derStandard.at-Interview

"Sechzig Prozent der Moldauer wollen das Land in der EU sehen"

Florian Niederndorfer, 2. Dezember 2010, 10:38
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    Der Wahl am Sonntag folgte Ernüchterung: erneut erreichte das Lager der so genannten Demokraten nicht die nötige Drei-Fünftel-Mehrheit im Chisinauer Parlament, die für die Wahl eines neuen Staatspräsidenten nötig ist.

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    Wieder könnte eine Neuwahl des Parlaments nötig werden, es wäre die vierte innert zweier Jahren.

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    Mihai Ghimpu, der amtierende Präsident Moldaus, Parlamentspräsident und Chef der Liberalen Partei.

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    Wahlplakat der Kommunisten in Chisinau.

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    foto: screenshot youtube

    Dumitru Ciorici: "Jedenfalls ist es für die meisten Menschen heute besser als vor dem Wahlsieg der Demokraten."

Der junge Moldauer Journalist Dumitru Ciorici erklärt, warum er trotz des Stillstandes Hoffnung auf politische Reformen hat

Drei Tage nach dem Sieg des pro-europäischen Blocks bei den Parlamentswahlen in Moldau gibt es noch keine Lösung für den politischen Stillstand, in dem das bitterarme Land zwischen Rumänien und der Ukraine seit mehr als einem Jahr schon verharrt. Nach Auszählung aller Stimmen liegen die Kommunisten zwar voran, der Parteienblock aus Liberaldemokraten, Demokratischen und Liberalen kommt zusammen auf 59 der 101 Sitze im Chisinauer Parlament. Zwei zu wenig, um gemeinsam die verfassungsmäßig vorgeschriebene Drei-Fünftel-Mehrheit von 61 Sitzen zu erreichen. Kommt es erneut zu Neuwahlen, wären dies die vierten innerhalb von zwei Jahren. Ein Referendum im September, das eine Direktwahl des Staatsoberhaupts durch das Volk zum Ziel hatte, scheiterte an zu geringer Wahlbeteiligung. derStandard.at sprach mit dem Journalisten Dumitru Ciorici über das politische Dilemma des Landes zwischen Rumänien und der Ukraine.

***

derStandard.at: Als wir im Sommer 2009 miteinander sprachen, haben Sie den politischen Stillstand in Moldau beklagt. Heute, fast eineinhalb Jahre später, hat das Land noch immer keinen Präsidenten. Hat sich seither nichts verändert?

Dumitru Ciorici: Das kann man so sagen. Allerdings haben sich die Kräfte geändert, die im Parlament um die Macht im Land ringen. Der Parlamentspräsident (Mihai Ghimpu, Anm.) übt interimistisch die Funktion des Staatspräsidenten aus. Von einem endgültigen Stillstand kann man aber nicht sprechen. Heute beginnen die Gespräche zwischen den Demokraten und den Kommunisten, vielleicht gibt es in den kommenden ein, zwei Wochen eine Lösung. Entweder bildet eine der demokratischen Parteien eine Koalition mit den Kommunisten; oder zwei Mandatare der Kommunisten stimmen mit den Demokraten für einen neuen Präsidenten.

derStandard.at: Trotzdem dürfte es kein wünschenswerter Zustand für Moldau sein, so lange ohne gewähltes Staatsoberhaupt auskommen zu müssen. Was bedeutet das für die Gesellschaft und die Wirtschaft?

Ciorici: Der Präsident hat keine besonders weitreichenden Kompetenzen in unserem Land. Für die soziale Situation bedeutet das deshalb nicht viel, solange die Regierung funktionsfähig ist. Meiner Meinung nach hat Moldau derzeit die beste Regierung seiner Geschichte, sie hat Reformen durchgeführt und tut dies auch weiterhin. Auch die Wahlen am Sonntag haben gut funktioniert. Das einzige Problem ist der Präsident, aber 60 Prozent der Wähler haben die Demokraten gewählt. Das bedeutet, dass sie zwar nicht vollkommen zufrieden sind mit dem, was die Demokraten im vergangenen Jahr gemacht haben, aber die Reformen gutheißen. Jedenfalls ist es für die meisten Menschen heute besser als vor dem Wahlsieg der Demokraten.

derStandard.at: Was aber, wenn die Gespräche erneut scheitern und wieder kein Präsident gewählt werden kann?

Ciorici Wenn die demokratischen Parteien ohne die Kommunisten koalieren, brauchen sie noch zwei Stimmen zusätzlich, um einen Präsidenten zu wählen. Schaffen sie das nicht, müssen nach ein paar Monaten Neuwahlen ausgeschrieben werden. Es droht also genau die gleiche Situation wie vor einem Jahr.

derStandard.at: Gibt es Bestrebungen, die Verfassung dahingehend zu ändern, dass ein solches Patt ausgeschlossen werden kann?

Ciorici: Es gibt einige Projekte, die eine solche Änderung ausarbeiten. Die Kommunisten haben eine Formel vorgeschlagen, die drei Wahldurchgänge vorsieht. Im ersten Durchgang 61 Stimmen, so wie bisher, im zweiten 57 und im dritten 52. Darüber solle man verhandeln, heißt es, die demokratischen Parteien haben sich noch nicht entschieden, wie sie auf diesen Vorschlag reagieren.

derStandard.at: Hat sich zwischen den beiden großen Kraftfeldern Moldaus, also den pro-russischen und den pro-europäischen Lagern, seit vergangenem Jahr etwas verändert?

Ciorici: Grundsätzlich wollen 60 Prozent der Moldauer ihr Land in der EU sehen, egal ob sie sich selbst als rumänisch-, russisch- oder ukrainischstämmig betrachten. Dass sich so genannte Rumänen und Russen in Moldau gegenseitig politisch nicht unterstützen, ist bekannt, aber kein großes Thema mehr in der Gesellschaft. Die Kommunisten nutzen es aber seit zwanzig Jahren in ihren Wahlkämpfen, um den Leuten Angst zu machen, die Demokraten und Liberalen wollten Moldau zerstören und an Rumänien anschließen. (flon/derStandard.at, 1.12.2010)

Zur Person:

Dumitru Ciorici (23) ist Gründer und Chefredakteur des unabhängiges Moldauer Nachrichtenportal Unimedia.

Links:

Economist Blog Eastern Approaches: A Moldovan fiasco

Freedomhouse: Moldova Country Profile (PDF)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 106
1 2 3
BK W. Shoyssel
00
3.12.2010, 10:59
besser Moldau

als irgendwelche außereuropäischen Staaten in der EU

Duessel Dorfer
00
3.12.2010, 15:07
am besten....

weder - noch.

Joseph EU
00
ach so..........

sie tun mir leid...sie haben es noch nicht begriffen - jedes Land in der EU schwächt die russisch imperiale Politik - nix verstehen ???? Von Adenauer lernen !!!

Brückengeländer
00
3.12.2010, 09:37

Eh kloar!

vox populi,
06
2.12.2010, 21:42
Sechzig Prozent der Moldauer wollen das Land in der EU sehen

die anderen haben eh schon hier einen Einbruchsrayon !

pipi pipifax
00
5.12.2010, 17:26

um diesen "witz" zu machen, mussten sie wohl erst die ganzen vorpostings lesen.

J R
03
2.12.2010, 20:54

war eh höchst an der Zeit einen neuen Nettozahler aufzunehmen.

LGL
00
2.12.2010, 20:45
das würde ausser den anderen Problemen auch noch ein Problem zypriotischer Qualität bringen

Ein vergleichsweise bedeutender Teil von Moldawien - Trnsnistrien - sieht sich als eigenen Staat und hat auch alle völkerrechtlich notwendigen Eigenschaften eines Staates ausser der Anerkennung durch irgendeinben anderen Staat. Die haben sich nach der Wende gewaltsam von Moldawien getrennt weil sie befürchtet haben, an Rumänien angegliedert zu werden und eines Tages mit einem EU-Pass aufzuwachen.

Girgl Galgenstein
00
3.12.2010, 13:54
Transnistrien ist nichts weiter als eine Räuberinsel

mit einem Diktator an der Spitze, der das Land wie eine Gutsdomäne verwaltet.

sljudanka
17
2.12.2010, 16:25
Auwe. Der nächste heruntergewirtschaftete Zwergstaat der von der EU erhalten werden will

dabei erwies sich schon, dass die O-EUropäischen Neustaaten ihre Heilserwartungen an die EU schon stark revidiert haben.
Glaubte man vor 20 Jahren noch an den goldenen Westen, empfinden heute die verelendeten Massen in RO, H, BG, etc. eher Enttäuschung - die Verlockungen der Medien und Filmindustrie waren wohl ein bisschen überzogen und unrealistisch (so ähnlich wie in US-Filmen die meist sehr unrealistisch im schmalen Oberschichtmilieu stattfinden).

Sicher, die Industrie will Billiglohn-länder haben, und wir brauchen Pflegerinnen und relativ qualifiziertes Personal - doch die Alten und bedürftigen werden in den Katen des rauen Ostens zurückbleiben (wie in Rumänien oder Bulgarien tlw. der Fall).

Chanandelar Bong
01
2.12.2010, 17:47
Also in punkto Breitband-Internet-Abdeckung

ist uns Moldawien meilenweit voraus (Ebenso Lettland, Estland, usw.). Das nur nebenbei. Je abgschotteter der Osten wird, desto dreckiger gehts den Leuten dort.

Regis 1
00
3.12.2010, 09:19
Also in punkto Breitband-Internet-Abdeckung

panem et circensesne? ich hoffe, sie verstehen was ich meine ...

Aguirre74
 
1914
2.12.2010, 16:18

Denen gehts um den erleichterten Zugang zum Arbeitsmarkt: Einbruchsdiebstähle, Straßenstrich und Bettelei. Sofort aufnehmen. Hat ja bei Bulgarien und Rumänien auch super geklappt.

tschisi-eis_zurueck
 
00
4.12.2010, 14:39
eigentlich....

.... war ich selber schon mal länger in dem land und da wär mir das gar nicht aufgefallen, aber ws kennen Sie irgendwen, bei dem schon mal eingebrochen wurde und das war dann sicher ein moldawier...

ozelot7
41
2.12.2010, 20:25

... ich kann gar nicht soviel essen wie ich kotzen möchte - bei solchen Aussagen....

Aguirre74
 
04
2.12.2010, 21:46

Wo war die letzte Aufstellung über die importierte Kriminalität? Profil? Jedenfalls in einem unverdächtigen Blatt. 65% der Einbrüche und Diebstähle geht auf das Konto ausländischer Banden: Polen, Rumänen (angeblich besonders gewaltbereit), Polen (die Technikverliebten), Russen (machen alles), Georgier, Moldavier, Serben, ...

Ihr Mitleid in allen Ehren. Aber mal sehen, wie Sie reagieren, wenn bei Ihnen einer der genannten über Ihren Balkon entschwindet, nachdem er Ihre Wohnung ausgeräumt hat. Und nachdem wir es nicht mal schaffen, die Ungarn oder Slowaken hochzupäppeln, wie soll das mit einem derart "lost state" wie Moldawien gehen? Kotzen Sie weiter, an der Realität wird das auch nichts nicht ändern.

pipi pipifax
41
2.12.2010, 17:25

rechtsrechtes geschwurbel.

Aguirre74
 
12
2.12.2010, 21:48

Eher die Realität. Wir verkraften nicht mal die Hereinnahme von Rumänien und Bulgarien. Dem letzten Staat wurden die Subventionen gestrichen, weil dort vermutlich 80% veruntreut wird. Ich kenne einige Bulgaren von der Uni, die selber gesagt haben, dass der Beitritt zur EU für Bulgarien zwar toll sein wird, aber der Staat derart verlottert ist, dass wir noch unser blaues Wunder erleben werden. Haben wir dann ja auch.

pipi pipifax
00
3.12.2010, 13:20

jaja.

Duessel Dorfer
33
2.12.2010, 18:29
no, honey, simply the truth...

over and out.

pipi pipifax
00
3.12.2010, 13:20

die wahrheit der rechten.

Duessel Dorfer
00
3.12.2010, 15:09
so ist es,...

Spatzl.

pipi pipifax
00
5.12.2010, 17:16

is ja gut dussel doofer.

TrifterSepp
 
00
2.12.2010, 17:13

Was schlagen Sie vor? Eine Mauer herum bauen und warten bis drinnen alle verrecken?

Die organisierte Kriminalität operriert so oder so, auch wenn die nicht in der EU sind.

Aguirre74
 
02
2.12.2010, 21:53

Dann sollte man es der organisierten Kriminalität nicht auch noch leichter machen. Was hat dieser Staat der EU zu bieten? Im Ernst: was? Die Antwort ist: gar nichts. Dort gibt es nichts als Armut.

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