Der Coup des Poeten

26. November 2010, 17:38
posten

Zwischenbilanz an der Lichtbildfront: Rückblick auf Versteigerungen und die Spezialmesse in Paris, Vorschau auf die Auktion bei Westlicht

Seine jährliche Grand Tour im internationalen Messezirkus hat Herr Vintage nun hinter sich. Die Nachbearbeitung zur Paris Photo (18.-21. 11.), dem wichtigsten Branchentreff im Jahr, steht Johannes Faber noch bevor. Für jede einzelne der seit Anfang des Jahres absolvierten sieben Stationen wählte er aus seinem Programm, Historisches, Klassiker der frühen Moderne und Renommiertes späterer Jahrzehnte. Für Paris präsentierte er passend zum CEE Schwerpunkt ein Repertoire an Arbeiten von Drtikol, Kertész und Sudek. Dazu durfte Heinrich Kühn nicht fehlen, dem das Musee d'Orsay derzeit (bis 24. Jänner 2011) eine Retrospektive widmet. Ein (mehr als) kostendeckender Umsatz ist in der französischen Metropole stets fix, so auch heuer und dazu besser als im Vorjahr.

Mode kontra Vintage

Wenn, wie stets rund um die Paris Photo, die wichtigsten Museumskuratoren, Sammler und Art Adviser hierher pilgern, dann dürfen sie auch beim Angebot der lokalen und internationalen Auktionshäuser zulangen. Und sie taten es stärker als je zuvor. Bei Christie's (20. 11. ) blieb kein einziger Abzug Richard Avedons liegen, und so summierten sich die 65 Besitzerwechsel auf 5,46 Millionen Euro brutto, die nun der Avedon Foundation zugute kommen.

Das Starlot des Abends war Dovima with Elephants, mit dem 1955 eine Robe aus der Kollektion Christian Dior inszeniert worden war und für den das Modeimperium mit 841.000 Euro den neuen Avedon-Künstlerweltrekord bewilligte. Sotheby's setzte tags davor (Total 2,7 Mio. Euro) weniger auf Modefotografie als auf ein hohes Vintageniveau, wie sechs der zehn höchsten Zuschläge belegen, die vor 1935 entstanden.

Der Coup de théatre war allerdings Josef Sudek, dem "Poeten aus Prag" vorbehalten: Von dem unbetitelten Stillleben aus dem Jahr 1952 ist bislang kein anderes Exemplar bekannt, und ein dementsprechendes Gemetzel lieferten sich mehrere Interessenten. Erst bei 250.000 Euro fiel der Hammer. Gerüchteweise soll der Pigment Print aus dem Portfolio des Art Photography Fund (Merit Alternative Investments) stammen. Johannes Faber, nebenbei Kurator ebendort, will das nicht bestätigen, lediglich, dass dieser für etwa 55.000 Euro vor zwei Jahren bei ihm den Besitzer wechselte. Deutlich günstiger taxiert Westlicht - hier fungiert Faber wiederum als einer der Experten - in der am 4. Dezember anberaumten Auktion vier Sudek-Abzüge aus den 50er-Jahren (zwischen 2000 und 4000 Euro). Das erklärte Highlight dort, Anton Josef Trckas Porträt von Egon Schiele (1914), für das zumindest 50.000 Euro zu berappen sind. Wegen der Rarität, sind doch weltweit nur drei Abzüge bekannt. Ein weiterer lauert im Fundus von Faber (70.000 Euro). (Olga Kronsteiner, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 27./28. November 2010)

  • Eine Abendrobe aus der Winterkollektion Christian Diors 1955 als 
eleganter Kontrast zu den beiden Dickhäutern. Kostenpunkt 841.000 Euro -
 für den Abzug Richard Avedons, nicht für das Kleid.
    foto: christie's

    Eine Abendrobe aus der Winterkollektion Christian Diors 1955 als eleganter Kontrast zu den beiden Dickhäutern. Kostenpunkt 841.000 Euro - für den Abzug Richard Avedons, nicht für das Kleid.

Share if you care.