Der Star aus "Die nackte Kanone" starb 84-jährig an einer Lungenentzündung
Fort Lauderdale / Wien - Ein interessantes Gedankenspiel, sich zu jedem seriösen Schauspieler sein dämliches Alter Ego vorzustellen: George Clooney beispielsweise - aus Burn After Reading weiß man, er kann durchaus witzig sein. Aber ist er in der Lage, einen Idioten zu verkörpern, der in den schwierigsten Situationen ernste Miene zum blöden Spiel macht?
Leslie Nielsen hat aus einer solchen Umkehrung eines Schauspielerprofils eine wunderbare Spätkarriere als Komiker gemacht - als vertrottelter Polizist Frank Drebin in der Filmreihe Die nackte Kanone bleibt er unvergesslich. 1926 in Regina, Saskatchewan, in Kanada geboren, lernte Nielsen sein Handwerk in New York am Actor's Studio. 30 Jahre lang verfolgte er eine Laufbahn als dramatischer Darsteller - einen größeren Part spielte er als Commander in dem Science-Fiction-Klassiker Forbidden Planet. Wie viele seines Fachs wurde auch Nielsen auf ein Image festgelegt, bei ihm waren es weise Führerfiguren, denen man vertrauen musste wie etwa dem Kapitän im Katastrophenfilm Die Höllenfahrt der Poseidon.
Genau dieses Bild der Anständigkeit hatte das Trio Zucker/Zucker/Abrahams im Kopf, als sie den nicht allzu bekannten Darsteller 1980 in Airplane! unvermittelt als verblödeten Ersatzpiloten besetzten: "Warst du schon einmal in einer finnischen Sauna?", lautete dort eine seiner todernsten Fragen an einen kleinen Jungen, der ihn im Cockpit besucht.
Regisseur David Zucker nannte diesen Stil einmal "deadly serious": Nielsen lotete den Abgrund hinter dem Habitus maskuliner Seriosität aus. Er wurde zum Star etlicher US-Filmparodien, indem er - noch Jahre vor George W. Bush - Figuren verkörperte, die ihre Tölpelhaftigkeit mit grauen Anzügen kaschierten.
Am Sonntag ist Leslie Nielsen im Alter von 84 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung in Fort Lauderdale gestorben. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD - Printausgabe, 30. November 2010)