrem eigenen körper zumuten dürfen.

Der dicke Michl
10
20.1.2011, 09:25

So ist es! Denn hierzulande gilt ja der Spruch: Freie Fahrt für freie Bürger und volle Fahrt für volle Bürger.

William Arthur Philip Louis Mountbatten-Windsor, KG
 
00
24.12.2010, 03:24

Echt lustig wieviel Auskenner sich hier zusammenfinden und ihre ewig gleichen Pauschalismen und Vorurteile ablassen, und sich auch noch so gscheit dabei vorkommen.

Erika Rothen
13
25.12.2010, 12:00
Ahhh.... ein "Profikokser".

Sie können bestimmt bestens und verantwortungsvoll damit umgehen, haben Ihren Konsum sicher fest im Griff, nicht wahr?

William Arthur Philip Louis Mountbatten-Windsor, KG
 
00
24.12.2010, 02:56

Einiges an Schulbuchweisheiten oder generell Blödsinn in diesem Artikel...

Shaman141
 
00
11.12.2010, 18:23
...

es wurde mal ein zusammenhang zwischen koks und der prinz-metal-angina vermutet! weiß irgendwer darüber was aktuelles? rein äthiologisch würde das ja zusammenpassen...! mfg,, shaman

Posten Sie mich bloß nicht an!
00
10.12.2010, 16:48
Denn das weiße, geruchlose, bitter schmeckende Pulver steigert die Ausdauer und das Selbstbewusstsein, macht dynamisch, kreativ und euphorisch - alles wonach eine Leistungsgesellschaft eben verlangt.

Seit wann verlangt unsere Gesellschaft Kreativität? Bei Steuerhinterziehung vielleicht.

William Arthur Philip Louis Mountbatten-Windsor, KG
 
00
24.12.2010, 03:25

In kreativen Berufen vielleicht? Ist ja nicht jeder Steuerhinterzieher im Hauptberuf. ggg

Dagmar Rehak Wien
 
01
9.12.2010, 11:04
"„Kokain ist eine basische Substanz, wirkt also ätzend", erklärt Schmid. Die durchlöcherte Nasenscheidewand in der Koksernase lässt sich anschließend nur mehr chirurgisch sanieren."

Tut das nicht weh?

M L3
00
18.1.2011, 19:04
Kokain-Hydrochlorid, das wasserlösliche Salz ist auch nicht ätzend

Die Base ist nicht wasserlöslich, sie kann aber als "Crack" geraucht werden. Die Löcher in der Nasenscheidewand kommen aufgrund von Verletzungen, weldche sich infizieren und entzünden können, zB von schrafkantigen geldscheinen, welche auch noch dreckig sein können. Aufgrund der betäubenden Wirkung der Droge bekommt man dieses Geschehen aber sehr lange nicht mit.

William Arthur Philip Louis Mountbatten-Windsor, KG
 
10
24.12.2010, 02:57

Kokain wirkt auch betäubend...aber man mus sich schon gewaltig viel reinziehen um eine durchlöcherte Nasenscheidewand zu haben.

Friedrich Lötz
 
01
6.12.2010, 15:23
belustigend

finde ich die Werbeschaltung der Bank Austria dazwischen :-)

ranchorelaxo
02
6.12.2010, 13:55
Börsenmakler, Künstler, Spitzenmanager und Ärzte

wieso werden die politkasperln verschwiegen?
man braucht sich ja nur anzusehen was die so aufführen ...

lanebbia
01
6.12.2010, 13:43

Was soll diese semantische Verharmlosung eines psychisch massiv abhängigmachenden Suchtmittels?
"Nichtkenner"... was ist dann ein "Kenner"?
"Passt perfekt in die Spaßkultur"
"Champagner unter den Drogen" etc. klingt eher wie ein Werbeartikel als wie eine seriöser Beitrag.
Ich möchte nicht die Sekretärin eines kokainsüchtigen Chefs oder etwa dessen Geschäftspartner sein, danke nein.

William Arthur Philip Louis Mountbatten-Windsor, KG
 
00
24.12.2010, 02:58

Verharmlosung? Das sind Tatsachen. Oder meinst es gibt keinen Unterschied zwischen Leuten die sich damit befasst haben "Kenner", ob jetzt aktiv oder passiv ist irrelevant, und Leuten die nur aus Schulbüchern ihre Weisheiten darüber haben, also "Nichtkenner". Und das es in die Spaßkultur passt ist nunmal auch Fakt.

standardabweichung
00
6.12.2010, 11:37

sich einen geldschein in die nase zu stecken muss man wohl als nasal-anale autopenetration bezeichnen

radlerwahn
114
5.12.2010, 20:17
Wenn man beobachtet,

welche menschlichen A...löcher sich in diversen Management- und Führungsebenen sich wichtig machen, wundert es nicht, dass dies auf Koksen zurück zu führen ist! Überheblichkeit und Arroganz ist nur eines der Merkmale von Kokainkonsum. Die geben den Druck dann weiter und so weitet sich das Schneegestöber immer mehr aus.

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