STANDARD-Umfrage

Strache bei Kanzlerfrage erstmals auf erstem Platz

28. November 2010, 17:32

Schwache Umfragewerte für Josef Pröll und seine ÖVP bescheren den Freiheitlichen einen Höhenflug: Sie sind in der Sonntagsfrage nur knapp hinter der Volkspartei

Linz - "Wenn Sie den Bundeskanzler direkt wählen könnten, für wen würden Sie sich entscheiden?" Diese Frage stellt das Linzer Market-Institut regelmäßig einer repräsentativ ausgewählten Gruppe österreichischer Wahlberechtigter. Aber noch nie gab es solche Ausschläge wie in diesem Jahr - und noch nie war der Chef der FPÖ auf dem ersten Platz.

Die Zahlen aus der Vorwoche zeigen aber genau das: Heinz-Christian Strache kommt auf 21 Prozent in der Kanzlerfrage, Amtsinhaber Werner Faymann nur auf 20. Und Josef Pröll, der im Lauf des Jahres zeitweise deutlich vor Faymann war, ist auf einen Tiefstwert von zehn Prozent abgestürzt.

Erklärbar wird das, wenn man sich die Gefolgschaften der einzelnen Parteien genauer ansieht. Hier zeigt sich eine große Geschlossenheit bei deklarierten Freiheitlichen und Sozialdemokraten: Von denen sagen jeweils mehr als sieben von zehn, dass sie "ihren" Parteichef als Kanzler sehen wollen. Dazu kommt, dass Faymann auch stark bei Grün-Wählern (die dem Kanzler eher als der eigenen Frontfrau Eva Glawischnig die Stimme geben würden) auf Sympathie zählen kann. Strache kann auch bei BZÖ-Wählern und Unentschlossenen punkten.

ÖVP-Chef und Finanzminister Josef Pröll dagegen hat einen Tiefpunkt erreicht: Nicht einmal jeder Zweite erklärte Anhänger der ÖVP zeigt in dieser Market-Umfrage für den Standard die Absicht, Pröll zum Kanzler zu machen. Etwa vier von zehn ÖVP-Wählern sagen, dass sie derzeit keinen der Parteichefs für geeignet halten, die Bundesregierung zu führen.

Bei der Kanzlerfrage weit abgeschlagen sind auch Josef Bucher vom BZÖ und Eva Glawischnig. Anders als ihr Vorgänger Alexander Van der Bellen wird Glawischnig von den Wahlberechtigten nicht als potenzielle Regierungschefin ernst genommen.

SPÖ punktet bei Familien

Dabei liefert die - hochgerechnete - Sonntagsfrage für die beiden kleinen Parlamentsparteien relativ stabile Ergebnisse: Das BZÖ schrammt zwar an der Fünf-Prozent-Hürde, hat sie aber in mehr als einem halben Jahr nie unterschritten. Die Grünen liegen mit zwölf Prozent über dem Niveau der Wahl 2008.

Die SPÖ würde nach den Market-Berechnungen 29 Prozent erreichen, das entspricht ihrem Ergebnis vor zwei Jahren. Auffallend in den Rohdaten: Die SPÖ kann inzwischen wieder in der Gruppe der jüngeren Wähler und bei Familien mit Kindern Fuß fassen.

Die ÖVP würde mit 25 Prozent ebenfalls ihren Anteil halten - die Umfragen in der ersten Jahreshälfte haben sie aber ziemlich konstant bei über 30 Prozent gesehen. Ihre relativ treueste Wählerschicht sind die Personen mit höherer Bildung und die Landbevölkerung. Die FPÖ wäre bei vorgezogenen Wahlen derzeit mit 24 Prozent der große Gewinner. Dabei ist der Zugewinn von rund sieben Prozentpunkten für die Freiheitlichen möglicherweise nicht das Ende der Fahnenstange. Dass die FPÖ die ÖVP einholt, ist derzeit ein realistisches Szenario.

(Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 29.11.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1523
3rd_Battalion - 1st_Marines
 
00
24.1.2011, 21:13
JAWOHL!

Sehr gut, nun heißt es den Vorsprung auszubauen !!!

guzo
11
2.12.2010, 21:32
Das wäre bezeichnend

für den momentanen intellektuellen Zustand Österreichs, wenn nach einem Studium-Abbrecher ein Handelsschul-Abbrecher Kanzler spielen dürfte.

Passt wunderbar in den momentanen kompletten Vertrottelungsprozess dieses Landes.

K R
00
7.12.2010, 15:58

vertrottelung ist es, einem volk einzureden, so ein titel würde irgendetwas über die fähigkeiten eines menschen aussagen.

ich kenne diplomanden, die haben weniger im hirn als peter pacult.

ordy
21
3.12.2010, 07:58

Na klar.
Wer, wie Strache, sein Studium abbricht um sich selbstständig zu machen, der zahlt dann Steuern, statt sich von Staat und Eltern erhalten zu lassen.
So ein unkluges Verhalten zeigt von großer Unschläue und disqualifiziert für den Job als Kanzler, wo man ja ein gerissener Hund sein sollte.

guzo
00
3.12.2010, 15:32
Wer, wie Strache die Handelsschule

abbricht, weil er zu dumm dafür ist, .......... (hier können Sie Ihren Text fortsetzen)

ordy
00
6.12.2010, 09:58

Oder wir bleiben "Studium abbrach", da dies in der Zeitachse näher liegt als sein Wechsel von der Handelschule zur Zahntechniker-Ausbildung.

ordy
32
2.12.2010, 07:33

Ich bin ja immer gerne bereit dazu zu lernen und als vernünftiger Mensch gehe ich immer davon aus, vielleicht im Irrtum zu sein.
Aber statt Argumenten höre ich immer nur political correctness - Sprech.
Führen wir doch eine ernsthafte Diskussion.
Erste Aufgabe:
Nenne 3 Beispiele, in denen sich Einwanderung positiv auf die Ursprungsbevölkerung ausgewirkt hat.

guzo
01
3.12.2010, 15:37
1. New York,

wo viele Juden und Jüdinnen zu Beginn bis Mitte des 20. Jahrhunders eingewandert sind. (Kulturszene!!!)

2. Wien um 1900, als es Kultur- und wahrscheinlich auch Wissenschaftshauptstadt der Welt war - mit vielen, vielen ImmigrantInnen als ProtagonistInnen

3. Frankreich mit einer beinahe "reinen" Immigranten-Fußball-Nationalmannschaft, der um 1998 kein Gegner gewachsen war.

4. Österreich Ende 20./Anfang 21., seit das Sozial- und Gesundheitssystem nur noch mit ImmigrantInnen funktioniert.

Noch Fragen?

ordy
00
10.1.2011, 12:50

Leider ist der Witz mit Österreich nicht besonders lustig.

K R
00
11.1.2011, 14:18

welcher witz?

mistvieh666
 
00
2.12.2010, 20:56

ihre frage ist zu unspezifisch.
es geht um die realitaet, um jetzt, nicht um vor 100 jahren und nicht um irgendwelche theoretischen konstrukte.
es geht um die katastrophale schulsituation in wien.
es geht um auslaenderkriminalitaet und darum, dass die zahlen darueber aus politischen gruenden zurueckgehalten werden (und das werden sie!).
es geht darum, dass man ueber all das nur dann reden darf, wenn man sich selbst als ueberzeugten faschisten und rassisten deklariert.
es geht um luege, es geht um macht und es geht darum, dass es die meinung gibt, dass die politisch korrekten unsere welt zerstoeren.

Einzelstimme
00
2.12.2010, 17:24

Kurz: Expansionen in benachbarte Gebiete brachten Änderungen mit unterschiedl. Begleiterscheinungen. Landnahmen führten zu Umbrüchen, zu Synthesen oder zu Assimilation. Einwanderung war für Amerika, Australien + zT für Gebiete in Afrika Tatsache. Organisierte Wanderung (Ansiedlung) war Thema in Preußen, Polen, Böhmen, Siebenbürgen, Banat ... sowie manchmal in Russland. Wanderungen, zB von Juden, gab es auch unter Pogrom-Druck. Einige europ. Länder hatten vor Jahrzehnten Zuwanderung aus ehemal. Kolonien. In der Monarchie gab es Wanderung in die deutschsprachigen Kronländer. Zuwanderung/Einwanderung hatten höchst unterschiedl. Größenordnungen. Als pos. ist wohl akzeptierte Einwanderung mit zivilisator. Aufschwung. zB Siebenbürgen/Banat 18.Jh.

Einzelstimme
00
2.12.2010, 17:34

Berlin/Preußen akzeptierte/n Tausende Hugenotten, die aus F flüchteten.

Wirtschaftlich stärkere Gebiete oder landschaftlich schöne Gegenden ziehen unterschiedl. Zuwanderer an. Schöne Gegenden profitieren oft vom Geld der Zugereisten (Inseln, Küsten- und Seengebiete, alpine Räume).

Wirtschaft + Industrie und der allgem Wohlstand entwickeln sich mit unternehmerischen u. privaten Investitionen. Eine "Ursprungsbevölkerung" lukriert Vorteile, wenn nicht nur größere Städte Infrastruktur bekommen sondern auch der ländl. Raum. Breitenwohlstand stellt sich ein, wenn viele am Arbeitsprozess teilnehmen + mehr bekommen (als Einkommen erwirtschaften) als sie zum Überleben brauchen. Wenn - anders als vor Jahrzehnten - die Nachfrage nach ...

Einzelstimme
00
2.12.2010, 17:44

Wenn - anders als vor Jahrzehnten - die Nachfrage nach Arbeitskräften größer ist als das Angebot in der "Ursprungsbevölkerung", erwirtschaften auch Zuwanderer einen Teil der Wertschöpfung. Das fließt über den Kreislauf zw. Wirtschaft + Investitionen + Konsum + Steueraufkommen in private u. öffentliche Töpfe ... und wird wieder ausgegeben. Da nicht alles planwirtschaftlich organisierbar ist, gibt es Regionen oder sogar Stadtteile, die je nach der Höhe des Kapitaleinsatzes und auch je nach der Art des Kapitaleinsatzes sehr unterschiedl. Entwicklungen mitmachen. Eine Fabrik oder ein Flughafen kann Wertschöpfung bringen oder eine Wohngegend entwerten. Die Schließung von Anlagen kostet Wertschöpfung und Arbeitsplätze, Strukturänderungen offen.

Bagel
10
3.12.2010, 08:08

[...]Wenn - anders als vor Jahrzehnten - die Nachfrage nach Arbeitskräften größer ist als das [...]
Ha Ha. Ha Ha. Ha Ha.
Du bist ja so witzig.
Glacht hama.

Einzelstimme
00
2.12.2010, 17:52

Ganz allgemein lässt sich nicht einmal für die Zuwanderung von einfachen Arbeitskräften sagen, dass sie eine Bewertung von pos. od. neg. für die "Ursprungsbevölkerung" vornehmen lässt. Wirtschaftstreibende wohnen oft nicht dort, wo einfache Arbeitskräfte leben. Wohngebiete sind untertags nicht von vornherein eine Reibefläche, wenn erwachsene Zuwanderer beim Arbeiten sind. Reibungsflächen durch unterschiedl. Kulturen entstehen bei "Gleichzeitigkeit am selben Ort" (inkl. Kinder, Hausfrauen, unterschiedl. Arbeitszeiten, Arbeitslosigkeit). Rein wirtschaftlich ist Zuwanderung positiv, wenn fehlende Arbeitskräfte ersetzt werden oder wenn eine höhere Wertschöpfung erwirtschaftet wird. Im allgem + konkret: für jene Betriebe, die Zuwanderer brauchen

random25
10
2.12.2010, 00:54

vollkommen zurecht

behan
00
1.12.2010, 21:53

viel positives hat der mann in blau ja bis jetzt nicht für österreich getan, aber eines kann man ihm lassen, er hat es geschafft, daß es in wien jetzt eine rot/ grüne stadtregierung gibt. das hätte weder ein grünpolitiker, geschweige denn ein schwarzpolitiker taktisch so ausgeklügelt gut hinbekommen.
vermutlich wurde er dafür in den eigenen reihen reichlich gescholten. doch nein, dazu ist der rechte sumpf zu dumpfbacken

dave66
00
1.12.2010, 17:07
Derartige Meinungsumfragen

sollte man nicht zu ernst nehmen. Sie werden nicht selten so "herausgeputzt", dass die Medien nen Aufhänger haben.

Interessant, und aus meiner Sicht sehr positiv, ist, dass die Menschen nicht mehr an die Allmacht der beiden Systemparteien glauben, mit der wir die "3.Raiffeisenrepublik" bekommen haben. Wenn man die Zahlen richtig liest, ist es kein Zuspruch für HC sondern ne Abfuhr für die Machthaber. Und das zurecht! Welche Legitimation haben sie, wenn nicht mal ne Verfassungsreform auf den Weg gebracht wurde. Pröll irrt, wenn er sagt, die Verfassugnsreform wird täglich gelebt. Wenn etwas von den beiden täglich gelebt wird, dann der Verfassungsbruch.

aunty
00
2.12.2010, 16:47

könnten sie bitte EINEN und EINE schreiben - danke

bei ´nen und ´ne kriegt man ja ein optikkarzinom.

derderswissenmuss
15
1.12.2010, 16:28
congrats österreich!

jeder der ernsthaft einen freiheitlichen bundeskanzler wünscht und nicht nur den protest zum ausdruck bringen will kann man wirklich nicht mehr helfen. selbst die FPÖler selbst wissen, dass sie nur eines können: hetzen und schimpfen, ohne die geringsten lösungen zu präsentieren. was passiert wenn einer dieser grauslichen personen an die macht kommt: siehe kärnten. oder 6 jahre schwarz-blau. diese partie ist eine konjunkturblase des trotzes. kommt sie an die macht, zerplatzt sie sofort. aber dafür ist mir dieses land zu schade. mehr braucht man nicht hinzuzufügen.

Johann Neumann1
00
2.12.2010, 08:42
Wahlergebnisse sind zu respektieren,

auch wenn Sie uns nicht passen.

Bei Nationalratswahlen wählt man ein Partei und hat keine Einfluss darauf, welche Koalition diese Partei nach der Wahl gegebenenfalls eingeht.

Wenn man die FPÖ nicht in der Regierung will, also besser nicht schwarz wählen.

Mit rot oder grün hat man aber dann eher die gewählt, die von Wirtschaft keine Ahnung haben und das Geld noch schneller ausgeben, als Schwarz/Blau.

Man muss halt abwägen.

bazzinga
00
2.12.2010, 11:19

schön, das bei ihnen die standard floskeln zu wirtschaftlicher kompetenz auf fruchtbaren boden gefallen sind....

Ich bin der Meinung...
14
1.12.2010, 17:24
Sie haben völlig recht

allerdings ist meine Vorstellung von Demokratie auch nicht jene, dass SPÖ + ÖVP pragmatisiert regieren und zwar unabhängig davon wie das Wahlergebnis aussieht.

Seit ca. 20 Jahren hätten beiden Parteien genug Zeit gehabt, die Ursachen für den Vertrauensverlust zu ergründen. Er war ihnen wurscht. Und er scheint ihnen noch immer egal zu sein. Anders ist die aktuelle Politik nicht mehr erklärbar.

Jedenfalls ist der Wechsel in einer Demokratie Grund genung auch mal andere politische Parteien zu wählen.

Und: Auch wenn ich nicht die FPÖ wähle: Strache kann und wird das Land auch nicht mehr zu Grunde richten wie Paymann und Pröll. Keine Sorge.

Lord Lurch
11
1.12.2010, 17:48
"Strache kann und wird das Land auch nicht mehr zu Grunde richten wie Paymann und Pröll."

Soll das ein Scherz sein? Können Sie sich wirklich nicht vorstellen, welche Auswirkungen eine FP an der Macht auf Export und Tourismus haben wird? Auf die Bildung? Auf die Menschenrechte? Auf die Methoden der Exekutive? Auf den politischen und sozialen Frieden?

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