UN-Klimagipfel in Cancún

Der Gipfel der gedämpften Erwartungen

Julia Raabe, 26. November 2010, 18:56
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    foto: reuters/gerardo garcia

    Im mexikanischen Cancún wird über den Klimawandel diskutiert

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    foto: epa/pometeo lucero

    Aktivisten von Greenpeace kletterten auf die Ölbohrinsel Centenario und enthüllten Transparente, um gegen Tiefsee-Bohrungen zu protestieren

Nach dem großen Scheitern in Kopenhagen setzen die Staaten beim Klimagipfel in Cancún auf Pragmatismus - Kein allumfassendes Abkommen, sondern Teilerfolge will man dort erreichen - Die Kernfragen sind weiter offen

Die spektakulären Aktionen sind diesmal ausgeblieben: Keine Kabinettssitzungen unter Wasser im Indischen Ozean, keine auf über 5000 Meter im Himalaya-Gebirge. Einmal, im Oktober, ist der Präsident der Malediven auf das Dach seiner Residenz gestiegen und hat dort Solarzellen installiert. Sein Land droht im Meer zu versinken, wenn der Klimawandel so weitergeht. Doch wenn die Staatengemeinschaft ab Montag in Cancún, Mexiko, einen neuen Versuch unternimmt, sich auf ein Klimaabkommen zu einigen, dann tut sie das in einer nüchterneren Atmosphäre.

Die Staaten haben aus dem vergangenen Jahr ihre Lehren gezogen. Nicht noch einmal möchte man einen Gipfel der großen Hoffnungen, ein Kopenhagen, das zu Hopenhagen wird - nur um die Hoffnungen nach dramatischen Verhandlungen zerschellen zu sehen. "Kopenhagen hat gezeigt, dass es unrealistisch ist, in einem Schritt zu einem umfassenden Klimaschutzabkommen zu kommen" , sagt Christiana Figueres, Chefin des UN-Klimasekretariats.

Politik der kleinen Schritte

Also lautet die Devise: Teilerfolge anstreben, um dann vielleicht nächstes Jahr in Durban, Südafrika, oder in Rio 2012 ein Abkommen zu erreichen. Man habe sich entschieden, pragmatisch zu sein, sagte Connie Hedegaard, die in Kopenhagen noch als dänische Ministerin die Verhandlungen mitleitete und nun EU-Klimakommissarin ist, dem Standard.

Einige Fortschritte sind möglich, da sind sich Experten einig. Die Staaten könnten einen Mechanismus beschließen, der die tropischen Wälder vor der Abholzung schützen soll.Sie könnten grünes Licht dafür geben, einen Fonds für die Langzeit-Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen einzurichten - 100 Milliarden Dollar jährlich ab 2020 hatten die Industriestaaten in Kopenhagen versprochen. Sie könnten entscheiden, wie sie die Zusammenarbeit bei umweltfreundlichen Technologien gestalten wollen.

Doch in den Kernpunkten sind die Staaten kaum einen Schritt weitergekommen. "Wie ein Déjà-vu" , konstatiert Kathrin Hebel vom WWF mit Blick auf Cancún.

Um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, wie es die Kopenhagen-Vereinbarung vorsieht, müssen die Industriestaaten ihre Treibhausgasemissionen drastisch senken. Mit den bisherigen Zusagen ist dieses Ziel in weiter Ferne, konstatiert eine UN-Studie.

Viele Staaten sehen vor allem China und die USA in der Bringschuld, die größten Verschmutzer, die bisher keiner Beschränkung unterliegen.

China hat einen ehrgeizigen Fünf-Jahres-Plan erstellt, der den Unternehmen Energieeffizienz auferlegt - begrenzen will sich die aufstrebende Wirtschaftsmacht in ihrem Wachstum jedoch nicht, schon gar nicht durch internationale Verpflichtungen oder gar Überprüfungen.

Darauf zu beharren, fällt Peking umso leichter, solange sich Washington nicht bewegt. Offiziell halten die USA an ihrem Angebot fest: Minus 17 Prozent auf Basis der Werte von 2005. Viel zu wenig, sagen auch die Europäer. Doch weil das US-Klimagesetz im Senat gescheitert ist und Präsident Barack Obama bei den Midterm-Wahlen eine Schlappe erlitten hat, fürchten viele, dass internationaler Klimaschutz für die USA nun keine Rolle mehr spielt.

Angesichts dieser Pattsituation und Vorwürfen von Entwicklungsstaaten erwägt die EU eine zweite Verpflichtungsperiode unter dem Kioto-Protokoll; die erste Phase, die die Industriestaaten zu Emissionssenkungen verpflichtet, läuft 2012 aus. Doch vor allem Japan steigt bei dieser Idee auf die Bremse. Warum Kioto fortführen, wenn sich andere nicht begrenzen müssen? Und auch EU-Bedingung ist: ein Gesamtpaket, das die anderen Emittenten einschließt.

Ihr Angebot von minus 20 Prozent bis 2020 (Basis 1990) hat die EU bisher nicht auf 30 Prozent aufgebessert - obwohl sich die Emissionen wegen der Wirtschaftskrise reduziert haben. Die Europäische Umweltagentur schätzt jene der EU-27 für 2009 bereits 17,3 Prozent unter dem Wert von 1990. Minus 20 Prozent hieße damit, dass bis 2020 kaum mehr Anstrengungen notwendig wären. Bernhard Obermayr von Greenpeace Östereich: "Das ist nichts." (Julia Raabe, STANDARD-Printausgabe, 27./28.11.2010)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 58
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Student der Magie
31
27.11.2010, 15:58
mehr als 60% des menschlichen CO2`s wird in den Natokriegen verpulvert:

würde man die Natokriege beenden, gäbe es keine Diskussione über CO2. Aber Kriege beenden? Neeeee, dass geht natürlich nicht. Da ziehen wir lieber der eigenen Bevölkerung nach all den Bankenrettungen den letzten Cent aus der Tasche und reden ihnen bei jedem Atemzug ein schlechtes Gewissen ein.
Solange die Nato nicht auf ihre Sinnloskriege verzichtet, warum sollen sich die Bürger noch mehr knechten?
Und so lange Al Gores in Luxusvillen ohne Klimaschutzmaßnahmen wohnen, mit Privatluxusjets und in Luxuslimousinen als Obergurus zu ihren Vorträgen jetten, solange werden auch die Menschen nicht im Mittelalter leben wollen. Mit gutem Beispiel voraus, also all die Al Gores sollten schleunigst aufs Fahhrad und auf eine Holzhütte umsteigen.

greenling
21
27.11.2010, 16:44

verstehen sie nicht, dass die sache viel größer ist als al gore, irgendwelche kriege, bankenrettungen und steuern?
es geht nicht darum, dass einige wenige ihren reichtum immer mehr vergrößern wollen und alle anderen dafür blechen lassen (wir (du-ich) gehören übrigens zu den reichsten 5% aller lebenden menschen)...

die renommiertesten klimaforscher der welt sagen, dass der klimawandel anthropogen ist, sie sagen, dass wenn wir unser verhalten nicht ändern, sich der planet noch in diesem jahrhundert um bis zu 6°C erwärmen könnte.

und glauben sie, wenn es 6°C im globalen Mittel wärmer wird, dann werden irgendwelche bankenrettungen oder besteuerungen die geringsten unserer probleme sein! dann gibt es nämlich unser "tolles" system nicht mehr!

rechtsalternativ
21
28.11.2010, 09:08

das renommé dieser 'wissenschaftler' ist aber im moment ziemlich angekratzt ;)

greenling
00
30.11.2010, 00:23
ja stimmt,

die heute zeitung und diverse skeptikerblogs sind ja richtig schockiert von "climategate"...

rechtsalternativ
11
30.11.2010, 04:25
wie wärs mit:

http://thegwpf.org/opinion-p... ebate.html

na ? das wär doch toll. dann hätten die diskussionen um die glaubwürdigkeit von ein bisschen eingeschworen wirkenden forscherzirkeln endlich ein ende ;)

C18H27NO3
00
28.11.2010, 01:02

oh, das "system" wird es schon noch geben, es wird gerade angepasst: Die menschheit an sich wird das schon überleben. Fakt ist: Wir verbrennen fossile energieträger um den faktor 1.000.000 schneller als sich dieser neu bildet. Fossile Energieträger decken aber ca. 85% des Welt-Primärenergiebedarfs! (ca. 7% kommen aus kernenergie, 8% - vorwiegend wasser - stammen aus erneuerbaren energieträgern).
Jetzt die frage was passiert wenn fossile energieträger knapp werden? Naja, teilen sie die Menschheit in 1.000.000 teile und fragen sie sich ob sie zu den teilen gehören die sich erfolgreich an der versteigerung der fossilen reste beteiligen können...

C18H27NO3
00
28.11.2010, 01:05

...ich jedenfalls bevorzuge die variante von der versteigerung unabhängig zu sein und auf erneuerbare energieträger zu setzen (auch uran ist endlich)! Den klimaschutz gibts gratis dazu...

rechtsalternativ
00
28.11.2010, 09:10

dann tun sie es einfach. niemand wird sie daran hindern, pro kwh 2€ statt 20 centimes auszugeben ;)

C18H27NO3
00
28.11.2010, 14:32

sie halten es vermutlich für modern wenn man steinkohleabbau subventioniert, auf kosten des steuerzahlers gaskraftwerke baut und gazprom anteile schenkt um die gaslieferungen sicherzustellen, pipelines baut - ohne denen bei uns nach ein paar wochen das licht ausgeht- welche durch gegenden gehen die politisch so stabil sind wie der irak, der treibstoff aus einem land kommt in dem man frauen steinigt (saudi arabien - immerhin dürfen frauen dort jetzt schon den führerschein machen) oder man für die letzten ölreserven ein paar quellen "befreien" muss..

rechtsalternativ
00
28.11.2010, 18:28

ich halte es für modern die kernenergie auszubauen wie das staaten wie frankreich, finnland, schweden oder auch italien tun bzw. planen.

C18H27NO3
00
28.11.2010, 14:22

der billigste strom in österreich kommt aus wasserkraftwerken. Wasserkraftwerke gegen die 'experten' wie sie vor 100 jahren gewettert haben weil sie unwirtschaftlich sind und kohle viel billiger wäre...

Warum soll ich für die kWh 2eur zahlen? Weil das in den ewiggestrigen köpfen so einzementiert ist?

Michel de Nostredame
01
27.11.2010, 15:44
Einmal angenommen, rein hypothetisch...

... die Menschheit würde ihre Energieerzeugung zu 100% auf erneuerbare Energiequellen umstellen, und Erdöl würde nur noch zu industriellen Zwecken verwendet. Wer hätte in diesem Fall am meisten zu verlieren? Und wer hätte in diesem Fall am meisten zu gewinnen? Man muß ja bedenken, dass in der Energieerzeugung ein Zwischenschritt, nämlich der Ankauf der fossilen Energieträger, wegfallen würde. D.h. wären die Technologien zur alternativen Energiegewinnung bereits ausgereifter, wären sämtliche Produkte und Dienstleistungen billiger und der Wohlstand der Weltbevölkerung dadurch erhöht. Allerdings, diejenigen, die mit fossilen Energieträgern handeln hätten ein großes Problem.
Und daraus können wir schließen, wer der Urheber des Denialism ist.

greenling
52
27.11.2010, 11:03
Woher kommen all diese Skeptikertrolle?

aber am schlimmsten finde ich ja die, die behaupten:
"Ja, es gibt einen Klimawandel, aber wir können nichts dagegen tun und müssen versuchen uns anzupassen!"

Viel Spaß, wenn wir nichts tun, und es in diesem Jahrhundert um 5°C-6°C (im globalen Durchschnitt!!) wärmer werden wird, dann will ich mal sehen, wie diese Klugsch...., die meinen, man sollte nichts gegen die anthropogene (!) Erderwärmung unternehmen, sich anpassen wollen!

flotter denker
10
4.12.2010, 12:36
Ich bin so einer.

Und, warum sollten meine Enkel und Urenkel in Österreich nicht ganz gemütlich leben, wenn es um 5-6 Grad wärmer ist?
Vegetation gedeiht auch unter diesen Bedingungen und selbst wenn alles Eis auf diesem Planeten schmelzen sollte, steigt das Wasser nicht bis Österreich.
Also, wo ist das Problem?

rechtsalternativ
11
28.11.2010, 09:15

dann tu doch einfach was ! wieso brauchst du mich um 'was zu tun' ??

ich persönlich finde die demographische entwicklung in europa viel bedrohlicher als irgendwelche klimahysterien.

als lösung schlage ich vor, WIR tun was ihr wollt in der klimafrage und IHR tut was wir wollen in der demographiefrage. deal ?

Alex79
00
29.11.2010, 08:08

Welche Entwicklung? Die drohende Ueberalterung und der darufhin folgende Bevoelkerungsrueckgang?

rechtsalternativ
00
29.11.2010, 08:26

das und das hereindrängen von menschen die eine völlig andere kultur haben die aber in vielen fällen verhindert, dass sie zu produktiven teilen unserer gesellschaft werden.

wussten sie zB, dass die abtreibungsquote bei 40% aller schwangerschaften liegt und damit genau den anteil der fehlenden geburten ausmacht ?

und was soll das argument ? es st doch völlig hirnrissig zu glauben, dass mit leuten aus der dritten welt unsere pensionen gesichert werden können. im gegenteil: nicht nur werden wir in zukunft viel mehr pensionisten erhalten müssen, sondern gleichzeitig auch noch immer mehr kulturell bedingt bildungsresistente die für alles ausser die primitivsten arbeiten unqualifiziert sind.

stahlstadtkind
00
27.11.2010, 10:26
spannende Veranstaltung dazu am Dienstag

und zwar: "Land unter! Chancen und Grenzen internationaler Klimaverträge", eine Veranstaltung der jus.gras in Kooperation mit der Zeitschrift Juridikum.

Dazu diskutieren:
Niklas Schinerl, Greenpeace Österreich
Univ-Ass. Dr. Markus Wissen, Politikwissenschafter, Uni Wien

30. November 2010, 19:00, Sem 34, Juridicum Wien
http://jus.gras.at/?p=590

Topfenbaby
34
27.11.2010, 08:02
Indem polare Regionen von der Erwärmung

stärker betroffen sein sollen, wäre es naheliegend, die Klimakonferenz ebendort abzuhalten, um sich vor Ort von der Erwärmung überzeugen können.

Ich würde als Ort der Klimakonferenz das in Sibirien liegende Werchojansk vorschlagen mit einer durchschnittlichen Temperatur von minus 48 Grad im Januar.

rechtsalternativ
00
27.11.2010, 14:45

gegen kälte kann man sich schützen. gibts keine region mit plus 48° im januar ? oh ich würds den damen und herren umweltminister_innen von herzen gönnen :)

greenling
00
27.11.2010, 10:58
linker Schlechtmensch
23
27.11.2010, 08:01
Nur

weiter so, bin pro Klimaerwärmung.

yomellamo
20
27.11.2010, 12:10

ich hoffe sie sind auch pro migration von den überfluteten landstrichen zu uns...

rechtsalternativ
00
28.11.2010, 09:17

migration kann man aufhalten. wenn man nur will. und wir werden wollen, keine angst ;)

Alex79
00
29.11.2010, 08:10

Und was machen Sie mit den Fluechtlingen dann? Ins Meer werfen?

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