STANDARD-Interview

"Mir ist egal, was sich die zwei beim Wein ausmachen"

26. November 2010, 17:20
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    foto: apa/techt

    Spitzenpolitiker sollten endlich beweisen, dass sie Reformen anpacken und auch Lösungen zustande bringen können, sagt der steirische Landeshauptmann Franz Voves.

Der steirische Landeschef hält seinen Kollegen Pröll und Häupl eine Standpauke - Sie sollten weniger überheblich, dafür reformwilliger werden

Standard: Herr Landeshauptmann: Wer regiert eigentlich Österreich?

Voves: Ganz eindeutig: die Bundesregierung. In Österreich gibt es die klare politische Führungsspitze Kanzler und Vizekanzler.

Standard: Und das Schattenkabinett der Landeshauptleutekonferenz. Man hat bisweilen den Eindruck, die Landeshauptleute halten sich eine Bundesregierung, denken nur an ihren Machterhalt und blockieren deshalb notwendige Reformen.

Voves: Mir tut das Bild, das die Landeshauptleutekonferenz aktuell wirft, wirklich weh. Weil es nicht stimmt. 90 Prozent der Landeshauptleute sind absolut reformwillig. Alle Macht an die Länder: Das ist nicht mein Thema. Wir leben im 21. Jahrhundert, im vereinten Europa, und da braucht es moderne sinnvolle Reformen, auch in der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern. Wir Spitzenpolitiker Österreichs müssen endlich zeigen, dass wir fähig sind, Reformen umzusetzen. Deswegen sollen wir auch unbedingt eine Schulverwaltungsreform umsetzen.

Standard: Aber gerade hier, beim Thema Bildung, wird manifest, dass ohne die Länder nichts geht. Und dass die Länder anscheinend vordringlich an Machtfragen interessiert sind.

Voves: Ich fühle mich von dieser Kritik nicht betroffen. Ich will Reformen. Man kann nicht die Folgen der Wirtschaftskrise nur auf den Schultern der Bürger abladen. Die Bevölkerung wird dann ihren Beitrag besser verstehen, wenn sie sieht, dass auch hunderte Millionen Euro über Reformen im Bereich Schule, Spitäler und öffentliche Verwaltung von der Politik eingespart werden. Denn damit könnte man sich unter Umständen Kürzungen im Familienbereich im wahrsten Sinn des Wortes ersparen.

Standard: Aber gerade dieser von Ihnen beschworene Reformwillen ist bei den Landeshauptleuten nicht wirklich erkennbar. Woran liegt es wirklich, dass nichts passiert?

Voves: Vereinzelt mag es persönliche Sensibilitäten, beziehungsweise Machtdenken geben.

Standard: Sie meinen die beide mächtigen Landeshauptleute Erwin Pröll aus Niederösterreich und Michael Häupl aus Wien?

Voves: Ich glaube, dass jene, die ich meine, sich ohnedies angesprochen fühlen werden.

Standard: Na ja, Tatsache ist, dass beide die Zügel in der Hand haben. Das im Vorfeld von den Landeshauptleuten diskutierte Thema Lehrer wurde von Pröll erst gar nicht auf die Tagesordnung der Landeshauptleutekonferenz genommen?

Voves: Ich habe jedenfalls in unserer Fraktion einen Kompromissvorschlag für das Thema Schulverwaltung eingebracht und hoffe, dass die Diskussion darüber weitergeht. Die Landeshauptleute Pröll und Häupl meinen ja auch, dass die Diskussion weitergeführt werden soll.

Standard: Aber nicht über Ihren Kompromissvorschlag - zum Beispiel Abschaffung der Landesschulräte und Einrichtung von Bildungsdirektionen. Bürgermeister Michael Häupl, Ihr Parteifreund, hat sich über Sie und Ihren Beitrag nicht gerade freundlich geäußert.

Voves: Dem Kollegen Häupl möchte ich ausrichten: Wenn man als einziger SPÖ-Landeshauptmann zu einem Gespräch mit der Bundesministerin nicht erscheint, wo unter anderem dieser Vorschlag drei Stunden mit der SPÖ-Spitze besprochen wurde und er nur eine Vertretung hinschickt und dann von nichts weiß, dann muss es ein internes Kommunikationsproblem in Wien geben. Selbst Vorarlbergs VP-Landeshauptmann Sausgruber kennt meinen Vorschlag.

Was ich ganz generell in Richtung Wien sagen möchte: Es gibt durchaus Menschen in der sogenannten Provinz mit politischem Instinkt. Vielleicht wäre es manchmal ganz gut, wenn man nicht immer überheblich in die Länder schauen würde. Es wäre vielleicht ab und zu gut, wenn man auch den durchaus Erfolgreichen in der sogenannten Provinz etwas mehr Gehör schenken würde.

Standard: Warum ist Ihr Parteifreund Häupl eigentlich so patzig Ihnen gegenüber? Haben Sie ihn irgendwann beleidigt?

Voves: Bisher hatte ich nur das beste Einvernehmen mit meinem Kollegen Häupl. Das höhnische Lachen über meinen Kompromissvorschlag zum Thema Schulverwaltung war jedoch einigermaßen unangebracht.

Standard: Sie meinen also gekränkte Eitelkeit ?

Voves: Ausrutscher passieren jedem einmal.

Standard: Haben Sie grundsätzlich den Eindruck, dass die Bundesländerpolitiker generell von Wien und Niederösterreich mit einer gewissen Geringschätzung bedacht werden und sie sich hinten anstellen müssen, während Häupl und Pröll das Wort führen?

Voves: Über dieses Bild müssen Häupl und Pröll einmal selbst nachdenken. Die beiden sollen sich auch einmal überlegen, wie sie mit der Macht umgehen, die ihnen gegeben wurde. Es geht auch um das Ansehen von Politik und der Spitzenpolitiker. Mir ist es völlig egal, was zwei sich bei einem Wein ausmachen. Aber wenn sie glauben, dass sie allein Österreich darstellen, dann melde ich mich ich halt zu Wort.

Nicht aus einem Macho-Gehabe, sondern weil ich 1,2 Millionen Steirerinnen und Steirer zu vertreten habe. Diese gegenseitige Akzeptanz ist sehr wichtig.

Ich akzeptiere selbstverständlich auch meinen Kollegen in Kärnten, er ist gewählter Landeshauptmann der Kärntnerinnen und Kärntner, und es gebietet, gegenseitig Respekt zu haben, dass wir uns gleichwertig sehen. Auch Kanzler und Vizekanzler haben es nicht notwendig, an der Hand geführt zu werden.

Standard: Haben Sie schon einmal die Schaffung einer "West-Achse" unter Landeshauptleuten überlegt?

Voves: Die Landeshauptleutekonferenz war bisher inhaltlich und atmosphärisch eine ganz wichtige Plattform, wo wir unsere Überlegungen aus Sicht der Länder gemeinsam diskutiert haben und immer wieder gute Vorschläge an den Bund herantragen. Das soll so bleiben. Es ist ein ganz wichtiges Gremium, das sich nicht auseinanderdividieren lassen sollte. Dazu ist es aber notwendig, dass Einzelne nicht glauben, dass sie nicht Gleiche unter Gleichen sind. (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.11.2010)

FRANZ VOVES (57) startete 2010 seine zweite Periode als Landeshauptmann der Steiermark. Der ehemalige Eishockeycrack und Finanzmanager wurde 2002 Parteichef der Landes-SPÖ. Seitdem meldet er sich immer wieder bundespolitisch mit Forderungen nach "Verteilungsgerechtigkeit" zu Wort.

 

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mstislav raskachlovitsch
00
30.11.2010, 10:44
Auf der einen Seite Föderalismus kritisieren....

...(Länderregierungen abschaffen wollen), auf der anderen Seite aber höchst unglücklich bis zum Hals im Mastdarm EU drinstecken und sich vorhüpfen lassen was man darf oder was nicht........

Alexander Patjomkin
00
29.11.2010, 10:01
Probleme gibt es ja viele,

nur solches gibt es nicht, das die Regierungsparteien lösen können.

Karl Cvek
21
29.11.2010, 09:57
Das Europa der Regionen

Ich bin für eine Machtaufteilung zwischen EU und den Regionen. Die Regierungen dazwischen haben ihre Schuldigkeit im vereinten Europa längst getan. Die nationalen Gesetze können natürlich unverändert weiter bestehen bleiben, das Parlament kann aber aufgelöst werden - denn die meisten (neuen) Entscheidungen trifft längst schon Europa für uns.
Ein Nebenerwerbs-Außenminister und ein Kaiser für Staatsempfänge (Palfrader hält eh schon Hof), das genügt in Zukunft, oder?
Die Regierung kann als Doppelconférence ins Simpl oder an den Rabenhof übersiedeln. Dort tut das über-sie-Lachen weniger weh.

captaineskimo
00
28.11.2010, 16:33

was ist bitte ein bundesländerpolitiker?

nussknacker8
30
28.11.2010, 17:36

wie lange zahlt der bund noch für den u-bahn ausbau der wiener mit? Die sollen lieber die s-bahn und tram ausbauen, dafür könnten endlich in den bundesländer wichte projekte umgesetzt werden!! die wiener sollen halt die autofahrer zur kassa bitten anstat sich auf kosten des bundes ihre projekte finanzieren zu lassen.

Im übrigen gehören die ministerien auf alle bundesländer aufgeteilt!

milbe
00
29.11.2010, 18:26

Stimmt, warum soll der Bund auch was mitfinanzieren, was 1/4 aller Österreicher betrifft?

Gerhard Schwarz
 
01
28.11.2010, 21:36

Sie meinen, dann wird mehr geflogen zwischen den Ministerien statt autogefahren? Skurill. Übrigens müssten sie für diesen Ministerienverteilungsvorschlag die Bundesverfassung ändern Bezüglich Strassenbahnausbau statt U-Bahn-Milliardenversenkung bin ich zwar Ihrer Meinung, wenn auch aus kommunalpolitischen Überlegungen. Der Finanzierungsschlüssel für den U-Bahnbau ist gerechtfertigt, weil er das Äquivalent zum Bahnausbau in anderen Bundesländern ist - und noch was geht unter in Ihrer Polemik: Wien erbringt mit ca 25% Bevölkerungsanteil über ein Drittel der österreichischen Wirtschaftsleistung und somit des Steueraufkommens, erhält aber wesentlich weniger zurück, weil die Pendler zB in NÖ wohnen und gemäss
Finanzausgleich der Wohnsitz zählt..

dave66
00
28.11.2010, 15:32
Gratulation

ein Beispiel, dass auch von einem Sozis manchmal etwas Vernünftiges kommen kann. Inhaltlich muss man ihm hier recht geben.

Heimo Axmann
01
28.11.2010, 12:09
es gibt ein Bildungsproblem

aus dem Bauch heraus: Österreich hat wirklich ein Bildungsproblem und das ist gleichzeitig die Antwort warum es sich 9 Länder leistet.
Wenn von 9 Landeshauptleuten (= 100%) zwei nicht reformwillig sind und gleichzeitig 90% absolut reformwillig sind dann wären das wie viele?!
Ich brauch jetzt Zettel und Papier.... bin am grübeln..

observer97
15
28.11.2010, 03:12
Eine "verhängnisvolle Affäre" des Lächelnden und des ins Fettnäpfchen Tretenden

Ich sag es ganz trocken, der Lächelnde und der seit Monaten ins Fettnäpfchen Tretende sollten zurücktreten. Es passst einfach nichts mehr, auch wenn der Ostermeier im Hintergrund weiter "freundlich" die Fäden zieht, das wird nichts mehr. Wenn die weiter wurschteln kommt ein unfähiger Zahnpolierer und der Kickl mit seinen "ewiggestrigen" Ansichten sagt wo es lang geht? Nein, das kann es ja nicht sein. Regierungsumbildung, Faymann und Pöll sind gescheitert, es muß doch noch Leute in diesen beiden Parteien geben, die eine bessere Politik repräsentieren können. Der größte Fehler der ÖVP war, dass sie nicht in Opposition gegangen ist, und jetzt haben sie die Bescherung...................

thorberg
10
28.11.2010, 23:16
@observer

Faymann könnte sich glücklich schätzen, wenn er
wenigstens Zahnpolierer wäre.

observer97
02
28.11.2010, 03:18

Sorry, unter falschem Artikel gepostet! Aber ist ja eh schon wurscht!

Weltenbürger Demosthenes
11
28.11.2010, 01:17
Schande

Wahrlich:
Die Privat-Veltliner-Koalition zweier NÖVP-Veteranen ...
(pardon: der nach Wien übersiedelte Häuptl ist nur Sohn eines Alt-NÖVP-lers und Ex-Schlagender Nationaler aus Krems)

... ist höchst widerwärtig und es war hoch an der Zeit, dass ein LH dieses Privat-Kartell der Arroganz und Machtgeilheit ohne Kopf-Hirn-und-Geist aufzeigt und dagegen mobilisiert.

Sollen sie sich doch in Krems oder sonst wo (etwa im Dorf des NÖVP-Prolls) privat niederveltlinern. Doch mit ihren veltlinergradierten Sprüchen mögen sie Österreich in Frieden lassen.

h k
111
27.11.2010, 19:33
Und trotzdem

Die Länder gehören abgeschafft. Wir leben in der EU und nicht mehr in Kakanien.
Dass zumindest der eine oder andere Landesfürst die unsäglichen machtdeminstrationen von Pröll und Häupl unheimlich findet, macht Hoffnung, ändert aber an deren Überflüssigkeit nichts.

HHB
00
28.11.2010, 18:22
Das trifft den Kern der Sache

Ohne die Länder erübrigen sich auch so sinnlose Dinge wie Sozialversicherungen für jedes Bundenland ...

... und eine lange Liste von weiteren Versorgungseinrichtungen für willfährige und abgehalftere Politiker.

Curd Hombre
11
27.11.2010, 22:30
absolut richtig....

....mehr gibts dazu nicht zu sagen! Die Frage ist jetzt nur, wer die Hosen in österreich anhat, um das umzusetzen oder zu verhindern - die ordentlich geschröpften Bürger oder die Parteien am Futtertrog!

Peter Spitzensteuerzahler
01
27.11.2010, 21:09
Ja!

Meine volle Zustimmung. Die komplette Verwaltungebene der Länge gehört ersatzlos abgeschafft. Aber als g'lernter Österreicher weiß man, dass das nie geschehen wird...

also dann ...
03
27.11.2010, 19:06
naja : voves ... einmal mit (vor 1 jahr !) und dann o h n e cojones !?

wenn er nicht nur daherpoltern...
würde - sonder ein MANN MIT KANTE ... wäre,
dann ist er eine echte alternative zu faymann !

leider aber - wie bei fast allen polit-lollies...
tritt er einmal auf die bühne
sagt auch die WAHREHEIT = VERMÖGENSSTEUERN
und beim nächsten meeting zieht er mit eingezogenem schwanz wieder die rückreise an.

JA - was sich pröll & häupl ...
bei 1 seiderl/glaserl wein ausmachen, ist unerheblich.
genauso wie die häuplingen-konferenz ja nur
eine FRESS - SAUF - VERANSTALTUNG ist,
o h n e jede politische verbindlichkeit !

die gesetze macht der B U N D !
schluss.
punkt.
b a s t a !

inglorious b.
42
27.11.2010, 18:10
faymann muss gestürzt werden. das sozial ungerechteste budget aller zeiten muss sein letzter fehler gewesen sein.

El Hierro
15
27.11.2010, 19:57
Pröll alleine

hätte ganz sicher ein sozial verträglicheres Budget gemacht, Fekter in einer Alleinregierung eine Generalamnestie ausgesprochen und Karl das Unipersonal verdoppelt ...

Filantropo
22
27.11.2010, 18:31
Sozialromatiker!

bitte um Ihre Vorschläge, wie man die Sozialgeschenke bezahlen soll. Das Kapital der Reichen zu besteuern geht sich leider nicht aus. Da haben manche zwar wirklich viel Geld, aber so viele sind es nicht. Und meist ist dieses Kapital gebunden, z.B. in Form der Maschine, an der so mancher arbeitet.

inglorious b.
02
27.11.2010, 19:40
kurzdenker! wer an sozialgeschenke denkt, ist schon auf dem falschen weg. faymanns hat seinen reformunwillen oft genug bewiesen.

wo das geld in der republik liegt weiß jeder. nur aufheben traut es sich keiner.

dann erst, kann man über sozialromantische verteilungsgerechtigkeit zu reden anfangen.

Filantropo
00
27.11.2010, 23:10
Bitte lesen und mitdenken,

auch wenn es schwierig ist.
Wo liegt denn das Geld? Warum verraten Sie es uns denn nicht? Bei den Bauern genauso wie bei den ÖBBlern vielleicht? Zahlen tuts die Mittelschicht und glaubt dabei noch, dass es ihr gut geht.

N. Kopernikus
07
27.11.2010, 18:03
Ende des Föderalismus

Die gesamte Debatte zeigt, dass der Föderalismus ans Ende seiner Tage gekommen ist. Da aber niemand freiwillig auf Macht verzichtet, sollte nun dringend an einem System gearbeitet werden, dass die handelnden Föderalisten in ein bundeseinheitliches System einbindet. Denkbar sollte sein, dass Landeshauptleutekonferenz personell um 2-3 Landesräte pro Bundesland erweitert wird und dafür statt dem Bundesrat auf Bundesebene die Länderrechte vertritt. Aufgelöst (durch Pensionierungen) werden dafür alle Landesregierungen und der jetzige Bundesrat. Und die Leute in den Ländern wählen statt den Landesparlamenten den neuen Bundesrat. Das wäre ein echtes Zweikammersystem in Österreich und die neun überflüssigen Gremien wären mit einem Schlag weg.

readymate
82
27.11.2010, 17:35
Mit Ach und Weh die Kurve gekratzt

und schon wieder munter die Klappe groß aufreißen!

So hammas gern, unsere Politiker-Pleampeln!

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