"Scheiß Internet"-Preis für Futurezone-Aus und Festplattenabgabe

27. November 2010, 15:27
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Jury zeichnete Staatssekretär Josef Ostermayer aus, Publikum wählte Austro Mechana

Zum dritten Mal wurde vergangenen Freitag der "Wolfgang Lorenz Gedenkpreises für internetfreie Minuten" vergeben, der auf eine vor gut einem Jahr getätigte Aussage des gleichnamigen ORF-Programmdirektors Wolfgang Lorenz zurückgeht. Damals meinte Lorenz, das "Scheiß-Internet" sei lediglich ein Ort, in dem sich "die Jungen verkrümeln" und das Fernsehen sei nach wie vor das Leitmedium.

Kniefall vor dem VÖZ

Die Jury zeichnete Medienstaatssekretär Josef Ostermayer (stellvertretend für die österreichische Bundesregierung) für das neue ORF-Gesetz aus, das nicht nur "eine Beleidigung für alle GebührenzahlerInnen", "sondern auch ein Kniefall vor dem Verband der Österreichischen Zeitungen" sei. Unter anderem hatte das neue Gesetz zufolge, dass der ORF online Special-Interest-Ressorts wie die "Futurezone" einstellen musste, um privaten Medien einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen. Die Jury würdigte die Futurezone "posthum" als "wesentliches Online-Angebot des ORF, das den öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllte und abseits von jeder Anbiederung an Moden, Trends oder politische Interessen eine neutrale, eloquente und genau recherchierte Berichterstattung in Sachen Netzpolitik und Technologie" bot.

Festplattenabgabe 

Das Publikum einigte sich hingegen auf die Vergabe der Negativauszeichnung für die Verwertungsgesellschaft Austro Mechana, die seit Oktober 2010 eine verpflichtende Abgabe auf Festplatten von bis zu 43,74 Euro eintreibt. Mit der umstrittenen neuen Regelung wurde die aus den 1980er Jahren stammende "Leerkassetten-Vergütung", mit der auf Leermedien eine Urheberrechtsabgabe eingehoben wird, auf Festplatten ausgeweitet. Damit sollen Urheberrechte abgegolten werden, die durch private Kopien geschützter Inhalte entstünden.

Konsumenten stehen mit dem Unmut über die Festplattenabgabe allerdings nicht alleine da. So reichte der Computerhersteller Hewlett-Packard bereits eine Klage gegen die Verwertungsgesellschaft ein.

Rückblick

Im Vorjahr ging der "Scheiß Internet"-Preis an die Wiener Grünen für den Vorschlag einer Kultur-Flatrate für Internetnutzer. Dieses Jahr standen etwa auch der Textilhändler Kleiderbauer und Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler zur Diskussion, der eine Abschalten der Handynetze zu Mittag gefordert hatte, "damit die Leute in Ruhe essen können." (zw)

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  • Der "Wolfgang Lorenz Gedenkpreises für internetfreie Minuten"
    foto: monochrom

    Der "Wolfgang Lorenz Gedenkpreises für internetfreie Minuten"

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