HIV-Infektion

Kein Grund für Leichtsinn

30. November 2010, 09:36

Lebenserwartung HIV-Infizierter steigt - Mediziner warnen davor leichtsinnig zu werden

Rostock - Die Lebenserwartung HIV-positiver Menschen ist dank wirkungsvoller Therapiemöglichkeiten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, stellen die Infektionsmediziner des Universitätsklinikums Rostock AöR fest. „Dieser medizinische Fortschritt darf aber nicht dazu führen, dass die Vorsorge vernachlässigt wird", warnt Emil C. Reisinger, Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten. „Noch immer werden in Deutschland jährlich 3.000 Neuinfektionen diagnostiziert. Besonders besorgniserregend ist, dass sich ein Drittel dieser Patienten bereits in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium befindet." Die Diagnose werde in diesen Fällen zu spät gestellt und der Zeitpunkt des optimalen Therapiebeginns dadurch verpasst.

Am Universitätsklinikum Rostock wird seit 1996 mit großem Erfolg die so genannte „Hochaktive Antiretrovirale Therapie (HAART)" angewandt, bei der, ähnlich wie bei der Tuberkulosebehandlung, mindestens drei Medikamente kombiniert werden. „Kombinationspräparate mit neuartigen Wirkstoffen verhindern längerfristig, dass sich die Widerstandsfähigkeit der Viren entwickeln kann und senken in der Folge die Viruslast im Körper. Sie steigern die Lebensqualität und die Bereitschaft der Patienten, Medikamente einzunehmen", erklärt Carlos Fritzsche, Leiter der HIV-Sprechstunde am Universitätsklinikum. Dadurch sei die Lebenserwartung der Infizierten auf mehr als 20 Jahre gestiegen, bereits 60 bis 70 Prozent aller Patienten in Deutschland seien über 40 Jahre alt.

Aufklärung und Vorsorge

Die Ärzte mahnen, im Vertrauen auf die medizinischen Möglichkeiten nicht leichtsinnig zu werden und fordern aus Anlass des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember zu verstärkter Aufklärung und Vorsorge auf. „Sinnvolle Vorsorgemaßnahmen wie frühzeitige und vernünftige Aufklärung über verantwortungsvolles Sexualverhalten und den Gebrauch von Kondomen bereits in den Schulen, die Empfehlung regelmäßiger HIV-Tests und auch die frühzeitige Therapie der Infizierten können helfen, die Ausbreitung der HIV-Infektion in Deutschland zu stoppen", argumentiert  Reisinger.

In Deutschland sind ungefähr 70.000 Menschen mit dem HI-Virus infiziert (Stand Ende 2010). In Mecklenburg-Vorpommern leiden rund 350 Menschen an der Immunschwächekrankheit, rund 150 der Betroffenen werden in der HIV-Sprechstunde des Uniklinikums Rostock behandelt. (red)

Estereich
01
1.12.2010, 08:48
DLebenserwartung HIV-Infizierter steigt - Dieser medizinische Fortschritt darf aber nicht dazu führen, dass die Vorsorge vernachlässigt wird und Menschen leichtsinnig werden.

vielleicht wärs dann doch mal ganz produktiv zu betonen, dass das leben als hiv-infizierter eben KEIN lockeres und leichtes ist!!!
-die patienten leiden sehr oft unter enormen psychischen stress! "was ist wenn ich menschen in meinem näheren umfeld infiziere? wie lange werd ich überhaupt noch leben?.."
-die nebenwirkungen der HAART sind auch kein zuckerschlecken! abgesehen davon ist eine drastische lebensumstellung (ernährung, kein alk + rauchen,etc.) unverzichtbar!
-das thema familienplanung!!! kinder?! überhaupt einen partner finden der damit umgehn kann und mich so aktzeptiert und liebt!?
-abgesehen davon: was sind 20 jahre -und die werden kaum unbeschwert sein- im vergleich zu einem "normalen gesunden" leben incl. lebenserwartung?!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.