Warum die Konferenz in Cancún ein Erfolg werden muss und wie sein Land mit dem Druck umgeht, erklärt der mexikanische Umweltminister Juan Elvira Quesada im E-Mail-Interview - Die Fragen stellte Günther Strobl
Standard: Mexiko steht als Gastgeber der UN-Klimakonferenz in Cancún unter strenger Beobachtung. Wie geht das Land damit um?
Quesada: Wir begrüßen das. Mexiko hat keine Mühen gescheut, das Vertrauen und die Zuversicht, die bei der letztjährigen Konferenz in Kopenhagen erschüttert wurden, wieder herzustellen.
Standard: Die Erwartungen sind viel tiefer angesetzt, als sie es vor Kopenhagen waren. Ein Vorteil?
Quesada: Die Erwartungen vor Kopenhagen waren in der Tat sehr hoch, aber unrealistisch. Wir hoffen, in Cancún ein ambitiöses, aber realistisches Paket von Entschlüssen auf den Weg zu bringen. Spielt man die Erwartungen herunter, ist die Gefahr groß, dass die Ergebnisse in einer Art selbsterfüllender Prophezeiung tatsächlich mickrig ausfallen
Standard: Nicht nur Klima-Skeptiker argumentieren, eine CO2-arme Wirtschaft sei schädlich für das Geschäft. Was antworten Sie darauf?
Quesada: Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Grünes Wachstum und kohlenstoffarmes Wirtschaften werden sich als der einzig nachhaltige Weg raus aus der Krise erweisen. Das schafft mehr Jobs, verringert die negativen Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt und erhöht durch einen effizienteren Umgang mit Ressourcen auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.
Standard: Welchen Einfluss hat die Wirtschaftskrise auf die Klimadiskussion?
Quesada: Zum einen wurden Erwartungen gedämpft, dass viel öffentliches Geld zur Bekämpfung des Klimawandels mobilisiert werden kann. Andererseits hat gerade der Umfang der geschnürten Konjunkturpakete gezeigt, was möglich ist, wenn man nur will, und dass der derzeitige Zustand eigentlich untragbar ist.
Standard: Was sollte in Cancún mindestens erreicht werden?
Quesada: Ein faires, ausgeglichenes und verständliches Paket an Entscheidungen.
Standard: Wenn das misslingt, gibt es dann einen Plan B?
Quesada: Es gibt keinen Plan B. Cancún muss ein Erfolg werden.
Standard: Die Konferenz in Cancún trägt selbst zur Umweltverschmutzung bei. Was ist damit?
Quesada: In Zusammenarbeit mit unabhängigen NGOs hat sich Mexiko verpflichtet, durch Zahlung einer CO2-Abgabe für eine klimaneutrale Austragung der Konferenz zu sorgen. (Günther Strobl, STANDARD-Printausgabe, 27./28.11.2010)
JUAN ELVIRA QUESADA (54) ist Minister
für Umwelt und Rohstoffe im
Kabinett des mexikanischen Staatschefs Felipe Calderón. Er hat
Agrartechnik in Mexiko-Stadt und an der Universität Cranfield in
Bedforshire, Großbritannien, studiert. Quesada
gehört der konservativen
Nationalen Aktions Partei an.