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Die diabetischen Netzhauterkrankung ist die häufigste Ursache für einen schweren Sehverlust im berufstätigen Alter.
Wien - „Die Augenheilkunde ist im Moment ein besonders bewegtes Gebiet der Medizin, sowohl diagnostisch als auch therapeutisch ändern sich die Richtlinien entscheidend", sagt Ursula Schmidt-Erfurth, Vorstand der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie am Wiener AKH. „Viele unserer Patienten können von diesen aktuellen Entwicklungen und Fortschritten aus der Forschung außerordentlich profitieren."
Die international renommierte Netzhautspezialistin ist Gastgeberin und Präsidentin der auch heuer wieder in Wien stattfindenden internationalen Tagung „ART - Advanced Retinal Therapy Vienna", die am Wochenende hochkarätige Experten aus aller Welt in der Bundeshauptstadt zusammenführt. Auf der Agenda des Augenkongresses stehen unter anderem innovative Strategien bei diabetischen Netzhauterkrankungen und neue Therapiekonzepte bei Tumorerkrankungen des Auges.
Tumoren können sich grundsätzlich an allen Strukturen des Auges entwickeln. Der häufigste Augenkrebs bei Erwachsenen ist das Aderhaut-Melanom, andere mögliche Erscheinungsformen sind etwa Gefäß- und Netzhautumoren, Basaliome im Auge oder Tränendrüsentumoren. Eine Tumorerkrankung bei Kindern ist das Retinoblastom, das bei einem von 18.000 Neugeborenen vorkommt.
„Augentumoren sind zwar seltene, aber umso gravierendere Erkrankungen, weil sie häufig spät entdeckt werden und schwer therapierbar sind", so Schmidt-Erfurth. „Gerade weil die Erkrankungen so selten sind, ist ausreichende Erfahrung und spezielle Expertise ganz wesentlich, die es weltweit nur an einigen wenigen Augen-Tumorzentren gibt." Die augenonkologische Abteilung der Wiener Universitätsklinik für Augenheilkunde unter der Leitung von Martin Zehetmayer ist in Österreich führend, hier werden jährlich allein 40 neue Patienten mit Aderhaut-Melanomen behandelt.
Gentests zur besseren Risikoeinschätzung
Aufgrund des medizinischen Fortschritts können neuerdings moderne Gentests angeboten werden, mithilfe derer das Metastasierungsrisiko besser eingeschätzt und die Therapie und Nachsorge von Krebspatienten individueller und gezielter gestaltet werden kann. „Diese Tests sind keine Screeningmethode, um festzustellen, ob ein Risiko für eine Krebserkrankung am Auge besteht. Sondern dieser neue Gentest ist nur bei Menschen zweckmäßig, die bereits von einem Tumor im Auge betroffen sind oder waren", betont Zehetmayer.
Neueste Untersuchungen am Aderhautmelanom etwa zeigen in vielen Fällen genetische Veränderungen, die für die weitere Prognose bedeutsam sind. „Bei rund 40 bis 50 Prozent der Erkrankungen können wir genetische Defekte nachweisen, die eine hohe Neigung zu Metastasen zeigen. Besonders, aber nicht nur, wird das Fehlen einer Kopie des Chromosoms 3 als prognostisch ungünstig gewertet", so Zehetmayer. Neueste Untersuchungen zeigen, dass beim Aderhautmelanom das Onkogen GNAQ bei mehr als der Hälfte der Betroffenen bereits frühzeitig verändert ist. Es steuert ein wichtiges Signalprotein der Zelloberfläche, das die Zellregulation überaktiviert und offenbar wesentlich an der Tumorentstehung und -entwicklung beteiligt ist. „Wird aufgrund des genetischen Profils in Tumormaterial ein hohes Erkrankungsrisiko für Metastasen festgestellt, so sind durch engmaschige Kontrollen die Früherkennungschancen sowie das Überleben deutlich verbessert", so Zehetmayer.
Wege zu neuen Therapien
Obwohl Augentumoren nach wie vor eine große therapeutische Herausforderung darstellen, gibt es vielversprechende neue Entwicklungen, wie Zehetmayer betont: „Wir können immer gezielter therapeutisch vorgehen, mit neuen Behandlungsmethoden wird das Risiko, ein Auge oder das Sehvermögen zu verlieren, gegenüber den bisher verfügbaren Verfahren deutlich gesenkt."
Ein wichtiger Faktor dabei ist die moderne Bildgebung: Durch die genaue 3-D-Darstellung von Tumoren und die damit verbundene exakte Lokalisation im Auge können notwendige Operationen und Bestrahlungen wesentlich präziser geplant und schonender organerhaltend durchgeführt werden.
Neben chirurgischen Verfahren kommt heute aber zunehmend die organerhaltende Strahlentherapie zum Einsatz, insbesondere die Brachytherapie, bei der eine Strahlenquelle ganz nahe an den Tumor herangeführt und für einige Tage fixiert wird, oder die Protonenbestrahlung. „Eine wichtige Innovation ist die stereotaktische Photonen-Bestrahlung mit einem Linearbeschleuniger (LINAC), dem Gamma-Knife oder dem Cyber-Knife", berichtet Zehetmayer. „Wir konnten an unserer Klinik mit dem Gamma-Knife und besonders mit dem LINAC sehr gute Ergebnisse erzielen." Die Bestrahlung mit dem LINAC hat gegenüber allen anderen einen großen Vorteil für die betroffenen Patienten: Sie erfordert keinerlei Operation.
Ein besonderer Arbeitsschwerpunkt an der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie liegt in der Erforschung von Methoden, um Strahlennebenwirkungen zu minimieren. Auch diese neuen Ansätze im Bereich der medikamentösen Therapie von Augentumoren werden auf dem internationalen Kongress diskutiert. So zeigt etwa ein Forschungsteam der Wiener Universitätsklinik für Augenheilkunde in einer aktuellen Arbeit, dass bestimmte Zytokine und Wachstumsfaktoren eine wesentliche Rolle in der Entwicklung von Komplikationen spielen. „Damit zeigen wir auch einen wesentlichen Angriffspunkt für künftige medikamentöse Therapien auf", so Zehetmayer.
Neue Studiendaten gibt es auf dem Kongress auch zu einer speziellen Form des Non-Hodgkin-Lymphoms, das sich im Auge manifestiert (intraokuläres Lymphom).Zehetmayer: „Eine lokale Behandlung, also Injektionen mit dem Chemotherapeutikum Methotrexat oder dem Biologikum Rituximab direkt in das Auge, scheint wirksamer zu sein als herkömmliche systemische Therapien und zudem auch nebenwirkungsärmer."
Diabetische Netzhauterkrankungen
Eine ganze Reihe von Neuigkeiten gibt es auch in der Therapie der weit verbreiteten Gefäßerkrankungen der Netzhaut. Diabetes-bedingte schwere Augenerkrankungen entwickeln sich zu regelrechten „Volkskrankheiten" - bis zu 25 Prozent der Diabetiker leiden an einer diabetischen Netzhauterkrankung, die auch die häufigste Ursache für einen schweren Sehverlust im berufstätigen Alter ist.
Große Untersuchungen aus internationalen wissenschaftlichen Netzwerken, an denen die Wiener Universitäts-Augenklinik federführend beteiligt ist, zeigen hier grundlegende Veränderungen in der zukünftigen Behandlung auf. Bisher galt bei diabetischen Netzhauterkrankungen die Photo-Koagulation, also die Laserbehandlung der Netzhaut, als Standardtherapie. „Derartige Eingriffe werden nun von neuen Medikamentengenerationen abgelöst, die eine Verödung von Gewebe im Auge größtenteils überflüssig machen", so Kongresspräsidentin Schmidt-Erfurth.
So wurden etwa für das Biologikum Ranibizumab, das bisher für die Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) zugelassen ist, jetzt große Studien zur Anwendung beim diabetischen Makulaödem abgeschlossen. Schmidt-Erfurth: „Es ließ sich zeigen, dass regelmäßige Injektionen die Sehfähigkeit von Diabetikern deutlich verbessern, eine Zulassung in dieser Indikation erfolgt bereits im Dezember des Jahres, damit ist die Therapie auch in der Routine für Patienten verfügbar."
Das Besondere an den neuen Erkenntnissen in Sachen Medikamente: Die modernen Substanzen erweisen sind dem Laser gegenüber deutlich überlegen. „Das war überraschend und ist schon deshalb erfreulich, weil der Laser letztlich immer auch Netzhaut zerstört. Die Expertengremien sind derzeit dabei, die Behandlungsempfehlungen grundlegend zu verändern. Der Laser als Standardtherapie bei diabetischen Augenerkrankungen wird durch die Medikamente, die ins Auge getropft werden, abgelöst. Patienten haben jetzt eine echte Wahlmöglichkeit", so Schmidt-Erfurth. (red)
„ART - Advanced Retinal Therapy: Updates - Trends - Controversies", Samstag, 27. November 2010, Akademie der Wissenschaften
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stellt sich nur die frage, warum derstandard nicht ein foto eines aderhautmelanoms genommen hat und stattdessen ein bild mit diabetischer netzhauterkrankung betitelt (das eigentlich nicht typisch für eine diabetesretinopathie aussieht)??
Stellt sich vielmehr die Frage, warum die Uniklinik Wien genetische Tests die seit 14 (!!) Jahren bekannt sind jetzt als Innovation verkaufen wollen. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8622452
Offensichtlich hat sich die Beauftragung einer PR und Lobbyingagentur für die Klinik ausgezahlt
http://www2.bkkommunikation.at/de/journa... mine/1720/
Kein Ruhmesblatt für die Redakteure des Standard!
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