Regierung bessert bei Fonds-Besteuerung nach

28. November 2010, 18:40
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Die Wertpapier-Kapitalertragsteuer gilt erst ab Oktober 2011. Der Ausgleich von Verlusten und Gewinnen wird erleichtert

Wien - Die von der Regierung vereinbarten Abänderungen beim Sparpaket betreffen auch die Wertpapier-Kapitalertragsteuer (KESt). Große Erleichterungen ergeben sich für die Anleger nicht, aber auch hier wurden einige substanzielle Anpassungen vorgenommen. Daran, dass ab 1.1. 2011 angeschaffte Wertpapiere mit 25 Prozent versteuert werden müssen, ändert sich nichts. Allerdings setzte die Besteuerung erst ab Oktober des kommenden Jahres und nicht zur Jahresmitte ein.

Damit will man der Finanzindustrie ausreichend Zeit für die technische Umsetzung geben. Die hat freilich eine Verschiebung auf 2013 gefordert, weil die Abwicklung kompliziert und teuer ist. Besonders laut ist der Aufschrei der Fondsanbieter, bei denen die KESt auf zwei Ebenen anfällt: zuerst auf die Transaktionsgewinne innerhalb der Kapitalanlagegesellschaft; in einem zweiten Schritt, wenn der Privatanleger seine Anteile verkauft und ein weiterer Gewinn angefallen ist. Davon ist die Regierung trotz der Proteste - sogar vom Tod der Fondsindustrie war die Rede - nicht abgerückt. Allerdings werden die Anbieter nicht alle Gewinne intern versteuern müssen. Vielmehr sollen "nur" - ansteigend bis 2014 - 60 Prozent des Profits der KESt unterliegen. Die restlichen 40 Prozent fallen an, wenn der Anleger seine Anteile verkauft, erfuhr der Standard aus Regierungskreisen. Damit fließen Budgeteinnahmen erst später - eine Art Stundung.

KAGs kämpfen weiter

Die KAGs kämpfen dennoch weiter für den Wegfall des internen Steuerabzugs und verweisen auf das deutsche Modell, bei dem die Belastung nur beim Verkauf der Anteile erfolgt. Neben den Abwicklungskosten fürchten sie das schlechtere Abschneiden bei Rendite-Vergleichen mit internationalen Konkurrenten. Zu hören ist zudem, dass die Fondsproduktion wegen des großen Aufwands in osteuropäischen Tochtergesellschaften verlagert werden könnte.

Eine zweite Abänderung der Wertpapiersteuer trifft den Ausgleich von Gewinnen mit Verlusten. Im Gesetzesentwurf war vorgesehen, dass das Plus und Minus nur innerhalb von Anleihen oder Aktien erfolgen darf. Diese zwei sogenannten Boxen werden nun doch zusammengelegt, die Ausgleichsmöglichkeiten also erleichtert. Lediglich Zinsen (z. B. auf Sparbücher) bleiben ein separater Topf. Nicht nachgekommen ist die Regierung dem Wunsch nach einem Verlustvortrag, der die Gegenverrechnung mit Gewinnen in mehreren Perioden ermöglichen würde. Das findet der Steuerexperte Thomas Strobach bedenklich, zumal der Verfassungsgerichtshof den Vortrag gerade in einem Fall zur Verpachtung verlangt hat.

Strobach hofft, dass die Erbschaftsregelung adaptiert wird. Nach dem Begutachtungstext drohe der Anschaffungswert zur Grundlage der KESt zu werden. Wenn eine Aktie in den 50er-Jahren um fünf Euro gekauft wurde und ab 2011 vererbt wird, dann aber 50 Euro Wert ist, müsste die Differenz versteuert werden. Das wäre eine Wiedereinführung der Erbschaftsteuer durch die Hintertür. (Andreas Schnauder, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 29.11.2010)

 

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