Verbesserte Heilungschancen bei Peitschenwurminfektion

30. November 2010, 09:05
15 Postings

Mehr als eine Milliarde Menschen sind mit Darmwürmern infiziert - unter anderem auch mit dem Peitschenwurm Trichuris trichiura

Forschende des Schweizerischen Tropen- und Public Health Instituts und ihre Partner in Tansania und Großbritannien haben im Kampf gegen die Peitschenwurminfektion einen Erfolg erzielt. Sie testeten eine neue Medikamentenkombination, die markant wirksamer ist als die Standardbehandlung. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich in der Fachzeitschrift "Clinical Infectious Diseases" publiziert.

Übertragung von Wurminfektionen

Mehr als eine Milliarde Menschen sind mit Darmwürmern infiziert, unter anderem auch mit dem Peitschenwurm Trichuris trichiura. Peitschenwurminfektionen werden durch Nahrung übertragen, die mit Fäkalien verunreinigt ist. Eine chronische Infektion kann den Ernährungsstatus, die physische Leistungsfähigkeit und die kognitive Entwicklung insbesondere bei Kindern stark beeinträchtigen. Um Krankheitssymptome zu verringern, werden heute in vielen betroffenen Ländern Schulkinder regelmässig entwurmt. Idealerweise werden zusätzlich sauberes Trinkwasser und Sanitäranlagen bereitgestellt und die Gesundheitserziehung verstärkt, um langfristig die Übertragung von Wurminfektionen einzudämmen.

Behandlung

Zur Behandlung von Peitschenwurminfektionen empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO vier Medikamente, wobei Albendazole und Mebendazole am häufigsten verwendet werden. Im Gegensatz zu Infektionen mit anderen Wurmarten wirkt keines dieser Medikamente besonders gut gegen T. trichiura. Zusammen mit einer einmaligen Dosis Albendazole oder Mebendazole - wie in Schulentwurmungsprogrammen üblich - wirkt Mebendazole mit einer Heilungsrate von 36 Prozent noch am besten. Werden die Medikamente über mehrere Tage gegeben, erhöhen sich die Heilungschancen. Im Gegensatz zu andern Medikamentenkombinationen, die in den letzten Jahren erprobt wurden, erwies sich die Kombination von Albendazole mit Ivermectin als viel versprechend. Ivermectin wird normalerweise gegen die Flussblindheit und Elephantiasis verwendet, zwei ebenfalls durch Wurminfektionen hervorgerufene Erkrankungen.

Geringe Nebenwirkungen

Die nun in der Fachzeitschrift "Clinical Infectious Diseases" publizierte Studie wurde in zwei Schulen in Sansibar durchgeführt, und teilgenommen haben 610 mit T. trichiura infizierte Schulkinder. Diese wurden nach dem Zufallsprinzip entweder mit Albendazole (einmalige Dosis: 400 mg) plus Placebo, Mebendazole (500 mg) plus Placebo, Albendazole plus Ivermectin (200 μg/kg Körpergewicht) oder Mebendazole plus Ivermectin behandelt.

Mit 55 Prozent erreichten Schulkinder, die mit Mebendazole plus Ivermectin behandelt worden waren, drei bis fünf Wochen nach der Behandlung die beste Heilungsrate. Weitaus schlechtere Ergebnisse wurden mit Monotherapien von Mebendazole (19 Prozent) oder Albendazole (zehn Prozent) erzielt, so die Forscher. Die Nebenwirkungen wären gering, es gebe keine Unterschiede zwischen den Medikamenten und Medikamentenkombinationen.

Die Resultate der neuen Medikamentenkombination müssen nun in anderen betroffenen Ländern und Patientengruppen mit stärkeren Infektionen bestätigt werden. In zukünftigen Studien sollte die Kombinationsbehandlung mit einer Mehrfachbehandlung verglichen und die Pharmakokinetik der Medikamentenkombination erforscht werden. Die Entwicklung eines neuen und hochwirksamen Medikaments gegen den Peitschenwurm ist laut den Forschern dringend nötig, um die Erkrankung langfristig einzudämmen. (red)

Link

Abstract zur Studie

Zum Thema Parasitosen:

Wenn der Wurm drin ist

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.