Mängelexemplare und akademische Klassiker

29. November 2010, 16:18
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Moderne Antiquariate und Bücherbörsen haben günstiges Lernmaterial und Belletristik im Angebot. Stöbern lohnt sich

Trotz zahlreicher digitaler Quellen kommt man als Student auch heutzutage um das gedruckte Wort nicht herum. Und wenn man außer Fachbüchern auch auf dem Gebiet der Belletristik auf dem Laufenden bleiben will, stößt man mit kleinem Budget bald an die Grenzen der persönlichen Kaufkraft.

Das Kommissionsprinzip

Um bei den Lehrbüchern und Skripten günstiger davonzukommen, empfiehlt sich auf alle Fälle ein Besuch der Buchbörsen der ÖH. An der WU, am Juridikum und im NIG findet man die größten Sammlungen gebrauchter Lernmaterialien. Hier wird hauptsächlich Kommissionsware verkauft.

In der WU-Bücherbörse bekommt man Lehrbücher und Skripten, die andere Studierende nicht mehr benötigen. Für die gebrauchten Bücher zahlt man laut ÖH rund zwei Drittel des Originalpreises. Im Angebot befinden sich auch Skripten der aktuellen Lehrveranstaltungen. Wer als WU-StundentIn seine Bücher und Skripten loswerden will, kann hier gute Geschäfte machen: Die Börse behält lediglich 10 Prozent vom Verkaufspreis. Ob die in Kommission gegebenen Bücher verkauft wurden, erfährt man per Mail oder durch die Anfrage des virtuellen Verkäufer-Kontos.

Die Börse im NIG legt den Schwerpunkt auf Geistes- und Human- und Sozialwissenschaften und verfügt auch über eine umfangreiche Belletristik-Abteilung (auch fremdsprachige Bücher). Laut eigenen Angaben liegen die Preise immer weit unter dem Neupreis. Rund 10. 000 gebrauchte Bücher und Skripten stehen hier in den Regalen.

Ohne Mängel

Wenn man lieber Erstbesitzer sein möchte und trotzdem wenig Geld ausgeben kann und will, empfiehlt sich ein Besuch im Modernen Antiquariat. Hier werden Remittenden, also Bücher, die im regulären Handel nicht verkauft wurden, und Bücher mit Beschädigungen, sogenannte Mängelexemplare, verkauft. Leidenschaftliche Käufer von Mängelexemplaren werden wissen, dass deren einziger Mangel oft allein im Aufdruck "Mängelexemplar" besteht und sich der Griff zu den stark verbilligten Bänden auf alle Fälle loht.

Das bekannteste moderne Antiquariat in Wien ist wohl die Kette "Buchlandung". Hier wird das Angebot an günstigen Büchern pausenlos erweitert, verspricht Geschäftsführer Lucas Müller. "Wir versuchen, alle Sachgebiete abzudecken, und schauen auch im Bereich der Belletristik, was gerade gefragt ist". Das Angebot in den drei Filialen, die Müller zusammen mit seinem Partner Martin Reiter betreibt, ist weitgehend dasselbe. "Vielleicht noch vor Weihnachten, aber auf alle Fälle bis Jänner 2011" will Müller auch eine Kundenkarte einführen, "die noch mehr Vergünstigungen bringt". 

Schnäppchen findet man auch im Online-Shop der Buchlandung. So kann man zum Beispiel zwei Werke des jüngsten Literaturnobelpreisträgers Vargas Llosa "Tante Julia und der Kunstschreiber" oder "Lob der Stiefmutter" um 3,40 Euro, bzw. 3,95 Euro in den Warenkorb wandern lassen. Online bekommt man auch einige akademisch satisfaktionsfähige Titel aus der Reihe suhrkamp taschenbuch Wissenschaft (stw): Adornos "Noten zur Literatur" gibt es um 9,75 Euro. Der Versand wird auf dem Postweg abgewickelt.

Ein noch breiteres Angebot an verbilligten Bänden führt die Buchhandlung Kuppitsch am Campus. Rund 300m2, verteilt auf zwei Stockwerken, sind hier dicht mit Büchern aus allen Wissensgebieten gefüllt. Neben unzähligen Belletristik-Taschenbüchern, wird auch viel Populärwissenschaftliches angeboten sowie einige fremdsprachige Bände (Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch). Die stw-Reihe liegt auch beim Kupitsch auf: 7,95 muss man für kulturwissenschaftliche Klassiker berappen - der alte Preis betrug noch 29,80 DM.

Trotz bereits sehr niedrigem Preis, gibt es bei größeren Mengen für Dozenten oder Institute auch Preisrabatte, verrät die Mitarbeiterin. Für Studenten gibt es einen Sammelpass: Für fünf Euro des Einkaufes von Mängelexemplaren gibt es einen Stempel. Nach 20 Stempeln gibt es ein kostenloses Taschenbuch.

Die Kuppitsch-Filiale am Schottetor ist leider bei weitem nicht so gut sortiert. Sucht man aber eher nach günstigen Kochbüchern oder "Taschen"-Bänden loht sich ein kleiner Ausflug in das unübersichtliche Erdgeschoß. Ein ähnliches Angebot findet man auch im zweiten Untergeschoss beim Frick am Graben.

Online-Suche

Hat man keine Lust im Trouble der Vorweihnachtszeit Buchhandlungen abzuklappern, kann man sich auch in der virtuellen Welt auf der Suche nach dem gedruckten Wort machen. Rund 4.100 Antiquariate aus 27 Ländern bieten mehr als 30 Millionen Artikel (Bücher, Grafiken, Noten und Tonträger) über das ZVAB (Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher) zum Kauf an. Neben längst vergriffenen Titeln und Raritäten findet man im Online-Antiquariat auch richtige Schnäppchen. Vargas Llosas Werke werden ab 4,20 Euro angeboten; "The Corrections" von Jonathan Franzen, gibt es ab vier Euro.

Beim umfangreichen Angebot des ZVAB empfiehlt es sich, die Detailsuche zu verwenden - hier kann man etwa gezielt nach Hardcover oder Softcover sowie Anbieterland und Preis suchen.

Und noch ein letzer Tipp für alle, denen es weder an Zeit noch an Geduld mangelt: Die beiden carla-Läden der Caritas in Wien verfügen über einen tollen Bücher-Fundus. Stundenlanges stöbern lohnt sich: Die Preise liegen bei 50 Eurocent!

 

  • Beim Kuppitsch findet man auch einige akademisch satisfaktionsfähige Titel aus der Reihe suhrkamp taschenbuch Wissenschaft (stw.
    foto: jan franczak

    Beim Kuppitsch findet man auch einige akademisch satisfaktionsfähige Titel aus der Reihe suhrkamp taschenbuch Wissenschaft (stw.

  • Das bekannteste sogenannte Moderne Antiquariat in Wien ist wohl die Buchlandung.
    foto: buchlandung

    Das bekannteste sogenannte Moderne Antiquariat in Wien ist wohl die Buchlandung.

  • Leidenschaftliche Käufer von Mängelexemplaren werden wissen, dass deren einziger Mangel oft allein der Aufdruck "Mängelexemplar" ist und sich der Griff zu den stark verbilligten Bänden auf alle Fälle loht.
    foto: buchlandung

    Leidenschaftliche Käufer von Mängelexemplaren werden wissen, dass deren einziger Mangel oft allein der Aufdruck "Mängelexemplar" ist und sich der Griff zu den stark verbilligten Bänden auf alle Fälle loht.

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