Das älteste Molekül des Universums versteckt sich weiter

Jérôme Loreau, 5. Dezember 2010, 16:27
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    foto: nasa/hubble

    Hubble-Aufnahme des planetaren Nebels NGC 7027, wo man auf HeH+ zu stoßen hofft.

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HeH+ sollte im Weltall häufig vorkommen, ließ sich bislang aber nicht beobachten

Das Heliumhydrid-Ion (HeH+) war das erste Molekül, das sich im frühen Universum gebildet hat und ist immer noch eines der am häufigsten vorkommenden Moleküle auf der Erde - der extraterrestrischen Beobachtung hat es sich bislang jedoch entzogen.

Gemäß der Urknall-Theorie ist das Universum 13,7 Milliarden Jahre alt und hat eine Entwicklung durchlaufen, die sich grob in drei Phasen unterteilen lässt: Die erste Phase, als die Teilchen extrem hohe Energie aufwiesen, ereignete sich während der ersten Sekunde des Universums und wird bis heute kaum verstanden. Als die Temperatur im Universum drastisch sank, kam es zur zweiten Phase: Es bildeten sich Protonen, Elektronen und Neutronen, gefolgt von Atomkernen und schließlich Atomen. Die dritte Phase beinhaltete die Bildung von Strukturen wie Sternen und Galaxien.

Die Anfänge

Die ersten Moleküle bildeten sich zwischen der zweiten und dritten Phase, etwa 300.000 Jahre nach dem Urknall. In diesem Zeitraum war die Temperatur des Universums auf 4.000 Grad Kelvin gefallen, es bildeten sich Wasserstoff-, Helium- und Lithium-Atome. Zuvor waren sie ionisiert gewesen, es waren noch keine Elektronen feste Verbindungen mit Atomkernen eingegangen. Bei fortschreitender Abkühlung wurden die Elektronen von Ionen eingefangen: Das erste Element, das auf diese Weise elektrisch neutral wurde, war Helium. Dieses verband sich wiederum mit ionisiertem Wasserstoff und bildete so das allererste Molekül: HeH+, bald gefolgt von ähnlich kleinen Molekülen. 

Die Häufigkeit, in der die ersten Atom- und Molekülarten auftraten, entwickelte sich mit dem fortschreitenden Alter des Universums, da diese durch verschiedene Mechanismen aufgebaut und zerstört werden können. Schätzungen zufolge entwickelten sich nach etwa 100 Millionen Jahren keine großen Mengen mehr. Es gibt verschiedene Modelle, mit denen die Häufigkeit unterschiedlicher Arten von Molekülen geschätzt wird - um das beste Modell zu finden, müssen die Schätzungen mit Beobachtungen verglichen werden, die mit Hilfe von Weltraumteleskopen gemacht werden, welche die ausgesandte Strahlung einfangen. Jede Art von Molekül sendet dabei auf einer charakteristischen Frequenz innerhalb des elektromagnetischen Spektrums.

Am falschen Ort gesucht?

Allen Modellen zufolge sollte HeH+ in Gasnebeln, aus denen Sterne entstehen, und planetaren Nebeln, die von sterbenden Sternen ausgestoßen wurden, häufig vorkommen. Trotz dieser Vorhersage hat bislang aber keiner der Versuche, das extraterrestrische Vorhandensein von Heliumhydrid endgültig zu beweisen, zum Erfolg geführt - ein verblüffender Umstand, da die anderen vorhergesagten Molekültypen beobachtet werden konnten. Dass sich das geheimnisvolle Ion der Beobachtung entzieht, bedeutet entweder, dass die Mechanismen zu seiner Bildung überschätzt oder die Mechanismen zu seiner Zerstörung unterschätzt wurden.

Die Lösung des Rätsels könnte in den verschiedenen Energieniveaus liegen, die HeH+ annehmen kann. In der Regel befindet sich ein Molekül im sogenannten Grundzustand, also auf dem niedrigstmöglichen Energieniveau. Das Ion könnte sich aber auch in einem höheren "metastabilen" Zustand von langer Lebenszeit befinden. Bleibt es lange genug in diesem Zustand, wäre sowohl seine Häufigkeit als auch seine charakteristische Frequenz eine andere - eine Möglichkeit, die zuvor nie in Erwägung gezogen worden war. Neue Berechnungen der Bildung und Zerstörung des Moleküls, diesmal in einem anderen als dem Grundzustand, sollen gemeinsam mit Beobachtungen von Weltraumteleskopen wie Herschel und Spitzer dabei helfen, das Geheimnis des ältesten Moleküls des Universums zu lüften. (Jérôme Loreau, Übersetzung: derStandard.at)


Der Autor
Jérôme Loreau
studierte Physik an der belgischen Université Libre de Bruxelles und graduierte 2006; 2010 erhielt er seinen Ph.D. Derzeit arbeitet er am Harvard-Smithsonian Institut für Theoretische atomare, molekulare und optische Physik.

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Atomium Culture

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 52
1 2
fritz1004
00
6.12.2010, 22:59
HeH+

Ich dachte, Helium sei ein Edelgas und Edelgase würden sich gerade dadurch definieren, daß sie keine molekularen Bindungen eingehen?

Quark
00
7.12.2010, 17:35

Diesen zustand den Sie meinen nennt man Oktettregel bzw. Edelgaskonfiguration. Nur handelt es sich dabei nur um eine Regel mit einigen Ausnamen. (siehe zB. Strukturformel der Schwefelsäure Hierbei sind nicht nur Valenzelektronen sondern auch Elektronen aus tieferen Schalen beteiligt.)
Im Fall des HeH+ kann man auch fast nicht von einer Verbindung sprechen. Die Bindungsenergie ist sehr klein und das Molekülion bei normalbedingungen sehr instabil.

Cayenne69
00

Die Oktettregel gilt nur für die ersten 2 Perioden

Al Borland
00
7.12.2010, 12:13

Im Allgemeinen richtig, nur ist dieses Ion eben positiv geladen.

hamaca reservada
00
8.12.2010, 02:31

und hat nur eine schale - wenn man diesem hilfsmodell immer noch folgen will. vielleicht ist ja auch deshalb die frage nach HeH+ eine rein akademische, wie auch die urknall-theorie. andererseits gibt das nicht-existieren und doch existieren dieser temporäreren kleinansammlung von kleinstenergiepartikel vielleicht auch mehr aufschluss über diese energien und ihre art, aneinander picken zu bleiben, also atome und deren ansammlungen überhaupt zu bilden.

her wig
10
6.12.2010, 18:22

Hat es sich in dunkle Materie verwandelt? Ist die Antimaterie schuld? Das Modell falsch? Oder haben wir ein schüchternes Universum vor uns? Weiblich zweifelsfrei, weil es seine Alterserscheinungen verbergen will...

Graph Bobby
00
6.12.2010, 13:19
Laut Einstein...

...waere dann also die maximale moegliche Groesse des Universums bekannt, naemlich eine Kugel mit einem Durchmesser von 13 Milliarden Lichtjahren?

King of Cowards
00
6.12.2010, 15:24

Wie "groß" ist ein gekrümmter Raum? Wäre er sehr stark gekrümmt, dann könnten Sie unendlich lange in diesem Raum laufen, ohne gegen die "Wand" zu knallen.

De schdadisdig is a hund
00
6.12.2010, 14:47
Kugel ?

Das steht in den Sternen

epep
03
6.12.2010, 13:28

der radius ist mindestens 78 milliarden lichtjahre, sie müssen bedenken, dass während das licht 13 milliarden jahre brauchte um uns zu kommen, sich das universum weiter ausdehnte.

der genaue radius ist unbekannt, aber das lambda-cmd-modell und beobachtungen mittels den wmap-satelliten schliessen modelle mit kleineren radius als 78 milliarden lichtjahre aus.

Graph Bobby
00
8.12.2010, 21:12
Hier stand aber nicht, dass das Licht

13 Mrd. Jahre zu uns brauchte, sondern dass das Universum erst 13 Mrd. Jahre lang existiert.

Soviel ich weiss, war Einstein der Meinung, dass sich zwei Orte voneinander nie schneller als mit Lichtgeschwindigkeit entfernen koennen, was den maximalen Durchmesser des Universums demnach auf 13 Mrd. Lichtjahre beschraenken wuerde.

Also abgesehen davon, dass "Jahre" eine sehr irdische Einheit sind, und Geschwindigkeit Zeitabhaengig ist, und Zeit keine wirkliche Dimension, sondern eher ein Symptom der stetigen Veraenderung anderer Dimensionen usw.

...und abgesehen davon, dass ich vermute, dass nicht nur ich, sondern die gesamte Menschheit viel zu wenig weiss, um auch nur annaehernd richtig zu liegen :-)

epep
01
9.12.2010, 01:52

die absolutheit der lichtgeschwndigkeit gilt nicht für das universum als ganzes. das universum selbst kann sich sehrwohl mit überlichtgeschwindigkeit exoandieren. hat es wahrscheinlich auch, in der sogenannen inflationsphase des universums.

und zeit ist sehrwohl eine dimension, in der relativitätstheorie wird die zeit genauso wie eine raumdimension behandelt (natürlich mit anderen eigenschaften).

nicht viel wissen wir, wir vermuten aber, dass wir das ändern können. ob das der realität entspricht oder doch nur größenwahnsinn ist, auch das wissen wir leider auch nicht... ;-)

kraeutrpolizei
00
6.12.2010, 12:21

lithium gabs auch schon vor den sternen? ich dachte alles ausser wasserstoff und helium wurde erbrütet. wie ist das lithium entstanden?

nwanma
02
6.12.2010, 17:27

Gott war depressiv, da er alles schon wusste...

Dandyleone
00
10.12.2010, 00:16

Dank dieses Kommentars kann ich jetzt vor lauter Lachen nicht einschlafen... danke, einfach herrlich.

epep
03
6.12.2010, 13:24

die bedingungen im frühen univserum reichten aus für die bildung von lithium. wasserstoff, helium und lithium waren die "grundbausteine" des universums, alle schwereren elemnte wurden in der kernfusion in sternen erzeugt.

Schnecki004
00
7.12.2010, 06:24

bis zu Eisen, soweit ich weiß...danach doch in Supernovas...oder lieg ich da falsch?

Nick Tameer
00
8.12.2010, 13:44

Da das auch mein Wissenstand ist, wird es wohl stimmen.

Wir könnten also zusammen auf Partys erscheinen, uns mit den Worten "We are rocket scientists" vorstellen und uns brillierend die Bälle zuspielen, denn das FS3 wird niemand, der noch alle Sicherungen im Kasten hat, zu seiner Party einladen.

epep
00
9.12.2010, 02:03
sie kennen FS3? und wenn nicht, woher wissen sie wem sie nicht einladen dürfen? ;-)

und ja, beim kohlenstoffbrennen wird eisen erzeugt. allerdings nur in den dicken brummern der sterne, ab 2,3 sonnenmassen. aus der fusion kann ein stern keine energie mehr gewinnen, deswegen ist genau da schluß.

schwere elemente können nur in supernovaexplosionen entstehen und diese nur bei sternen über 8 sonnenmassen, da ein stern in der letzten phase viel materie verliert und deswegen nicht als supernova explodiert, sondern ihm, wie oft bei aufgeplusterten angebern, die luft ausgeht. ;-)
die chandrasekhar grenze ist dafür entscheidend, erreicht der eisenkern (das schwerste element findet sich im kern) 1,44 sonnenmassen explodiert der stern als supernova.

genauer als mir mit 750 zeichen möglich ;) : http://de.wikipedia.org/wiki/Stern

Nick Tameer
00
11.12.2010, 10:01

Moment ...
2,3 Sonnenmassen C->Fe ...
(+ oder - Energie? Wie ging nochmal diese Sache in der Mitte?) ...
... 8 Sonnenmassen + 1,44 Sonnenmassen Eisen im Kern = Supernova ...
... sonst SL (sofern Chandrasekhar!) ... nochmal
chan-dra-sek-har .... chan-dra-sek-har ... Chandrasekhar, ja gut ...

... 750 Zeichen - nein das gehört nicht dazu.

... 2,3 Eisen - 8+1,44 Supernova - chan-dra-sek-har SL... mein Gott, wie viel ist jetzt noch Chan-dra-sek-har? Na egal, ich schau mir es später nochmal an.

(Ich heute Abend demnächst eine wichtige Party und muss diese Einzelheiten noch lernen).

Der Wappler
20
6.12.2010, 11:02
Der Wappler ist existent

Vielleicht gibt es dieses Molokül gar nicht?

Andreas Grois
40
6.12.2010, 08:54
Mich wundert, dass das noch keiner numerisch durchgerechnet hat.

Bei der überschaubaren Zahl an Teilchen (4 Teilchen -> 12 Dimensionen) könnte man ja mit genug Zeit und einer noch realisierbaren Menge Speicher (ich würde mal ein Petabyte veranschlagen, das reicht um 15 Ortspunkte mit je einem Byte Genauigkeit pro Dimension speichern zu können) die Schrödingergleichung numerisch lösen.

Matthias_Maier
12
5.12.2010, 22:41

Interessant, dass molekularer Wasserstoff nicht zuerst da war.

epep
02
6.12.2010, 13:29

molekularer wasserstoff ist die häufigste verbindung von wasserstoff unter "normalbedingung" auf der erde. aber so recht glaub ich auch nicht das HeH+ das allererste molekül war. vielleicht ist hier gemeint, dass erste molekül aus unterschiedlichen elementen?

LCD
30
6.12.2010, 02:39

Molekularer Wasserstoff? Was soll das sein?

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