Zahnimplantologie

Misserfolge erkennen und beherrschen

26. November 2010, 12:33
  • Artikelbild
    foto:apa/frank leonhardt

    Implantat gehen zumeist in der Einheilphase verloren.

Risiken einer implantologischen Behandlung lassen sich nicht gänzlich ausschalten - Experten diskutieren wie sich Misserfolge vermeiden lassen

„Nur der kann ein guter Arzt oder Zahnarzt sein, wer den Misserfolg zugibt, erträgt und daraus die richtigen Konsequenzen zieht", erklärt der Memminger Oralchirurg Gerhard Iglhaut, Präsident des 24. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Implantologie, der vom 25.-27. November 2010 in Hamburg stattfindet. Selbst wenn Fehlschläge in der Behandlung keineswegs mit einer Fehlbehandlung gleichgesetzt werden dürfen, wollen die rund 3000 Teilnehmer der Tagung durch eine offene Diskussion über Misserfolge voneinander lernen, wie sich mögliche Risiken einer Therapie vermeiden, frühzeitig erkennen und beherrschen lassen.

Statistisch gesehen wird in diesem Jahr jeder Bundesbürger einmal auf dem Behandlungsstuhl in einer Zahnarztpraxis gesessen haben. Bis zum Jahresende dürften in Deutschland rund 80 Millionen Behandlungen erfolgt sein - zumindest verzeichnete die Bundeszahnärztekammer in der ersten Jahreshälfte bereits 40 Millionen Therapien.

2000 machen Haftungsansprüche geltend

Angesichts dieser Zahlen ist die Zahl von 2300 Beschwerden über zahnmedizinische Behandlungen oder Rechnungen, die in diesem Jahr beispielsweise bei der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) eingetroffen sind, verschwindend gering. Juristen schätzen, dass jährlich etwa 2000 Patienten vor Gericht Haftungsansprüche gegen ihren Zahnarzt geltend machen - auch dies ist eine geringe Zahl.

Gleichwohl beobachten Juristen, dass die Haftungsfälle spürbar steigen, auch und gerade im Bereich der Zahnimplantologie. Der Grund: Angesichts steigender Implantationszahlen, einer steigenden Zahl von implantierenden Zahnärzten und komplexer werdenden Eingriffen steigt auch die absolute Zahl von Misserfolgen - »wobei Misserfolg nicht automatisch „Fehlbehandlung" des Zahnarztes bedeutet«, betont Gerhard Iglhaut, Memmingen, Präsident des 24. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Implantologie. »Auch mit einem bestmöglichen Vorgehen lassen sich nicht alle Risiken ausschalten.« Hinzu kommt, dass auch das Verhalten der Patienten, z.B. Rauchen, oder bestimmte Erkrankungen Risikofaktoren sind. Selbst wenn sich Behandlungssituationen ähneln, kann das jeweilige Ergebnis daher sehr unterschiedlich ausfallen. Darum wollen die Implantologen bei ihrer Tagung offen über Misserfolge diskutieren, um daraus zu lernen.

Risiken beschreiben und diskutieren

Dieser Ansatz lockt vom 25. bis 27. November 2010 rund 3000 Zahnärzte, Oralchirurgen sowie Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen in das Congress Center Hamburg. Auch Zahntechniker und zahnmedizinische Fachangestellte nutzen das breite fachliche Angebot des Kongresses.

„Keine Profession spricht gerne über ihre Misserfolge", räumt Iglhaut ein. „Und natürlich zeigen wir auf den Kongressen lieber die Bilder unserer erfolgreich verlaufenen Behandlungen." Es sei jedoch wichtig, auch dem Misserfolg ins Auge schauen zu können, mahnt der Kongresspräsident. „Nur der kann ein guter Arzt oder Zahnarzt sein, wer den Misserfolg zugibt, erträgt und daraus die richtigen Konsequenzen zieht."

Also werden Experten bei der Tagung alle Stationen einer Behandlung beleuchten, mögliche Risiken beschreiben und mit ihren Kolleginnen und Kollegen diskutieren, wie man Komplikationen und Misserfolge vermeiden kann. Das Spektrum reicht von der Planung des Eingriffs, über die Operation, die Einheilungsphase bis hin zur Versorgung des Patienten mit dem endgültigen Zahnersatz.

Verlust in der Einheilphase

Eine implantologische Behandlung wird heute vom angestrebten Therapieergebnis her geplant - „backward planning", wie dieses Vorgehen von den Fachleuten genannt wird. Implantate sollen möglichst dort gesetzt werden, wo sie eine bestmögliche prothetische Versorgung mit Zahnersatz erlauben. Planungsfehler haben daher Folgen für die nachfolgende Umsetzung. Je komplexer der chirurgische Eingriff, desto risikoreicher ist er. So erfordert beispielsweise der Aufbau des geschrumpften Kieferknochens mit körpereigenen Knochentransplantaten viel Erfahrung. Dabei muss auch das Weichgewebe berücksichtigt werden. Es muss „spannungsfrei" über dem Transplantat vernäht werden können und kann daher nur ein bestimmtes Volumen an transplantiertem Knochen bedecken. Gefürchtet ist die sogenannte Nahtdehiszenz: dabei weichen die genähten Wundränder auseinander, es drohen Infektionen.

Wenn Implantate verloren gehen - was eher selten der Fall ist - geschieht dies zumeist in der Einheilphase. Eine Überlastung der künstlichen Wurzel oder Entzündungen können dazu führen, dass das Implantat sich nicht fest mit dem umgebenden Knochengewebe verbindet. Entzündungen können auch noch längere Zeit nach der Behandlung Probleme verursachen. Leichte Blutungen oder Sekretentleerungen der Schleimhaut um das Implantat herum können durchaus vorkommen und treten mit zunehmendem Alter häufiger auf. Allerdings ist es wichtig, durch eine gute Mundhygiene Entzündungsprozesse zu verhindern, die dann auch auf das umliegende Knochengewebe übergreifen können (Periimplantitis). Wird diese Entzündung nicht gestoppt, ist das Implantat meistens nicht mehr zu erhalten. Untersuchungen, die auch auf dem Hamburger Kongress präsentiert werden, belegen, dass in solchen Fällen jedoch erneut implantiert werden kann. (red)

Eine Kreatur
21
27.11.2010, 11:53
erfolg definiert sich über misserfolge ..

so sehe ich das ..

genauso wie feherquoten für die qualitätsbeurteilung herangezogen werden, kann es doch auch in der medizin nur so gehen ..

so wie ich den artikel interpretiere ist das aktuell so, dass alle machen wie sie glauben und wollen und es keinen überblick gibt, welche methoden wohl wann die besten und erfolgreichsten sind .. für mich gilt so etwas als grob fahrlässig!

in der medizin allgemein stinkt die methodenlosigkeit und konzeptlosigkeit zum himmel! gerade bei einem komplexen (und noch nicht ausreichend beschriebenen) organismus wie dem menschen wäre aber exaktes und genau koordiniertes vorgehen unter berücksichtigung einer möglichst genauen analyse wichtig ..

4simo
10
28.11.2010, 14:48
die methode ist klar

die beste ist jene, bei der ich am meisten verdien!

hadioread
00
28.11.2010, 21:06

@Eine Kreatur:
In einer Welt in der nichtmal Informatiker (die ihre Systeme selbst erfunden haben!) jeden PC reparieren können, sollte man von Ärzten nicht zu viel erwarten.

Es gibt Standardmethoden die laufend aktualisiert werden, und an die man sich zu halten hat. Die Medizin ist nicht methoden- und konzeptlos. Meistens fehlt ganz einfach das Geld.

Es ist halt (wie 4simo andeutet) immer eine Frage des Geldes, und genau das sollte in der Medizin überhaupt keine Rolle spielen.

Peterk K
00
26.11.2010, 17:56
Was da oft für Preise verlangt werden, sagenhaft, man fragt sich oft, fällt das nicht unter Wucher?

Wenn's aber um Garantie geht, weil es nicht funktioniert hat, dann geht's eher kleinlaut zu und war alles nicht vorhersehbar. Wie soll aber der Klient nachweisen, ob dies am Laser, Composit (wird sogar schlechter als Amalgam eingestuft, wenn es um das oft schmerzlose Absterben des Nervs geht) oder an der schlechten Verarbeitung gelegen hat?

Viele beherrschen ihre Technik: Je nachdem, was sie sich so angelernt haben, ist natürlich ihre das NonPlusUltra.

Dort, wo aber bei vielen ein Defizit, sowohl in der Ausbildung als dann in der Praxis herrscht: Radiologie! Gerade mal das, was ein Laie auch erkennt.

Entzündungen: Konstatiert, aber keine Versorgung. Avitaler Zahn: Keine Diagnose, da muss der Klient selbst Diagnostiker sein und anleiten.

RS69
 
00
26.11.2010, 19:22

Meiner hat gesagt: "zahlen Sie in 3 Monaten, dann wissen wir, dass es funktioniert hat".

her mit den Strichen!
00
26.11.2010, 20:17
ein guter Ansatz!

Wie heisst der liebe Herr Doktor?

her wig
00
26.11.2010, 17:22

Wenn man einen Computer programmiert und das Programm stürzt ab, geht's zur Fehlersuche, Korrektur, nächster Versuch.

Wenn ein Arzt eine Behandlung unternimmt und es geht etwas schief, dann, naja, man soll es beim nächsten Patienten besser machen, aber der betroffene Patient hat davon selber erstmal noch nichts. In der Zeit rückwirkende Behandlungen wurden noch nicht erfunden. Zu einem gewissen Grad ist eben jeder Patient auch Versuchskaninchen.

E. Laserstrahl
20
26.11.2010, 16:25
Arroganz der Ärzte

www.aerztepfusch.at
Gefährlich wird es wenn Ärzte einfach weitermachen obwohl sie schon lange bemerken das es in die falsche Richtung geht. Die Arroganz ist eine Ursache für viele Misserfolge bei Behandlungen und die Gier nach Macht die andere.....

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.