"Nur ein Spiel"

30. November 2010, 11:08
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Ein privat produzierter Low Budget-Dokumentarfilm über die Faszination Fantasyrollenspiel

"Es begann vor vielen, vielen Jahren..." als der Berliner Fotograf und Filmemacher Michael Schilhansl Gothic 2 spielte. Da kam er auf die Idee, über Spielentwickler in Deutschland zu berichten, die spannende Spiele für Erwachsene produzieren.

Gespräche mit Redakteuren "erstaunlich monoton"

Erste Gespräche mit Fernsehredakteuren verliefen "erstaunlich monoton." Schilhansl wollte deren Bedürfnisse nach einer Dokumentation des, "Niederganges der Kultur" durch Computerspiele samt von Sucht bedrohter oder Amok laufender Freaks nicht bedienen, sondern "ganz normale" Menschen porträtieren, die vor der Kamera von ihrer Leidenschaft erzählen.

Schilhansl, selbst ein begeisterter Rollenspieler, setzte sein Vorhaben in Eigenregie um. "'Nur ein Spiel' ist mein erster Dokumentarfilm, den ich mit kleinem Budget selbst finanziert habe. Die Dreharbeiten erstreckten sich über ein Jahr. Die Fertigstellung des Films hat dann über drei Jahre gedauert, weil andere Projekte immer wieder Vorrang haben mussten." Das Ergebnis ist 54 Minuten lang, vermag die Faszination von Fantasyrollenspielen auch Nichtspielern zu erklären und ist über vimeo rezipierbar.

Nur ein Spiel von Michael Schilhansl auf Vimeo.

Dank Schilhansls Kontakten zu den Piranha Bytes und seiner Begleitung der Entwicklung von "Gothic 3" zieht sich als roter Faden die Entstehung einer virtuellen Welt durch das Filmgeschehen. "Da ich selbst leidenschaftlich gerne "World of Warcraft" spielte, interviewte ich auch die Spieler der Wiener Gilde "Sturmwölfe von Azeroth."

Auf den Spuren der Vorläufer der Computerspiele setzte sich der Filmemacher mit den Pen&Paper-Spielern und weiteren Liverollenspielern in Verbindung. Einige Tage lang begleitete das Filmteam die Kampagne "Finsterkamm" auf Grundlage des Rollenspiels „Das Schwarze Auge" auf einer Burg in Deutschland. "Die Hauptschwierigkeit lag darin, dass die Spieler nicht für ein Publikum, oder eine Kamera, sondern für sich selbst spielten. Sie waren Darsteller und Publikum zugleich."

Suchtpotenzial Online-Rollenspiele

Während Schilhansl den Zusammenhang zwischen Amokläufen und Computerspielen "für die verzerrte Wirklichkeitsdarstellung des Boulevards und der sogenannten Nachrichtensender" hält, erschien ihm der Zusammenhang zwischen Onlinerollenspielen und der Suchtgefahr eine genauere Betrachtung wert. - Weshalb er den ehemaligen Leiterin der Suchtabteilung der Berliner Charité befragte.

Das kurz gefasste Ergebnis: "Je nachdem, welche Studie man zitiert, sind drei bis maximal zehn Prozent der Spieler suchtgefährdet. Ich wollte meine Betrachtung auf die 90 bis 97 Prozent der Spieler konzentrieren, die spielen und trotzdem nicht süchtig sind." (tin, derStandard.at, 30.11.2010)

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Infos zum Film:

Nur ein Spiel
Produktion, Regie: Michael Schilhansl
Erzählerin: Nina Ahrens
Kamera: Klaus Thurnbauer, Michael Schilhansl
Ton: Markus Dobler
Schnitt: Grete Liffers, Meik Schwalm
Musik: Kai Rosenkranz - Originalsoundtrack Gothic3

  • Der Berliner Michael Schilhansl begann selbst mit 16 als Tischrollenspieler.
    foto: schilhansl

    Der Berliner Michael Schilhansl begann selbst mit 16 als Tischrollenspieler.

  • Beim Live Action Role Playing (LARP) oder Liverollenspiel stellen die Spieler ihre Spielfigur selbst dar.
    foto: schilhansl

    Beim Live Action Role Playing (LARP) oder Liverollenspiel stellen die Spieler ihre Spielfigur selbst dar.

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