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Schutz und Betreuung für Folteropfer in Wien

Bianca Blei, 2. Dezember 2010, 17:09
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    Siroos Mirzaei ist gebürtiger Iraner und arbeitet als Primar-Arzt im Wiener Wilhelminenspital.

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    Sonja Brauner ist seit vier Jahren als Psychotherapeutin für Hemayat tätig.

Seit 15 Jahren betreut der Verein Hemayat traumatisierte Flüchtlinge - Schicksalschläge, Kritik am österreichischen Asylverfahren und Erfolgsgeschichten inklusive

Das Wort "Hemayat" kommt aus dem persischen und arabischen Sprachraum und bedeutet "Betreuung" oder "Schutz". In Wien steht das Wort seit fünfzehn Jahren für die Arbeit mit Folteropfern und kriegstraumatisierten Menschen. Anlässlich des Jubiläums hat der Verein Hemayat das Buch "Abbilder der Folter" veröffentlicht, in dem Mitarbeiter über ihre Arbeit berichten. "Uns war wichtig, die Informationen über unsere Arbeit weiterzugeben und so etwas zum Kampf gegen die Folter beizutragen", sagt Siroos Mirzaei, Gründungsmitglied des Vereins. Man wollte eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema erreichen.

Jährlich an die 700 Klienten werden von den Experten bei Hemayat betreut und obwohl das Team mittlerweile aus über 50 Mitarbeitern besteht, gebe es Wartezeiten für einen Therapieplatz von bis zu vier Monaten. Dabei steige laut Mirzaei der Bedarf für Plätze kontinuierlich, die Herkunftsländer der Opfer, würden sich aber laufend verändern. "Als wir mit dem Projekt begonnen haben, lag unser Schwerpunkt vor allem auf dem Krisengebiet Balkan. Später betreuten wir vor allem tschetschenische Flüchtlinge und in weiterer Folge auch vermehrt Personen aus dem Irak und Afghanistan", sagt Mirzaei und fügt hinzu: "Und der Iran ist sowieso ein Dauerbrenner."

Die Anfänge

Mirzaei stammt selbst aus dem Iran, hatte aber "zum Glück persönlich nie etwas mit Folter zu tun, das Thema war aber nicht unbekannt." In seiner Zeit als Sprecher der Ärztegruppe von Amnesty International hatte er immer wieder mit traumatisierten Flüchtlingen zu tun und schrieb deshalb einen Artikel in der "Ärztewoche". Darin beschrieb er den bestehenden Bedarf für einen Verein, der sich dieser Klienten annimmt. Eine Psychologin und ein Psychiater meldeten sich daraufhin und Hemayat war geboren. "Am Anfang behandelten wir noch zu Hause, weil wir keine Infrastruktur hatten", erinnert sich Mirzaei.

Psychotherapie bei Kindern

Seit vier Jahren ist auch Sonja Brauner Teil des Hemayat-Teams. Sie ist Psychotherapeutin mit dem Schwerpunkt Traumapatienten und betreut vor allem Kinder und Jugendliche. Sie behandelt im Moment sechs Kinder und sechs Erwachsene als Klienten des Vereins. Außerdem fallen die Erstgespräche mit Kindern und Jugendlichen in ihren Aufgabenbereich. Als Schwierigkeit aber zugleich angenehme Herausforderung in der Therapie bezeichnet Brauner die verschiedenen Kulturen und Sprachen. Ein Dolmetscher sei zu Beginn immer dabei, doch nach dem Übersetzen herrsche "manchmal eine richtige Sprachlosigkeit. Die Kinder lernen aber sehr schnell Deutsch, sodass ich den Übersetzer vor allem für die Elterngespräche brauche."

Auch nicht einfach sei die Tatsache, dass viele der Patienten noch keinen positiven Asylbescheid hätten und sie deshalb nicht wüsste, wie lange sie die Therapie durchführen könnte, so Brauner. Manche Klienten würden noch während der Behandlung abgeschoben werden.

Sprachlosigkeit

Ihre aktuell jüngste Patientin ist ein fünfjähriges Mädchen aus Georgien, das in Österreich geboren wurde, aber von Beginn an kein Wort gesprochen hat - weder auf Deutsch noch Georgisch. Ihre Eltern mussten aus politischen Gründen aus Georgien fliehen und auch in Österreich mit Misstrauen und Ablehnung kämpfen. "Meine erste Hypothese war deshalb, dass das Kind nicht spricht, weil es mitbekommen hat, dass seine Eltern nicht gehört werden", erzählt Brauner. Vor ein paar Wochen sei das Mädchen dann aber mit zwei Blumensträußen in die Therapiestunde gekommen und hätte gesagt: "Die habe ich für dich ausgesucht". Für Brauner das mitunter bewegendste Erlebnis in ihrer Zeit bei Hemayat.

Shiatsu als Therapie

Der Verein bietet neben medizinischen Untersuchungen und psychologischer Unterstützung, auch Shiatsu-Therapien an. "Darauf sind wir ganz besonders stolz", sagt Mirzaei. Viele Experten seien bei dieser Therapieform skeptisch gewesen, da man Folteropfer nicht durch Hände behandeln könne, da diese bei den Misshandlungen auch eingesetzt worden wären. "Wir hatten aber eine kurdische Frau, die schwer vergewaltigt wurde und unter heftigen Symptomen, wie Schlaflosigkeit, Depressionen und sozialer Abkapselung, gelitten hat", so Mirzaei. Man habe zu dem Zeitpunkt aber keinen Therapieplatz frei gehabt und deshalb Shiatsu bei ihr ausprobiert. Die Symptome hätten sich dadurch lindern lassen.

Verspätete Zahlungen

Wie alle sozial-engagierten Organisationen, kämpft auch Hemayat mit der Finanzierung. Für die Zukunft wünscht sich Brauner eine "Grundsicherung für den Verein" und vor allem, "dass man seinem Geld nicht mehr nachlaufen muss". Auch Mirzaei bestätigt, dass das Innenministerium neben der Europäischen Union der wichtigste Geldgeber sei, Honorarnoten aber erst mit bis zu acht Monaten Verspätung an die Mitarbeiter ausgezahlt werden würden. "Das geht so nicht, manche leben von der Arbeit für den Verein", klagt Mirzaei.

Mirzaei führt diesen Missstand aber darauf zurück, dass Hemayat trotz seines fünfzehnjährigen Bestehens noch immer auf Projektbasis läuft. Das bedeutet, dass jährlich ein Antrag eingereicht und bewilligt werden muss. "Und die Bürokratie braucht lange", so Mirzaei.Er würde sich wünschen, dass dieses jährliche Prozedere zumindest auf drei Jahre ausgedehnt wird, damit man sicherer planen könne. Gespräche zu diesem Thema würden mit dem Ministerium immer wieder geführt werden.

Fehlerhafte Gutachten im Asylbereich

Trotz der erfolgreichen Arbeit des Vereins, mussten laut Mirzaei auch Rückschläge eingesteckt werden. Einer der wichtigsten Kritikpunkte des Mitbegründers ist, dass es während der Asylverfahren immer wieder zu fachlich fehlerhaften Gutachten komme. Um solche Fehler in Zukunft zu vermeiden, seien intensive Gespräche und ein Austausch mit der Behörde notwendig. Außerdem plädiert Mirzaei dafür, dass "Traumatisierte nicht in Schubhaft genommen werden - denn das ist verantwortungslos".

Die aktuelle Abschiebungspraxis ist für Mirzaei "nicht optimal". Sinnvoller sei es, Personen, die in Österreich ein besseres Leben suchen, bereits in ihrem Heimatland einen Aufenthaltsantrag stellen zu lassen. So würden die Antragssteller schon vor ihrer Ankunft in Österreich wissen, ob ihre Arbeitskraft benötigt werde. Seiner Meinung nach, würde diese Maßnahme Abschiebungen drastisch reduzieren. Außerdem sei es "auch eine Frage des Geldes, denn Menschen wieder auszufliegen, kostet nicht wenig". (Bianca Blei, derStandard.at, 2.12.2010)

"Abbilder der Folter" wurde von Siroos Mirzaei und Martin Schenk herausgegeben und ist im Mandelbaumverlag erschienen. 180 Seiten, Format 12x19, 17,80 €.

Link:

Hemayat

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20 Postings
X0 Phia
01
6.12.2010, 14:39
Folteroopfer beingen Folterknechte und die leben mitten unter uns?

Der Ätzer
00
19.12.2010, 09:50
Das Bedingen von Folterknechten ist der Grund der Betreuung!

Es führt zu Alpträumen wenn men gesehen hat, wie sich ein Folteropfer ein Auge aussaugt.

Laran Wish
01
6.12.2010, 08:30

"Auch nicht einfach sei die Tatsache, dass viele der Patienten noch keinen positiven Asylbescheid hätten und sie deshalb nicht wüsste, wie lange sie die Therapie durchführen könnte, so Brauner. Manche Klienten würden noch während der Behandlung abgeschoben werden."

Wie kann es sein, daß Folteropfer abgeschoben werden???

Jedenfalls großartige Arbeit, die der Verein leistet.

stefan1981
32
4.12.2010, 11:10

....außerdem plädiert Mirzaei dafür, dass "Traumatisierte" nicht in Schubhaft genommen werden....

aha, und wer entscheidet wer traumatisiert ist und wer nicht?

Waxolunist
14
3.12.2010, 17:50

Irgendwie scheint niemand zu kapieren dass Asyl etwas zeitlich beschränktes ist. Und wenn jemand einen Aufenthaltsantrag vorher stellt dann ist das kein Asyl mehr und kann heute schon gemacht werden.

Der zweite Prinz
 
00
3.12.2010, 15:48
Verein...

Bravo. Dieser Verein leistet Wertvolles. Trotzdem würde ich keine "Grundsicherung" bereitstellen, denn die Erfahrung zeigt, dass dann die Mittel nicht mehr optimal (zB. für Medienarbeit...) eingesetzt werden.
Gutachten würde ich nur von Amtsärzten akzeptieren.
Bemerkenswert der letzte Absatz des Artikels !

olive.info
00
3.12.2010, 14:27
Folteropfer in Wien?

Eine irreführende "Titelung" - ich erschrak und meinte, die Polizei hat schon wieder ...

Thomas Kirchner1
43
3.12.2010, 13:46
Wieder unmenschliche Abschiebung am 15.12.

Am 15.Dezember soll Ousmane Camara, politischer Aktivist in seiner Heimat Guinea und Opfer von Folter, abgeschoben werden. Auch hier ist die Beurteilung des Falles seitens der Behörden grob fahrlässig! Dazu kommt, dass er als augebildeter Ingenieur eine nützliche Rolle in unserer Gesellschaft einnehmen könnte.
Darum bitte ich um Hilfe, sich gegen diese Abschiebung zur Wehr zu setzen!
Informationen gibt es auf der facebook-seite "Ousmane MUSS bleiben"

Magdalena Weigl
00
17.12.2010, 12:02

wir haben es geschafft :)

Erleuchter
01
3.12.2010, 13:03
Folter wird von Folterknechten gegen Entgeld gepeinigt!

Dazu findet man in der Verwaltung genügend Knechte?

Ein häßliches Bild!

Roperato
12
3.12.2010, 12:27
"Die Polizei" führt nur den von Staat gegebenen Auftrag durch.

Ein Staat, der die Polizei nutzt, die eigene Unfähigkeit zur -vom Volk verstandener- Politik auszugleichen ist ein Polizeistaat.
Die nexte Stufe wäre dann die Militärdiktatur. Oder eben Österreich. Da haben wir die Demokratur.

E Pie
 
75
3.12.2010, 05:29
Flüchtlinge werden in Österreich

von der Polizei betreut!!!!!! Selten so einen Schwachsinn wahrgenommen. Was macht die Polizei ?
Natürlich das was sie gelernt hat. Verwalten, Misstrauen an den Tag legen und davon ausgehen das eh jeder ein potentieller Gesetzesbrecher ist - Absurd

Herr und Frau Österreicher
 
32
3.12.2010, 11:41

Das ist aber die Wahrheit! Das Inneministerium will ja nun auch die "Integrationsagenden" - Integration via Polizeigewalt? verrückt!

Pita Pain
42
3.12.2010, 13:15
superding

und das integrationshaus wird zum abschiebehaus

danke fekterin

Pita Pain
00
4.12.2010, 10:02
okäokä

ich habe das NICHT positiv gemeint!!!

oder krieg ich die roten stricherl von den fekteranern?

stefan1981
21
4.12.2010, 11:13

genau deshalb habens ja rot bekommen für den schwachsinn!

Pita Pain
00
4.12.2010, 12:45
stefan1981
41
4.12.2010, 14:43

nein sind sie nicht.

ich bin ja pro fekter. sie macht einen guten job.

jetzt probiert sies den gutmenschInnen recht zu machen, statt schubhaft gibts jetzt integrationshaus.

aber was ist auch wieder nicht gut genug.

es allen leuten recht getan, ist eine kunst die niemand kann!

Pita Pain
10
6.12.2010, 09:17
mitzi!

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