Disco und Falco als Konstante

30. November 2010, 17:43
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Bei der Buchpräsentation zum Jubiläum gestand der Kulturstadtrat, dass er für die "Krone" schrieb

Die Inszenierung der Buchpräsentation von "30 Jahre U4" hatte doch viel mehr den Geschmack von Society als von Underground. Nach einer fast zweistündigen Anwärmphase schritt Conny de Beauclair, legendärer Türsteher und Fotograf des U4, mit einem frischen Exemplar des 312-seitigen Foto-Text-Bands über die Tanzfläche durch die Menge und durch ein recht beachtliches Blitzlichtgewitter.

Kurz darauf legte sich Miss Candy als Moderatorin ins Zeug - jene Lady, die vor 15 Jahren begonnen hatte, mit dem "Heaven" den angesagtesten Queer-Club an eben genau dieser Location zu veranstalten. Auch wenn nur rund ein Drittel der Festgäste den folgenden Couch-Konversationen Beachtung schenkte, ließen sich die mehr oder weniger prominenten Gesprächspartner nicht davon abhalten, ein paar "exklusive Gschichtln" preiszugeben oder zumindest interessante Details aufzuklären.

Falco nie live auf der Bühne

So bekannte Conny de Beauclair, dass er Falco niemals live auf der U4-Bühne gesehen habe, obwohl Österreichs größter Popstar hier "ein Zuhause" vorgefunden habe, wo man ihn "nicht sekkiert" hätte. U4-Gründer Ossi Schellmann wiederum erklärte, warum man dereinst drei Jahre lang am Samstag geschlossen hatte: Trotz finanzieller Einbußen sei das eben Teil des Underground-Images gewesen.

Prince mit Funk-Scanner

Und Christian Clerici referierte über das verschwundene Band eines illegalen Mitschnitts vom spontanen Prince-Konzert im Jahr 1987: Die Securities des US-Stars hätten damals schon "Funk-Scanner" verwendet, wodurch das Aufnehmen nur ganz geheim möglich gewesen sei. Vor einigen Jahren war dann dieses Band de Beaculair um 700 Schilling verkauft worden - allerdings höre man darauf vor allem das Publikum und nur im Hintergrund Prince.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war das U4 in seiner Anfangszeit cooler, subkultureller, provokanter als heutzutage. Aber betrachtet man die nostalgische Vergangenheitsidealisierung etwas relativer, dann ist es wohl genau die Anpassungsfähigkeit an den Zeitgeist, welche das U4 zu einer so starken Marke werden ließ.

Maillath-Pokorny für die Kronen Zeitung

Einer, der den Wandel ganz persönlich darstellt, ist Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Der Politiker, den man mittlerweile als Teil des Establishments bezeichnen darf, bot stolz seine alte, unübertragbare U4-Clubkarte (Nummer 56) den TV- und Fotokameras feil und schwadronierte über die kulturelle Bedeutung der Disco. Einen interessanten beruflichen Bezug zum U4 hatte Mailath-Pokorny in früheren Jahren ebenfalls: „Ich habe als Kritiker über die Neue Deutsche Welle geschrieben und in der Kronen Zeitung recht kleine Artikel publiziert." (mob, derStandard.at, 30.11.2010)

Über das Buch: 

Conny de Beauclair: 30 Jahre U4
312 Seiten
Echomedia Verlag Ges.m.b.H.
Preis: € 29,90

Neben zahlreichen Fotos von Conny de Beauclair erklären in dem Buch etwa Dieter Chmelar, Andrea Dee, Gottfried Distl, Eberhard Forcher, Marie-Christine Giuliani, Walter Gröbchen, Angelika Hager alias „Polly Adler", la Hong, Erich Joham, Isabella Klausnitzer, Rudi Klausnitzer, Doris Knecht, Alex Knechtsberger, Andreas Köstler, Brigitte Lang, Hansi Lang, Andreas Mailath-Pokorny, Rudi Nemeczek, Thomas Rabitsch, Thomas Rottenberg, Franz J. Sauer, Ossi Schellmann, Mario Soldo, Stefan Weber, Peter Weibel, Andrea Weidler, Christiane Wenckheim, Marcus Wild, Brigitte R. Winkler, u.v.a., was das U4 aus ihrer Sicht ausmacht, was sie dort erlebt haben, was man dort erleben kann.

  • Conny de Beauclair präsentierte den 312-seitigen Foto-Text-Band, in dem sich neben einzigartigen Bildern auch jede Menge Geschichten von Wegbegleitern finden.
    foto: leisuregroup.at/tischler

    Conny de Beauclair präsentierte den 312-seitigen Foto-Text-Band, in dem sich neben einzigartigen Bildern auch jede Menge Geschichten von Wegbegleitern finden.

  • Christian Clerici (r.), der von geheimen Aufnahmen eines Prince-Konzerts im U4 erzählte, neben Mario Soldo, U4-Urgestein und heute Kritiker bei der ORF-Casting-Show "Helden von Morgen"
    foto: echomedia verlag

    Christian Clerici (r.), der von geheimen Aufnahmen eines Prince-Konzerts im U4 erzählte, neben Mario Soldo, U4-Urgestein und heute Kritiker bei der ORF-Casting-Show "Helden von Morgen"

  • Wiens Kulturstadtrat Andreas Maillath-Pokorny hatte nicht nur seine alte U4-Clubkarte dabei, sondern beichtete auch über seine Tätigkeit als Schreiber für die Kronen Zeitung.
    foto: leisuregroup.at/tischler

    Wiens Kulturstadtrat Andreas Maillath-Pokorny hatte nicht nur seine alte U4-Clubkarte dabei, sondern beichtete auch über seine Tätigkeit als Schreiber für die Kronen Zeitung.

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