"Rock-Tenor" Peter Hofmann gestorben

30. November 2010, 14:43

Anfang der 80er Jahre schaffte er den Spagat zwischen klassischer Musik und Erfolgen in den Pop-Charts

Selb - Er verkörperte den Parsifal ebenso wie das Phantom der Oper, wurde als blonder Hüne im Bayreuther Festspielhaus gefeiert und tourte mit Elvis-Presley-Nummern und Rockhits durch Europa. Peter Hofmann, Heldentenor und Rockmusiker, ist am Montag in einem Klinikum im fränkischen Selb im Alter von 66 Jahren gestorben. Wie kaum ein anderer vor ihm wagte und schaffte er den Spagat zwischen klassischer Musik und Rock-, Pop- sowie Countrymusik. Vor allem in den vergangenen 10 Jahren war der deutsche Sänger allerdings von seiner unheilbaren Parkinson-Krankheit gezeichnet.

Von der Klassik ...

Peter Hofmann wurde am 22. August 1944 im böhmischen Marienbad geboren. In seiner Nachkriegsheimat Darmstadt machte er schon bald als Sänger und Gitarrist in einer Rock'n'Roll-Band auf sein musikalisches Talent aufmerksam. Auch als Sportler war er erfolgreich: Er war mehrfach hessischer Jugendmeister im Zehnkampf. Als Fallschirmspringer nahm er während seiner Bundeswehrzeit Gesangsunterricht.

Nach seinem Gesangsstudium debütierte Hofmann 1972 als Tamino in Mozarts "Zauberflöte" in Lübeck. Zwei Jahre später sang er mit sensationellem Erfolg in Wuppertal den Siegmund in Richard Wagners "Walküre". Das war sein Sprungbrett für Bayreuth und seine internationale Karriere. 1976 gab er den Siegmund in der legendären "Ring"-Inszenierung von Patrice Chereau am "Grünen Hügel". Gleichzeitig ging der 32-Jährige als jüngster Parsifal in die Festspielgeschichte ein. Bis 1988 sang der Heldentenor dort auch Lohengrin, Tristan und den Walther von Stolzing in den "Meistersingern von Nürnberg".

... in die Charts

1982 startete der Wagnertenor mit seiner Platin-gekrönten LP "Rock classics" seine zweite Karriere als Popsänger. Er präsentierte seine eigene Show mit dem Titel "Hofmanns Träumereien" und tourte mit internationalen Rockhits, Elvis-Presley-Titeln, deutschsprachigen Songs und später auch Countrymusik durch Europa. Zeitweise schien er aber auch schon Mitte der 1980er Jahre an seine körperlichen Grenzen zu stoßen: In Bonn brach er die "Parsifal"-Premiere ab, in Bayreuth war er bei der "Tristan"-Premiere wegen einer Grippe ohne Stimme, in New York sagte er seinen ersten Auftritt als Siegfried krankheitsbedingt ab.

Noch einmal begeisterte Hofmann 1990/91 in rund 300 Vorstellungen in Hamburg in der Titelrolle des Musicals "Phantom der Oper", die ihm einen "Goldenen Löwen" einbrachte. 1992 tourte er erneut durch Deutschland. Mit seiner "Love-Me-Tender-Tour" strafte er nach Einschätzung der Tageszeitung "Die Welt" all jene Lügen, die an der Unvereinbarkeit von Klassik und Rock festhielten. Als Schauspieler wirkte er 1984 an der Seite von Richard Burton als Tristan-Sänger in der TV-Serie "Wagner", 13 Jahre später als Old Firehand bei den Bad Segeberger Karl-May-Festspielen mit.

Die Krankheit

1999 bekannte er sich öffentlich zu seiner Parkinson-Erkrankung, startete aber dennoch mit Anna-Maria Kaufmann eine Deutschlandtournee mit Highlights aus Musical und Pop. Aufgrund seiner fortschreitenden Erkrankung gab er 2004 offiziell das Ende seiner Karriere bekannt. "Parkinson. Diese Krankheit passt nicht zu mir. Diese Krankheit passt zu niemanden" - so überschrieb er sein Engagement für die Parkinson-Forschung, in der Hoffnung, dass die Altersschüttellähmung "schon bald niemandem mehr Grenzen setzen muss". Seinen täglichen Kampf und den von mehr als 200.000 Leidensgenossen allein in Deutschland beschrieb er mit den Worten: "Sie stört und zerstört. Sie setzt immer enger werdende Grenzen."

Hofmann hatte aus erster Ehe zwei erwachsene Söhne. 1983 hatte er die amerikanische Sängerin Deborah Sasson geheiratet. Mit ihr lebte er auf einem Schloss in der Oberpfalz. Am 31. März 2007 heiratete er seine neue Lebensgefährtin Sabine Zimmerer, mit der er eine Tochter bekam. (APA)

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lily233
 
00
6.12.2010, 09:29
hört – seht – staunt !

immer wieder faszinierend, peter hofmann als der (für mich) »ideale« siegmund:

http://www.youtube.com/
watch?v=a06F71vc1cY&feature=related

mmn bis dato unerreicht in puncto darstellerischer expressivität, brillanter sprachdeutlichkeit und stimmlicher strahlkraft.

danke, peter hofmann!

PuBär
00
1.12.2010, 10:54

R.I.P Peda

Der Wappler
41
1.12.2010, 10:20
Der Wappler liebt die Musik von Richard Wagner

Er war wirklich super! Er machte Wagner populär! Er war der erste Wagnertenor, den ich sah! Seine Rockmusik hat leider mit Wagner zusammen seine Stimme zerstört! Er war gut!

mstislav raskachlovitsch
00
1.12.2010, 08:30
aus menschlicher Sicht jedenfalls ein trauriges Ende.

Schicke Schickse
00
1.12.2010, 07:58
ein heldentenor wie aus dem bilderbuch.

sehr beeindruckend, genau so wie ihn hat man sich z. b. einen siegmund immer vorgestellt.
leider war die karriere etwas kurz. kann sein, dass er zu früh zu viel gesungen hat. auch das geld und der ruhm werden natürlich gelockt haben. immerhin hat seine karriere rund 18 jahre gedauert und wurde von ihm sicher intensiv ausgelebt.
vielleicht hätte ihm statt des rock eher die gothic-schiene entsprochen, da wäre seine stimme auch interessant gewesen.

ohg
21
1.12.2010, 11:39
Freud (Siegmund) mit den Nibelungen (Siegfried) verwechselt?

...hat schon so gepasst, was und wie er's gemacht hat.

nömix
01
1.12.2010, 14:14

Freud (Siegmund) mit Freud (Sigmund) verwechselt?

Spaceman Spiff
04
1.12.2010, 11:53

Nein. Sie haben einfach keine Ahnung vom Nibelungenlied und von Opern. Siegmund ist der Vater Siegfrieds, den er zusammen mit Sieglinde gezeugt hat. Davon handelt "Die Walkuere", eine Oper aus "Der Ring des Nibelungen".

Ich glaube Sie laufen jetzt rot an.

peter eins1
62
1.12.2010, 05:45
tenöre die rocksongs singen

sind eher peinlich, siehe peter hoffmann.

guzo
10
1.12.2010, 16:42
Rocksänger,

die auf Opernsänger - etwa in Rockopern - machen, sind viel peinlicher.

Ian Gillan..... Brrrrrrr.....

Kendall Von Tharn
00
4.12.2010, 10:41

blödsinn, gerade gillan hatte den nötigen stimmunfang.

tramezzino
00
1.12.2010, 09:25

egal ob´s ein tenor oder ein bariton ist. sie haben aber gerne die angewohnheit, dass sie zu exakt singen und das ist für rock zu wenig dreckig (für jazz übrigens auch). die letzte cd von quasthoff z.b. ist schon nicht so schlecht, aber da geht noch was in richtung lockerheit.

Torado
04
1.12.2010, 08:20
ich finde Rocksänger

die Wagneropern singen peinlicher

Mathias
 
00
1.12.2010, 15:21
das toppe ich mit "Manowar" ;-)

PuBär
10
1.12.2010, 10:53

so was gibts ja gar nicht.

Kendall Von Tharn
00
1.12.2010, 11:54

eric adams ;-)

franz fröhlich
02
30.11.2010, 23:28
Ich glaube, dass heute

Kritiken über die Gesangsqualitäten des Verstorbenen überflüssig sind.
Ruhe in Frieden!

Christian Eder
83
30.11.2010, 21:43
Wagnertenöre

De mortuis nihil nisi bene! Man muss aber objektiv sagen, dass sein größtes Kapital sein Aussehen war. Natürlich war er rein optisch ein idealer Siegmund, Lohengrin oder auch Parsifal, aber stimmlich? Ich rede gar nicht vom Titan Lauritz Melchior- der war eine Klasse für sich und ist nie wieder auch nur annähernd erreicht worden. Aber auch Max Lorenz, Svanholm, Windgassen, Jess Thomas, Gösta Winbergh, Peter Seiffert u. a. waren dem Verblichenen überlegen. Johan Botha ist es ebenfalls. Und in letzter Zeit zeigt etwa ein Jonas Kaufmann, wie man Wagner SINGEN kann, etwa als Stolzing, eine Partie, die den Verblichenen (wie auch Siegfried Jerusalem) gesangstechnisch und von der Höhe her schwerstens überfordert hat. Hofmann ruhe also in Friede

iliae
13
1.12.2010, 09:45
ihr kommentar -

- an dieser Stelle: völlig unnötig

Poldi Fesch
00
30.11.2010, 23:52
De mortuis nihil nisi bene!

JA

nichtkaefer
10
1.12.2010, 11:19

Redt's ned dauand Französisch!

Poldi Fesch
10
1.12.2010, 13:35
is eh

portugiesisch

Nick Tameer
01
30.11.2010, 22:55

Über ihn als Wagnertenor maße ich mir kein Urteil an, ich kann nur sagen, dass bessere Rockstücke, die in seine Finger gerieten, nicht zu überleben pflegten (unter grausamen Torturen ist etwa "The House of the Rising Sun" - nicht auf Youtube zu finden - eingegangen). Bei ohnehin zweifelhaften Sachen wie "Yesterday" geht's dagegen an. Wenn Kitsch, dann bitte auch volle Kanne.

Georg Schütt
03
30.11.2010, 21:53
Er sang zu früh zu schwierige Partien, hätte wohl mehr Zeit zum Reifen gebraucht.

Dennoch ein großer Künstler und ein sehr angenehmer Mensch. Ich bin sehr traurig.

astemp79
34
30.11.2010, 20:22

Er war weiß Gott kein großer Opernsänger - aber er wurde eine Zeitlang hofiert, wohl von den Agenturen. Das kann zu verzerrter Wahrnehmung führen; und das ist kein Einzelfall.
Die Krankheit aber ist eine schlimme ... aber der Verlust familiärer Bindungen ist noch viel schlimmer.
Ich wünsche mir, dass er vor seinem Hinübergang seinen Frieden gefunden hat.
Wagner, Tristan, Vorspiel zum 3. Akt.

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