Tron: Die Rückkehr in den Cyberspace steht bevor

29. November 2010, 18:00
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Wired gibt Einblick in die bewegte Geschichte des Achtziger-Jahre-Originals und seines Nachfolgers - Unter dem Einfluss von Xerox

Die Rahmenbedingungen für die Veröffentlichung von Tron und seinem Nachfolger Tron:Legacy könnten kaum unterschiedlicher sein: In den 28 Jahren zwischen den beiden Teilen hat sich die Welt nachhaltig verändert, vieles was 1982 noch etwas wunderlich anmutete, ist heute längst in den popkulturellen Kanon eingegangen. In einem aktuellen Artikel erinnert das Magazin Wired dabei daran, wie "Cutting Edge" Tron für die damalige Zeit wirklich war, wie sehr die Metapher eines "Cyberspace" der damaligen Zeit voraus war.

Vorneweg

Zwar gab es schon ab Mitte der Siebziger Jahre einige einflussreiche Romane, die sich mit der Thematik auseinandersetzen, wirklich breiter bekannt wurden virtuelle Welten aber erst durch William Gibsons "Neuromancer". Das wohl bestimmende Werk zu dieser Thematik erschien aber erst zwei Jahre nach Tron, also 1984. Da erscheint es schon etwas verblüffend das ausgerechnet ein nicht unbedingt für seine Risikofreudigkeit bekanntes Filmstudio wie Disney Tron produzieren ließ. Ein Umstand, der sich wohl nur mithilfe der spezifischen Zusammensetzung der handelnden AkteurInnen erklären lässt.

Zusammentreffen

Seine Wurzeln hat Tron in einem Werbespot der Siebziger-Jahre, in dem sich eine kleine animierte Figur in einem virtuellen Universum bewegte. Dessen Regisseur, Steven Lisberger, hatte von Anfang an wesentlich größere Ambitionen, war er doch davon überzeugt, dass diese Figur die zentrale Rolle in einem vollständig Computer-generierten Film übernehmen könnte. Was zunächst nur eine recht vage Idee war, bekam seine greifbare Form erst, als der Regisseur auf Bonnie MacBird traf, die wie geschaffen für Tron schien: Mit Programmieren war sie bereits in den Sechziger Jahren in Berührung gekommen, eine Zuneigung zu Technologie hatte sie sich so früh erworben, in ihrem damaligen Job bei Universal hatte sie etwa - ohne Erfolg - versucht das Studio zu einer Umstellung der eigenen Datensammlungen auf eine Computer-Datenbank zu bewegen.

Palo Alto

MacBird war es, die schließlich mit Alan Kay einen waschechten Computerpionier von dem Projekt überzeugen könnte: Alan Kay war damals am legendären Xerox Palo Alto Research Center tätig, dessen Entwicklungen unter anderem die "Inspiration" für die frühen Desktops von Mac und Windows darstellen sollten. Doch nicht nur das: Kay war auch bereits 1968 bei einem der bestimmenden Events der Computergeschichte beteiligt: Doug Engelbarts erster Präsentation eines mausgesteuerten Systems mit einem grafischen Fensterkonzept.

Kay wurde als Berater engagiert und sollte mit seinen Ideen eines intelligenten "Agenten", der von den NutzerInnen lernt, so etwa wie den Source Code für Tron beitragen. Der Computerexperte brachte sein Wissen aber nicht nur zum Inhalt des Skripts bei sondern auch für dessen Entstehung: Tron war wohl der erste Film dessen Skript an einem Computer erstellt wurde, MacBird sandte bereits im Jahr 1979 aktuelle Entwürfe regelmäßig per Akkustikkoppler an Kay, der dann entsprechenden Änderungen und Korrekturen vornahm.

Mini-Flop

Der Traum von Lisberger, einen vollständig im Computer erstellten Film zu erstellen, sollte mit Tron übrigens trotzdem nicht wahr werden, dafür war die damalige Technik einfach noch nicht weit genug. Das Gros der Effekte wurde auf recht herkömmlichem Weg erzeugt, etwa mit den mittlerweile legendären weißen Anzügen, die mit Lichteffekten optisch aufgebessert wurden. Die großen Erwartungen des Studios in den Film wurden ebenfalls nicht erfüllt, die Einnahmen blieben deutlich unter den Erwartungen. In der Retrospektive verwundert dies allerdings etwas weniger, wenn man betrachtet gegen wen Tron im Kinosommer 1982 aller antreten musste: E.T, Blade Runner und Star Trek 2 gaben alle damals ihr Debüt auf der großen Leinwand.

Auswirkungen

Dass es jetzt zu einem Nachfolger kommt, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass jene Kids, die damals die Filmwelt von Tron begeistert aufgenommen haben, mittlerweile längst selbst zu TrägerInnen der Popkultur geworden sind. Tron ist in den letzten Jahren zu einem beliebten Zitat in diversen TV-Serien und Filmen geworden, nicht zuletzt dadurch hat sich der Kult-Status des Films verfestigt.

Trickreich

An den Nachfolger gibt es entsprechend hohe Erwartungen, zumindest bei Wired zeigt man sich davon überzeugt, dass der Film die Erwartungen in jeder Hinsicht erfüllen wird. Immerhin hat man mit Jeff Bridges den Hauptdarsteller des ersten Details wiedergewinnen können - dies übrigens noch bevor der Film überhaupt das "grüne Licht" des Studios bekommen hat. Erst nach einem umjubelten Trailer auf der Comic-Con 2008 gab Disney den wirklichen Startschuss für das Projekt.

Umsetzung

Seitdem setzt man alles daran, den Film zu einem Erfolg werden zu lassen - und so nicht zuletzt die ursprüngliche Vision von Lisberger in die Tat umzusetzen. Für den Soundtrack sorgt das Electro-Duo Daft Punk, die optische Umsetzung soll nicht zuletzt aufgrund einer virtuellen Kopie des Jeff Bridges der Achtziger Jahre für neue Maßstäbe sorgen. Mehr als zwei Jahre hat jenes Visual-Effects-Team, dass auch an "Benjamin Button" gearbeitet hat, an der Perfektion dieser Szenen gearbeitet.

Tron:Legacy

In den letzten Monaten hat man den Appetit der Fans dann mit einer Füller kleiner Vorabhäppchen angeregt, von Trailern über Hintergrundmaterial bis zu ganzen Szenen gab es selten soviel Material eines Films bereits vorab. Ob der mit 170 Millionen US-Dollar recht kostspielig produzierte Streifen ein Erfolg wird, soll sich ab dem 17. Dezember zeigen, da läuft Tron:Legacy in den USA an. Heimische KinogängerInnen müssen sich hingegen noch ein bisschen länger gedulden, der 27. Jänner 2011 ist hier das aktuell anvisiert Startdatum. (red, derStandard.at, 29.11.10)

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  • Eine Szene aus Tron:Legacy.
    grafik: disney enterprises, inc.

    Eine Szene aus Tron:Legacy.

  • Und ein Bild aus dem Original.
    foto: disney

    Und ein Bild aus dem Original.

  • Tron:Legacy
    foto: disney

    Tron:Legacy

  • Tron:Legacy
    foto: disney

    Tron:Legacy

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