Zwischen Aristoteles und Atatürk

2. Dezember 2010, 11:28
  • Informationen: Visit Greece
Die Aristotelesstraße in Thessaloniki.
    foto: wikipedia.org/ant83

    Informationen: Visit Greece

    Die Aristotelesstraße in Thessaloniki.

  • Byzantinische Stadtmauer von Thessaloniki.
Bereits zum 51. Mal findet in diesem Winter das Thessaloniki 
International Film Festival statt, das die griechische Stadt von 3. bis 
12. 12. für zehn Tage in Festivallaune versetzt. Die begleitende Messe 
der Filmindustrie Agora wendet sich dabei gezielt an Kreative der 
gesamten Balkanregion. Aber die Stadt hat noch mehr auf Lager: Im März 
wird hier eines der interessantesten Festivals für Dokumentarfilm 
ausgetragen (11. bis 20. 3. 2011). Am Schnittpunkt von Darstellender 
sowie Bildender Kunst und einem erweitertem Kinobegriff agiert das 
Sieben-Tage-Festival VideoDance (18. bis 24. 5. 2011).
Info: www.filmfestival.gr
    foto: wikipedia.org/marijan

    Byzantinische Stadtmauer von Thessaloniki.

    Bereits zum 51. Mal findet in diesem Winter das Thessaloniki International Film Festival statt, das die griechische Stadt von 3. bis 12. 12. für zehn Tage in Festivallaune versetzt. Die begleitende Messe der Filmindustrie Agora wendet sich dabei gezielt an Kreative der gesamten Balkanregion. Aber die Stadt hat noch mehr auf Lager: Im März wird hier eines der interessantesten Festivals für Dokumentarfilm ausgetragen (11. bis 20. 3. 2011). Am Schnittpunkt von Darstellender sowie Bildender Kunst und einem erweitertem Kinobegriff agiert das Sieben-Tage-Festival VideoDance (18. bis 24. 5. 2011).

    Info: www.filmfestival.gr

Bei einem winterlichen Spaziergang durch das griechische Thessaloniki präsentiert sich sein osmanisches ebenso wie sein römisches Erbe

Thessaloniki im letzten Herbst: Die Krise hält sich noch ein wenig bedeckt, und der Bürgermeister darf sich in diesen molligen Altweibersommer-Wochen über ein neues Rathaus freuen. Kann, statt auf Finanzleichen im Keller, auf 851 neue Parkplätze der Tiefgarage verweisen - womit automatisch das schöne Thema Geduld ins Spiel kommt. Seit 1980 ist das Rathaus-Projekt im Gespräch. Dreißig Jahre später steht es picobello da - und ist damit zeitlich nicht schlecht unterwegs. Beim Byzantinischen Museum von nebenan handelte es sich um eine schwerere Geburt. Seit 1913 geht man mit der Idee schwanger, um Mitte der Siebziger eine erste Ausschreibung hervorzupressen, relativ zügig 1989 dann die Grundsteinlegung. Auch die Rücksendung der byzantinischen Exponate aus Athen lief nicht wirklich superfix. Aber vor fünf Jahren rechnete sich die Jahrhundertreife des Projekts. Prompt wurde die Auszeichnung "Europas Museum des Jahres" eingefahren. Angesichts der im Kontext präsentierten Mosaiken und Fresken ein verdientes Kompliment.

Und nicht nur das neue Rathaus ist in diesen Wochen Anlass zum Stolz. Wenig zuvor eröffnete ja auch die Uferpromenade: keiner jener fett betonierten Streifen, die viele öffentliche Projekte in Griechenland verkleistern. Sondern einer, an dem Laternen im Stile von Schiffsmasten anklingen lassen, was Thessaloniki seit jeher groß und stark macht: natürlich die Lage am Meer. Zum Drehkreuz Europas könnte Thessaloniki dank ship and rail werden, rechnen Logistiker auch heute vor. Doch dafür muss die Infrastruktur ausgebaut werden. Im Moment sind die Chinesen auf Shopping-Tour, auch wenn sie sich nicht unter die Promenierer mischen.

Wer hier das Wahrzeichen der uralten Stadt abhaken möchte, sollte das besser gleich tun und Salonikis "Weißen Turm" ersteigen. Einst ließ ein türkischer Sultan hier Eingekerkerte foltern. Jetzt kreischen nur mehr die Möwen rund ums helle Gemäuer, und die Skateboard-Probanden beim Threesixty-Selbstversuch. Die lange Stadtmauer, die früher vom Weißen Turm bis zum Akropolis-Hügel führte, ist zum großen Teil geschliffen. Geblieben ist ein schöner Spazierweg zu den Terrassen-Tavernen des Eptapirgio-Viertels - Stichwort: Sundowner plus Souvlaki. Romantiker wählen besser den Weg durch das labyrinthische Gewirr zunehmend enger Altstadt-Gässchen, die Thessaloniki mit jedem Schritt stärker in ein makedonisches Dorf verwandeln. Schön restaurierte Erker türkischer Häuser und byzantinische Kleinode finden sich hier, in der Ano Poli genannten Oberstadt. Und Nischen für fast jeden Geschmack: Hinterhöfe mit Feigen und Zitronen, die mit Ikonen um die Wette leuchten. Das Vlatodon-Kloster an der Eptapyrgion-Straße und das Minikloster Osios David sehen genau danach aus. Oder doch lieber weiter Treppensteigen? Um erst vor Tavernen-Himmelbläue in die Knie zu gehen? Ano Polis traditionelle "To Tsinari" und die stilvoll verkachelte Ouzo-Oase des "Kafe Ouzeri 1900" bieten sich dazu an - und sind trotzdem nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Vielfalt der Stadt.

Spaziergang durch die Geschichte: Das 316 v. Chr. gegründete Thessaloniki war makedonische Hauptstadt, für kurze Zeit sogar Kaiserresidenz des Römischen Reiches, woran im Stadtviertel Kamara der mit Reliefs geschmückte Triumphbogen des Kaisers Galerius erinnert. Wenige Meter weiter heißt es: Hamam, extratrocken. Denn auch baden ohne Wasser können Saloniki-Flaneure, und sie tauchen dann tief ins osmanische Erbe der Geburtsstadt des Kemal Atatürk ein. Besonders schön gelingt das im türkischen Bad Bey Hamami an der Egnatia-Straße. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1444 - und wirkt fast wie ein sakraler Raum. Es sind Gucklöcher auf Thessalonikis lange Geschichte, die sich gelegentlich wie Wunden über das Stadtbild legen.

Aber eben nur gelegentlich. Thessalonikis abendlicher Designerbar-Marathon hat weniger Höhenmeter im Rucksack als das Labyrinth von Ano Polis und wiegt leichter als die Geschichte des zuletzt leicht rostig gewordenen Tors zum Balkan. Folgt man dem Verlauf der neuen Promenade Richtung Westen, die in die Meeresuferzeile der Leoforos Nikis einmündet, reihen sich Cafés und Bars zu einer langen Bühne, auf der Griechenlands Jugend ihre Minidramen perfektioniert. Nur wenige Schritte davon weitet sich der Aristotelous-Platz zur post-mondänen Drehscheibe Thessalonikis - perfekt, um neben der Statue des von hier stammenden Aristoteles seinen Cafe Frappé philosophisch zu betrachten. (Robert Haidinger/DER STANDARD/Printausgabe/27.11.2010)

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foltern und kreischen

Einst ließ ein türkischer Sultan hier Eingekerkerte foltern. Jetzt kreischen nur mehr die Möwen rund ums helle Gemäuer, und die Skateboard-Probanden beim Threesixty-Selbstversuch. -
Entschuldigung, aber da wirds mir grauslich bei so einem sprachlichen Nebeneinander!

Türken in Europa..

Da soll doch jemand behaupten,die Türken gehörten nicht zu Europa...

Ob in Griechenland,Bulgarien oder Ungarn..überall gibt es Türkische Spuren...und

natürlich ist der Lebensstil dieser Länder auch sehr
identisch mit den der Türken.
Nicht umsonst sagt man über die Griechen,sie wären die "Christlchen Türken".

Aber diese Tatsachen interessieren natürlich Merkel,Sarkozy und Co.nicht...

Schliesslich ist es einfacher, billigen "populismus" zu betreiben!

Ihrer Argumentation zufolge

wären die Araber auch ein Teil Europas, denn auch von denen findet man viele Spuren.
Eigentlich auch von den Japanern, Chinesen und US-Amerikanern.

Ja ja

Dann müssten die Türken die muslimischen Griechen sein. Von wegen...Ich würde gerne einmal einen Bericht über eine Griechische Stadt durchlesen wo dann in den Postings unsere türkischstämmigen Mitbürger nicht gleich in ein nationalistisches Delirium der Komplexe verfallen. Seid stolz auf eure Herkunft und versucht nicht immer auf biegen und brechen alles zu "türkisieren" was ihr bewundert.

Ja ja

Keine Sorge,die Türken sind stolz auf ihre Herkunft..
aber das liegt nun auch schon 1000 Jahre zurück...

Wer was kopiert, ist eine andere Sache..

Baklava,Meze,Raki-Ouzo,Döner-Gyros etc....

aber vieles ist auch unumstritten "türkisch"
zb.Türkisches Bad!

Zeigen sie mir ein Volk in Europa,dass nicht von einander kopiert hat..

Im übrigen dürfen sie die heutigen "unproduktiven und pleite" Helenen nicht mit den "alten Griechen" vergleichen.
Ausser dem Namen,haben die leider nichts gemeinsam!

Da gibt es auch nichts zu bewundern...
Eher umgekehrt...und das noch ohne EU-Milliarden..

Sorry

Mfg

Keine Sorge,die Türken sind stolz auf ihre Herkunft..

sollen sie, sollen sie.
Die Mongolei hat ja eine sehr schöne Landschaft!

stimmt.

Imperialisten hinterlassen nunmal prägungen.
Deshalb gehören ja auch heute noch indien und uk zusammen(sic).

Imperialismus und massenmrd im nachhinein zu belohnen ist mit verlaub .. chuzpe.

In Bulgarien gibt´s nicht nur die Spuren.

Dort wohnen echte , dort schon immer ansässige Türken. Das heisst seit sie vor hunderten Jahren dort ankamen.
Die gehören jedenfalls zu Europa und wenn die, dann auch die anderen Türken...

und nicht zu vergessen die türkische minderheit in griechenland. obwohl der gr. staat das nicht gern zu gibt und die minderheiten allgemein als muslimische mind. zusammenfasst. die einwohner der städte xanthi und komotini sind zu ung. 50% ethn. türken welche sich vor vielen jahrhunderten dort angesiedelt haben.

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