Bikram

Schweißtreibendes Hot-Yoga

30. November 2010, 12:19

Training bei hohen Temperaturen ist eine gesundheitliche Herausforderung - Spirituelle Erfahrungen sind nicht zu erwarten

Flirrende Hitze, halbnackte, vor Schweiß triefende Körper in Reih und Glied in einem Raum, der für eineinhalb Stunden verschlossen bleibt. Niemand spricht - bis auf Tammy, die hübsche, zierliche Inderin. "And push and push and push", dirigiert sie die Gruppe Yogis, die mit hochrotem Kopf versuchen, ihre Körper in eine halbmondartige Form zu bringen. Kaum zu glauben, dass sich irgendjemand dieser Tortur freiwillig unterzieht. Doch der Andrang auf diese neue Form des Yoga ist enorm. Insbesondere in der westlichen Hemisphäre findet Bikram-Yoga immer mehr Anhänger.

Bikram-Yoga besteht aus einer Serie von 26 Hatha-Yoga-Übungen, die in einem auf bis zu 40 Grad Celsius aufgeheiztem Raum, praktiziert werden. "Durch die Hitze werden sämtliche Giftstoffe aus dem Körper heraus geschwitzt und das Verletzungsrisiko, das bei verschiedenen Dehnungsübungen gegeben ist, reduziert sich auf ein Minimum", erklärt die zertifizierte Bikram-Yogalehrerin und Physiotherapeutin Tammy.

Das Training bei solchen Temperaturen ist jedoch eine Herausforderung, denn das Schwitzen bewirkt hohe Wasser- und Elektrolytverlust. Als Ausgleich, empfiehlt es sich daher im Vorfeld zu trinken und eventuell eine Banane oder einen Apfel zu essen, um dem Körper ausreichend Energie zur Verfügung zu stellen.

Auf der Suche nach Spiritualität

"Was man sich von Bikram-Yoga jedenfalls nicht erwarten darf, sind spirituelle Erfahrungen", betont Tammy. Das ist mitunter der Grund, warum diese junge Yoga-Form von traditionellen Yoga-Kennern mit Skepsis beäugt wird. Hinter dem Begriff Yoga steckt ein philosophisches Konzept, das als Teil der indischen Lebensphilosophie eine Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele erzeugt. In Europa und den USA hat sich vor allem das körperliche, sogenannte Hatha-Yoga etabliert, bei dem die erwähnte Verbindung mittels physischer Übungen (Asanas) und Atemübungen (Pranayama) hergestellt wird.

Die dynamische Variante des Hatha-Yoga nennt sich Ashtanga. Hier erfordern die physischen Übungen besonders viel Kraft. Nicht umsonst wird Ashtanga daher auch Power-Yoga genannt. Ein wichtiges Element von Ashtanga ist die Atmung, die hörbar gemacht wird und wie ein regelmäßiges, tiefes Rauschen den gedimmten Raum erfüllt.

Die besondere Atemtechnik ist einer der Gründe, warum die Yogalehrerin Rosi Wagner Ashtanga-Yoga so liebt. "Wenn kleine Kinder oder Hunde hier ins Yogastudio kommen, schlafen sie oft ein, wenn sie das laute Atmen hören", erzählt sie von der beruhigenden Wirkung.

Warum Yoga jedem gut tut

Im Westen praktizieren viele Menschen Yoga, um fit und gesund zu bleiben. Die sanften, Bewegungsabläufe sind schonend für die Gelenke und daher eine gute Alternative zu anderen Kraft- oder Ausdauersportarten. "Yoga ist prinzipiell für jeden gut", ist der Allgemeinmediziner und Osteopath Andreas Goldammer überzeugt. Allerdings müssten die Übungen auf den Einzelnen individuell abgestimmt werden, präzisiert er. Mit seiner Meinung ist Goldammer nicht allein unter den Schulmedizinern. Die gesundheitsfördernde Wirkung von Yoga, insbesondere der Stressabbau und die Kräftigung der Haltungs- und Stützmuskulatur, sind mittlerweile weitgehend unbestritten. 

Durch die Konzentration auf die Atmung kann Yoga auch Asthmatikern helfen. "Vor allem bei leichten Formen von Asthma kann die bei Yoga erlernte Atemtechnik eine deutliche Verbesserung bewirken", weiß der Yoga-erfahrene Sportorthopäde Karl-Heinz Kristen. In einigen Bereichen ist der therapeutische Nutzen von Yoga laut Goldammer durch Studien nachgewiesen. "Yoga als Konzept ist heilsam", sagt er und relativiert gleichzeitig: Wunder-Asanas, die heilen gibt es aber nicht".

Aufpassen bei Schwitz-Yoga

Skeptisch ist Goldammer bei den gesundheitlichen Folgen von Bikram-Yoga. Er selbst hat das Schwitz-Yoga schon ausprobiert, konnte dem Konzept jedoch nicht viel abgewinnen. "Eigentlich sollte man unmittelbar nach einer Yogaeinheit erfrischt sein, und dieser Eindruck hat sich hier nicht bestätigt", erzählt er. "Bikram-Yoga ist eine Herausforderung für das Herz-Kreislauf-System. Für Menschen mit Kreislauferkrankungen ist es daher nicht unbedingt förderlich", so Goldammer.

Zwar könne sich der Körper an Hitze gewöhnen, was aber nicht gleichzeitig bedeutet, dass die körperliche Aktivität bei hoher Temperatur auch gesund sei. Menschen mit Bluthochdruck oder Herzproblemen empfiehlt er sanftere Yoga-Varianten und auch Migränepatienten rät Goldammer wegen Provokationsgefahr von Migräneattacken vom Bikram-Yoga ab.

Bei anderen Erkrankungen kann man mit Bikram-Yoga jedoch durchaus positive Effekte erzeugen. "Für Arthrose-Patienten kann Bikram-Yoga gut sein, weil die Muskulatur dadurch weich wird und die Arthrose-Stoffe besser abtransportiert werden", schildert der Orthopäde und Rheumatologe Ronald Dorotka und empfiehlt bei Schmerzen im Bewegungsapparat aber immer eine Untersuchung im Vorfeld. Bei rheumatischen Erkrankungen bezweifelt Dorotka eine heilende Wirkung von Bikram-Yoga: "Die Hitze ist eher kontraproduktiv."

Wer Yoga betreiben will, sollte seinen Lehrer jedenfalls über etwaige gesundheitliche Probleme informieren. "Yoga muss sich immer dem Praktizierenden anpassen", findet Goldammer. Dafür muss ein kompetenter Yogalehrer sorgen. Und wer sich nicht für die eine oder andere Form von Yoga entscheiden will, muss das auch nicht. Schwitzen in Bikram, entspannen in Hatha und Kraft tanken in Ashtanga - Auch die Kombination kann Erholung für Körper und Geist bringen. (Stephanie Dirnbacher, derStandard.at, 01.12.2010)

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Posting 1 bis 25 von 60
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lilian
01
8.12.2010, 09:37
ich frage mich, warum man jede variante des

strechen und dehnen "yoga" nennen muss in unseren breiten? was hier betrieben wird - und eben in vielen fitnesscentern - ist einfach eine form der gymnastik, hat mit dem klassischen yoga wenig gemein. bezeichnung "yoga" der werbewirksamkeit wegen?

seniorenteller
20
inkompetenz währt ewig

erst informieren, dann posten... vielleicht mal mit der entstehung und den hintergründen von bikramyoga auseinandersetzen...

lilian
01
8.12.2010, 09:29
yoga in fitnesscentern hat sowieso nix mit

spiritualität zu tun - ist nur bodytrimm.
ein guter yogalehrer kontrolliert die bewegungen seiner schüler sehr genau - man kann nämlich durch die asanas mehr kaputtmachen (gelenke) als man denkt - merkt man dann erst nach ein paar jahren.
bikram wäre kreislaufschwache z.b. fatal.

Paris Texas
02
1.12.2010, 19:53

finde es gut, dass einmal ein bisschen kritisch über yoga gesprochen wird. meine auch, dass die übungen individuell abgestimmt werden sollten, mal tut diese gut, mal jene. bestimmte stile sind (in indien, einer kultur fernab der gleichberechtigung der frau) explizit für junge männer entwickelt worden. also gut für das yang, aber nicht der weisheit letzter schluss (wie wohl alle aus östlichem kontext importierten dinge). das bikram yoga wurde meiner info nach an die klimatischen bedingungen in indien angepasst um möglichst authentisch zu sein ( was im westen als entgiftend vermarktet wird, wird in indien einfach nur schwitzen genannt. dort ist es nämlich unangenehm heiss :o )

Dr. Heloise Silberberg
01
1.12.2010, 15:25
twisted like a pretzel

http://www.youtube.com/watch?v=x... re=related

"Oh i can see that you and Yoga never will do..."

Dr. Heloise Silberberg
10
1.12.2010, 15:23

Rettet Schlumpfland vor den Schlümpfen
 
32
1.12.2010, 13:49
"Yoga ist prinzipiell für jeden gut"

... unreflektierende (Marketing)Aussage! - IMO ist Yoga für max. 10 - 20 % der Menschen, die es betreiben, wirklich geeignet.

Der Rest führe mit Gymnastik, vorsichtiger Athletik und viel frischer Luft weit besser.

Was Yoga mit Spiritualität zu tun haben sollte, weiß ich auch nicht?

Wie bei den meisten Dingen gilt, "Less is more" ... And now ... relaaaaaaaaaxxxxxx ... ;-)

ktee fresh
01
1.12.2010, 13:06
neue Form des Yoga....

Bikram Yoga gibt es seit Jahrzehnten und ist erst durch diverse A-D Prominente "trendy" geworden..

Cacatuda
43
1.12.2010, 11:25
bikram ist super

ich kann nur sagen: ich liebe bikram yoga und kann es jedem nur empfehlen!!!
nicht spirituell? das ist ja das tolle, dass jeder seinen eigenen spirituellen weg gehen kann ohne heiligenschein und religionslehrer, der einem neben den übungen noch den sinn des lebens erklärt, man darf im ruhigsten moment der übung ganz von alleine drauf kommen was wirklich wichtig ist :) ich find's sehr spirituell aber halt nicht eso und creepy!

lilian
01
8.12.2010, 09:31
was immer sie halt unter "spirituell" verstehen mögen...

aber "allen" würde ich bikram sicher nicht empfehlen.

Walter Tunhardt2
05
1.12.2010, 11:02
Nicht überall wo Yoga draufsteht ist auch Yoga drin!

Yoga bedeutet nunmal Einheit, oder Verbinden, auch einjochen (in eine höhere Wahrheit) und die Auffassung im Westen unterscheidet sich schon sehr von jener ursprüglichen aus Indien, dennoch finde ich es immer sehr begrüßenswert wenn Menschen auch "nur" wegen der körperlichen Komponente Yoga praktizieren. Ist der/die LehrerIn sensibel genug und in der eigenen Entwicklung schon etwas fortgeschritten, wird er nach und nach den(m) Schüler(n) auch die anderen Aspekte des klassischen Yoga näherbringen, allerdings ohne ihnen diese aufzwingen zu versuchen, sondern nur entsprechend dem Eigeninteresse des Schülers. Schließlich bewirkt jeder Zwang nur Widerstand. Das jedenfalls ist meine Erfahrung als langjähriger Yoga Lehrer.

lilian
01
8.12.2010, 09:31
genau, sehr treffend!

cipf
 
31
1.12.2010, 10:50

Könnte man mal den ganzen eso derrischen Kram beiseite lassen und über reale Erfahrungen mit "Hot Yoga" berichten - bitte.
Ich bin nämlich am überlegen, ob ich mir das mal gebe.
Reale Erfahrungen würden ein wengerle mehr helfen als Gewäsch über "Rami und Yami".

Danke.

Odette
10
3.12.2010, 20:17
ausprobieren

ich finds super, grad bei dem wetter tut die hitze mächtig gut! dann heimkommen, nicht mehr viel tun außer tee trinken und ins bett - grunz!

Balkonbepflanzer
01
9.12.2010, 19:07

War grad draussen laufen, tut genauso gut wenn man die richtige Ausrüstung hat.

The Jean Genie
10
6.12.2010, 22:16

Kann ich nur zustimmen! Ich find's auch Super.

sekir 09
04
1.12.2010, 11:30

zirkeltraining. macht auch fit. hat mir yoga lernen nichts zu tun. die räume werden volgestopft, einen zu vollen kurs gibt es bei bikram nicht. ein franchise inkl. rolls royce guru aus kalifornien, das 25 übungen (2500 jahre alt) patentieren lässt und prozesse gegen nachahmer anstrengt. von wegen immer populärer in der westlichen hemisphere, bikram existiert nur im westen.
von wegen neu, sogar schon in wien seit mehr als 10 jahren
artikel schwach

alpen gekko
04
1.12.2010, 11:12

Bin vor einigen Jahren in thailand zum Joga gekommen und habe seither viele Lehrer "probiert" und erlebt. Hatte eigentlich immer ein sehr angenehmes Körpergefühl danach.

Anders beim Birkam Joga. Schon das Betreten des Raumes ist ein Schlag in die Fresse. während der session bewegte ich mich eigentlich permanent an der Grenze zum Kreislaufkollaps. War 3 mal dabei und fühlte mich danach jedesmal zerstört. Klar, die Dehnungen und moves gehen extremer die Raumwärme bewirkt da schon was. Geht aber insgesamt zu stark in die Richtung schneller, höher, weiter.

Ein Marathon macht dir Spass? Dann ist Birkam Yoga genau das Richtige für Dich!

glücksprinzip
22
1.12.2010, 11:05
einfach ausprobieren,

gibt eh von allen Yoga-Studios unverbindliche Einsteigerangebote

zusammenfassend würde ich sagen:
- es ist heiß, was für den Kreislauf eine Herausforderung ist, im Winter aber auch sehr angenehm sein kann
- die Übungsabläufe sind immer gleich und leicht zu lernen
- die Übungen zielen auf Dehnung, Kräftigung der Muskulatur und Gleichgewichtstraining ab
- Fokus ist natürlich auf die körperlichen Übungen, zusätzlich gibt es zwei Atemübungen und am Schluss 5 min Endentspannung

cipf
 
01
1.12.2010, 11:07

Danke.

Bulkhead
112
1.12.2010, 10:39
AAAAAAHHH

Das ist meine Urschrei Therapie, die muss ich jedesmal machen wenn ich einen Standard Gesundheitsartikel lese. Einfach furchtbar traurig, ich mag den Standard aber die Gesundheitsabteilung ist einfach unter jeder Kritik.

Aber gut zur sachlichen Ebene: Welche Giftstoffe werden denn da herausgeschwitzt? Warum sollte der warme Raum das Verletzungsrisiko senken?

Diese Rückschlüsse haben keinerlei wissenschaftlichen Hintergrund und funktionieren ungefähr so: Aufwärmen ist gut = warmer Raum = Supergut.
Schweiss stinkt = Gift = mehr Schweiss = mehr Gift raus.

Das ist nicht mehr als Werbung für Hot-Yoga, völlig unkritisch.

glücksprinzip
12
1.12.2010, 11:07
naja,

mit den "Giftstoffen" gebe ich Ihnen recht, allerdings das mit der Verletzungsgefahr stimmt schon. alle Bänder und Muskeln sind dann schön aufgewärmt und weich, das heißt Bänderrisse/Zerrungen treten nicht auf

Bulkhead
01
1.12.2010, 11:18

Gut, bleibt nur die Frage inwieweit der warme Raum überhaupt einen Einfluss hat.
Davon abgesehen:
1.) ist klassisches Aufwärmen keine Hexerei und man kann sich den übermäßig warmen Raum sparen.
2.) bewirkt aufwärmen weit mehr als nur die Erwärmung des Bewegungsapparates,

Aber eigentlich wäre es ja an den Hot-Yoga Leuten ihre angeblichen Effekte zu argumentieren, von denen kommen allerdings nur Postulate.
Man kann es ihnen aber auch kaum übel nehmen, warum sollten sie ihr System kritisch hinterfragen - das Geld fließt offenbar, the trend is your friend. Eine Zeitung die sich (teils durchaus berechtigt) Qualität auf die Fahnen heftet sollte soetwas allerdings kritisch hinterfragen.

el vienes
 
12
1.12.2010, 01:34
leicht militant

also ich bin kein Gegner von Bikram, habe auch selber in 3 Jahren um die 60 Klassen besucht. Es ging mir jedoch rein um den Sport, da die 90 Minuten eine höhere Anstrengung für mich als jeglicher anderer Sport bedeutet und ich 15kg abgenommen habe. Jeder soll für sich entscheiden, was er sucht/braucht, nur das mich am meisten stört sind die präpontenten militanen Regeln und Züchtigungen wenn man mal nicht so gut mitmachen (kann). Als Beispiel habe ich mich mal mit dem Ellbogen abgestützt, da ich keine Kraft mehr hatte und wurde äusserst schroff vor der Klasse getadelt.

Dirty Sanchez
 
10
1.12.2010, 11:06
Ich habe

niemals so viel und so nachhaltig abgenommen wie beim Barras, und dort wurde ich oft "schroff getadelt". Vielleicht hat dieses "schroffe Tadeln" ja doch einen Sinn? Irgendwas mit "innerem Schweinehund", "über die Grenzen hinausgehen" und so Zeux vielleicht?
;-)

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