Kneissl-Stern sinkt auch in Star-Lounges

30. November 2010, 19:08
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Es wird noch etwas dauern, bis Scheich Mohamed Al Jaber das versprochene Kapital bei Kneissl einschießen kann

Es wird noch etwas dauern, bis Scheich Mohamed Al Jaber das versprochene Kapital bei Kneissl einschießen kann, sagt Kneissl-Chef Andreas Gebauer. Die Liste der Nichtbezahlten wird unterdessen länger und länger.

Wien – Alle warten auf den Scheich. Die Turbulenzen, die bei den Gesellschaften rund um die Kneissl Holding entstanden sind, weil viele Lieferanten auf Geld warten, reißen nicht ab. Wie berichtet haben auch Architekten der zahlreichen geplanten Hotels ihre Honarare eingeklagt. Andreas Gebauer, der die Geschäfte bei Kneissl führt, gibt im Detail keine Auskünfte, auch er wartet auf die Kapitalerhöhung, die Scheich Mohamed Al Jaber versprochen hat (1,2 Mio. Euro). "Das Geld kommt sobald die Formalitäten für die Kapitalerhöhung erledigt sind, das kann aber etwas dauern", sagte er am Mittwoch zum Standard.

Im übrigen wundere er sich über die Aufmerksamkeit, die man Kneissl widme, und: "Ich werde mich melden, wenn es etwas Wichtiges zu sagen gibt."

Die Sache mit den 50.000 Euro, auf die man in den Kärntner Anrainergemeinden des "Sportberg Goldeck" wartet, gehört nicht dazu. Dort plant Kneissls Hotel Goldeck Errichtungs GmbH, wie berichtet, ein großes Hotelprojekt mit Chalets. (Das projektierende Architekturbüro din a4 hat auf Zahlung des Honorars geklagt; "kein Kommentar", so Gebauer.)

Für die Abwasserentsorgung auf dem Berg haben drei Gemeinden sowie die Hotelerrichtungs-gesellschaft und die Goldeck-Bergbahnen (Strabag) einen Abwasserverband gegründet, und jedes Mitglied hat 50.000 Euro einbezahlt. Bis auf die Goldeck Errichtungs GmbH. Der Verbandsobmann, der Stockenboier Bürgermeister Hans-Jörg Kerschbaumer: "Wir erwarten, dass der Scheich bei Kneissl zahlt. Und der Chef der Goldeck Errichtungsgesellshaft, Ronald Rieben (Vizeobmann des Verbandes; Anm.), hat uns die 50.000 Euro bis Ende Dezember versprochen." Werde bis dahin nicht bezahlt, würden die Kanäle "eben anders" geplant.

Auch die Feststellungsprüfung zur Umweltverträglichkeitsprüfung für das Goldeck-Projekt birgt Unbilden. Denn wer eigentlich die dafür nötigen Pläne erstellt hat, ist den Involvierten unklar – und die Innsbrucker Architekten von din a4 haben sich die Urheberrechte vorbehalten. Aber: Ihre Pläne sollen eingereicht worden sein; zudem wurden auch Gutachter, die im Rahmen der Feststellung beschäftigt wurden, nicht bezahlt. Gebauer: "Kein Kommentar."

"Mit Leib und Seele"

Auch der derzeit aktive Goldeck-Architekt, der Innsbrucker Manfred Jäger, soll noch kein Geld gesehen haben. Er bestätigt das aber nicht, "zu Zahlen und Rechnungen sage ich nichts. Mein Verhältnis zu Kneissl ist exzellent, Gebauer hat enormes Engagement, hängt mit Leib und Seele in den Projekten".

Andere Branchenkollegen, etwa jene, die mit den "Kneissl-Star-Lounges" wie jener in Innsbruck beschäftigt waren, sehen das anders. Auch da soll Kneissl seit langem in Zahlungsverzug sein, was einzelne Büros an den Rand der Existenz gebracht habe, verlautet aus wohlinformierten Kreisen. Die Argumentation von Kneissl sei die wohlbekannte: Die Leistungen der Lieferanten seien "mangelhaft" gewesen.

Auf den Scheich wartet übrigens auch die Liftgesellschaft im Tiroler Hochfügen. Sie hat an der Talstation ihrer Seilbahn ein Gebäude errichtet, in dem die Kneissl Star Lounge GmbH eine 250 Quadratmeter große, "sehr edle Sportlounge mit Gastronomie und Kneissl-Label-Produkten" einrichten sollte, wie Liftgesellschaftschef Othmar Kronthaler berichtet. Das Gebäude ist fertig, zu Weihnachten soll eröffnet werden. Allerdings: Derzeit ist die Lounge noch völlig leer. "Ich erwarte heute noch Nachricht von Herrn Gebauer, ob es bis Weihnachten klappt mit der Lounge, sonst müssen wir sie selbst bespielen", so Kronthaler. Kneissl-Star-Lounge-Chef Gebauer dazu: "kein Kommentar". (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2010)

  • Bei der Eröffnung der Star Lounge in Innsbruck 2009 strahlten sie: Bürgermeisterin H. Zach, A. Gebauer, M. Al Jaber, H. Hinterseer, Investor F. Unterberger und Skifahrer L. Stock (v. li.)
    foto: ots

    Bei der Eröffnung der Star Lounge in Innsbruck 2009 strahlten sie: Bürgermeisterin H. Zach, A. Gebauer, M. Al Jaber, H. Hinterseer, Investor F. Unterberger und Skifahrer L. Stock (v. li.)

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