Streit um Georgien überschattet OSZE-Gipfel

01. Dezember 2010 18:45

Westen fordert Wiederaufnahme einer OSZE-Mission, Moskau lehnt ab

Das erste OSZE-Gipfeltreffen seit elf Jahren drohte in Kasachstan am Kaukasus-Konflikt zu scheitern. Westliche Staaten forderten eine neue Mission der Organisation in Georgien - ein Tabu für Russland.

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Erfolg oder Scheitern des Gipfeltreffens der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in der kasachischen Hauptstadt Astana lagen am Mittwoch eng beieinander. Knackpunkt: der Georgien-Konflikt. Die Forderung vor allem des Westens, aber auch anderer Länder, nach Wiederaufnahme einer OSZE-Mission auf dem gesamten georgischen Territorium - also auch in den abtrünnigen, von Russland als unabhängige Staaten anerkannten Regionen Südossetien und Abchasien - traf auf den anhaltenden Widerstand Moskaus.

Ohne Kompromiss in dieser Frage war aber keine gemeinsame Schlusserklärung möglich, die schon als Entwurf vorlag. Darin geht es um einen Aktionsplan zur Stärkung der OSZE in Krisenfällen und bei der Bewältigung neuer Herausforderungen wie Cyberattacken, aber auch um eine Bekräftigung der ursprünglichen Ziele der Organisation: Sicherheit für alle Mitglieder im politisch-militärischen, wirtschaftlich-sozialen sowie im humanitären und Menschenrechtsbereich.

Nachdem sich die Debatte um Georgien festgefahren hatte, wurde sie auf die höchste Ebene gehoben: Spitzenvertreter Russlands, der USA und der EU suchten nach einer Lösung. Gelinge sie, dann könne das auch den Durchbruch in den beiden anderen "eingefrorenen" Konflikten bringen, hieß es aus Konferenzkreisen: bei dem von der Republik Moldau abgespaltenen prorussischen Transnistrien und der von Armenien besetzten, zu Aserbaidschan gehörenden Region Berg-Karabach.

Einigung auf dem Spiel

Scheiterten die Gespräche aber, dann werde auch alles andere hinfällig, auf das man sich bisher geeinigt habe, hieß es weiter. Dann bliebe unter Umständen nur eine Gipfelerklärung des kasachischen OSZE-Vorsitzes. Für die ehrgeizigen Ambitionen der Führung in Astana und angesichts der aufwändigen Inszenierung durch den gastgebenden Präsidenten Nursultan Nasarbajew wäre das ein schmerzlicher Dämpfer.

Die kasachische Hauptstadt steht ganz im Banne des Ereignisses: OSZE-Schriftzüge auf riesigen Plakaten entlang der Straßen, Lichterglanz, weiträumige Absperrung des Konferenz-Palasts, Scharfschützen auf den Dächern.

Auch politisch beeindruckten die Gastgeber: In den überarbeiteten Entwurf der Schlusserklärung nahmen sie die Forderungen nach einem Abrücken vom Konsensprinzip hinein, um die Handlungsfähigkeit in Krisenfällen, also etwa in Georgien, zu vergrößern. Darauf hätten die Russen verschnupft reagiert, hieß es.

Die Frontstellung wurde schon kurz nach der Eröffnung des Gipfels offenkundig. Nachdem Nasarbajew die 38 Staats- und Regierungschefs, diverse Vizepremiers und Minister in einer Art Hofzeremoniell nacheinander auf der Bühne begrüßt hatte, sprach der russische Präsident Dmitri Medwedew als erster den Georgien-Konflikt an: Gewaltanwendung wie durch Georgien (im August 2008) sei "absolut unzulässig" .

US-Außenministerin Hillary Clinton, Frankreichs Premier François Fillon und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel bekräftigten in ihren Reden fast gleichlautend die Souveränität und territoriale Integrität Georgiens. Auch Bundespräsident Heinz Fischer sprach sich für eine neue OSZE-Präsenz in Georgien aus.

Clinton forderte im Plenum die Einhaltung von Menschenrechten und Medienfreiheit zur Stärkung der Zivilgesellschaft. Nasarbajew hörte mit unbewegtem Gesicht zu. (Josef Kirchengast aus Astana/DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2010)

Kommentar posten
23 Postings
Amenhotep IV
02.12.2010 14:06
Wikileaks

hat vier Cables von der US Botschaft in Tiblis veröffentlicht, die auch zum obigen Thema eine neue Einsicht erlauben!

http://cablegate.wikileaks.org/origin/13_0.html

Sie sind ein wenig mit Voricht zu geniessen, da sie ausschliesslich die Meinung der US Vertretung beschreiben und (noch) nicht die Ergebnisse der EU Untersuchung miteinbeziehen...

P.S einige dieser Cables wurden auch an das: EUROPEAN POLITICAL COLLECTIVE gesendet ;-)

kopernikus
02.12.2010 12:53

Solange der Westen auf der Unabhängigkeit des Kosovo beharrt sind jedwede Fragen zu Abchasien bzw. Südossetien hinfällig.

andreas00
 
01.12.2010 23:05
Was ist der Westen?

Das US-Außenamt und deren Befehlsempfänger in diversen westeuropäischen Hauptstädten

sell
01.12.2010 22:53
Das Foto finde ich toll.

Nasarbajev vor den Flaggen Kirgistans, Lettlands, Mazedoniens, Liechtensteins und Litauens. Nach dem französischen Alphabet steht MK fast! an der richtigen Stelle.

sell
01.12.2010 22:44
Wer sich hier aufregt, ist selber schuld

Auf dieser Veranstaltung wird es kein einziges Ergebnis geben. Kasachstan hat sich angestrengt, hat aber auch nichts davon. Das wäre ja auch noch besser. Alles nur heißer Wind.

udo pützemann
01.12.2010 20:26
Krawatten-Fresser soll abhauen!

anke wiesen
01.12.2010 19:33

Was ist mit Kosovo! Wird es Serbien auch zurück gegeben?

The Gentle Art of Making Enemies
01.12.2010 20:51
Was ist mit Tschetschenien?

Sorgen sich die Russen auch um deren Autonomie?

Blada Mlada
03.12.2010 14:45
Tschetschenien ist ja russisch gewesen.

Also was soll man wem "zurückgeben" im Falle von Tschetschenien?

Und Kosovo gehört zu Serbien.
Also muss Kosovo an Serbien zurückgegeben werden...

Stani83
02.12.2010 16:23
Was soll damit sein?

Yossarian
01.12.2010 23:41

Tschetschenien ist ja eine autonomen Republik in der Russischen Föderation und kann so ziemlich alle Angelegenheiten selbst regeln..

Sorgen sollte man sich eher darum, dass ein paar radikale Moslems dort einen islamischen Staat a la Taliban oder Iran installieren möchten.

anke wiesen
01.12.2010 23:06

was ist mit deiner anderen arsch hälfte? sorgst du dich um ihre autonomität?

tramtatam
05.12.2010 22:32
der hat echt gesessen!

ich meine den A####
daher keine Sorgen um seine Autonomität ^^

sell
02.12.2010 00:31
Entschuldigung!

was ist denn das für ein unqualifiziertes und beleidigendes Posting? Muss man sich wirklich auf so ein Niveau begeben?
Darf man jemandem, der nach Tschetschenien fragt, nicht dieselbe Ernsthaftigkeit gönnen, wie jemandem, der nach Kosovo fragt?

anke wiesen
02.12.2010 18:45

Oh sorry ich dachte sie haben geschärzt

Karl Heiden1
01.12.2010 21:50
Was ist mit Katalonien, mit dem Baskenland, mit Schottland, mit Kurdistan etc., etc.

Eine uferlose Agenda ...

Isokolon
02.12.2010 15:20

Kärnten, Tirol, Vorarlberg, Burgenland....

Karl Heiden1
02.12.2010 15:41
Wenn schon, denn schon:

Südtirol, "Transdanubien" ...

sell
01.12.2010 22:41
Ich mache mal so weiter

Kurdistan gehört nicht zu Europa.

Karl Heiden1
01.12.2010 22:51
Für alles und jedes gibt es so genannte Präzedenz- bzw. Beispielsfälle ...

sell
01.12.2010 22:55
He?

Karl Heiden1
02.12.2010 09:53
Hi!

Goran Markovic
01.12.2010 21:03

Wieviele Tschetschenen (Ich meine jetzt die normalen 80% der Bevölkerung, die nicht mit einem langen Bart herumrennen und die Sharia einführen wollen) wollen den eine Unabhängigkeit, um dann genau unter diesen Wahabiten zu fallen, damit aus Tschetschenien ein 2.Taliban-Afghanistan wird ?

Mit wievielen Tschetschenen reden Sie den so im Schnitt jährlich ? Woher dann Ihr Wissen über die Unabhängigkeitsbestrebungen des 08/15-Tschetschenen.
Aber Hauptsache es geht gegen Russland.

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