"Willst Du spielen, musst Du zum Friseur"

Philip Bauer
26. November 2010, 08:03
  • Als die Regeln bezüglich Frisur wieder gelockert wurden: beim Aufwärmen mit Herbert Prohaska. Weigl hier bereits im Dress der Admira.
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    Als die Regeln bezüglich Frisur wieder gelockert wurden: beim Aufwärmen mit Herbert Prohaska. Weigl hier bereits im Dress der Admira.

  • Helmut Weigl heute und gut aufgelegt: "Es war eine wunderschöne Zeit"
    foto: philip bauer

    Helmut Weigl heute und gut aufgelegt: "Es war eine wunderschöne Zeit"

Helmut Weigl spielte Anfang der siebziger Jahre im Mittelfeld der Wiener Austria, im Großen Wiener Derby traf er besonders gerne - eine Zeitreise in Violett

Wien - Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Alte Weisheit, stimmt nicht immer. Das Große Wiener Derby am 29. September 1973 im Praterstadion war eine der Ausnahmen. In der 81. Minute stürmten massenweise Zuseher an den Spielfeldrand, der Schiedsrichter konnte die Sicherheit der Spieler nicht mehr gewährleisten und brach die Partie ab. Warum? "Na weil der Heli in der 80. Minute zum Ausgleich getroffen hat." Der Mann, der über sich in der dritten Person spricht und über beide Ohren grinst, ist Helmut Weigl, Ex-Austrianer und Derby-Spezialist. 

Das 1:1 vor 30.000 Zusehern wurde nicht gewertet, zur Wiederholung des Spiels kam es erst im Dezember. "Ich glaube damals hatte es minus 35 Grad", neigt Weigl zur Übertreibung. Die klirrende Kälte hinderte den defensiven Mittelfeldspieler jedenfalls nicht daran, in der Südstadt den Treffer zum 1:0 zu erzielen. Das Match endete 3:1, einer von fünf Derby-Siegen, die Weigl mit der Austria feiern konnte. Den Erfolgen stehen zwei Unentschieden und vier Niederlagen gegenüber. "Vier Niederlagen? Mahlzeit, ich bin entsetzt", mimt er mit einem Lächeln den Unwissenden.

Eine verschärfte Revanche

Eine, an die er sich lebhaft erinnern kann, ereignete sich am 12. Mai 1974. Hans Krankl erzielte damals sämtliche Treffer zum 4:0 für Rapid, das tat weh. Aber nicht lange. Fünf Tage später deklassierte die Austria den Erzrivalen im Cup mit einem 6:2-Kantersieg. Die Torschützen der Violetten hießen Alberto Martinez, Julio César Morales, Karl Daxbacher, zwei Mal Ernst Fiala und natürlich Helmut Weigl. "Nach dem 0:4 waren wir heiß", erklärt der 58-Jährige die erstaunliche Trendwende. Drei Treffer erzielte Weigl in der Saison 73/74, alle gegen Rapid. Natürlich gibt es dafür nur eine vernünftige Erklärung: "Das Derby hat eigene Gesetze, abgedroschen, aber wahr."

Weigl war zehn Jahre alt als er vom SV Wienerfeld in den Austria-Nachwuchs wechselte, noch vor seinem 18. Geburtstag trat der große Ernst Ocwirk, damals Trainer der Kampfmannschaft, an ihn heran: "Burli, wir fahren auf Trainingslager und Du kommst mit." Zunächst musste sich der Jungkicker allerdings von seiner Haarpracht trennen. "Wenn Du spielen willst, musst Du vorher zum Friseur", erklärte Ocwirk unmissverständlich, dabei wollte Weigl "aussehen wie George Best". Aber für den autoritären Ocwirk, dessen Trainerqualitäten Weigl in höchstem Maße lobt, fiel die blonde Mähne gerne.

Große Trainer, schneller Abgang

Ernst Ocwirk, Heinrich Müller, Karl Stotz, Béla Guttmann, Josef Pecanka, Josef Argauer, Robert Dienst - Weigls Trainer waren Größen des Fußballs, mit allen kam er gut aus, nur mit Stotz wollte es nicht funktionieren: "Ich war nicht sein Typ, ich durfte nur spielen, wenn kein anderer mehr gehen konnte." Als bekannt wurde, dass Stotz vor der Rückkehr zur Austria stand, wechselte Weigl nach dreizehn Jahren in Violett zur Admira. Just im Jahr nach seinem Abgang ging der Meistertitel 1976 wieder an die Austria. "Vielleicht hätte ich doch auf Prohaska hören sollen", zeigt sich Weigl ein wenig reumütig. "Heli, sei jetzt nicht deppert, Deine Probleme mit Stotz sind lange her", habe ihn Österreichs Jahrhundert-Fußballer zum Verbleib überreden wollen.

Kommt die Rede auf Prohaska, gerät Weigl ins Schwärmen: "Er war unglaublich, mit 15 spielte er reihenweise Nationalspieler schwindlig." Nicht der einzige Mitspieler der beim Wiener Spuren hinterließ: "Fiala habe ich die ersten Wochen gesiezt. Er war am Platz vielleicht ein Häferl, nachdem Spiel aber eine absolute Vaterfigur. Ich habe geweint als er den Verein verlassen hat. Der Herbert auch." Prohaska war nicht die einzige Übermacht im Nationalteam: Hickersberger, Hattenberger, Jara - da gab es kein Vorbeikommen. In einem freundschaftlichen Länderspiel gegen Deutschland reichte es dennoch zu einem Einsatz.

Ein unvergesslicher Abend in Madrid

Der Karriere-Höhepunkt war laut Weigl aber ein anderer: am 23. Oktober 1974 spielte die Austria im Achtelfinale des Europacups der Cupsieger auswärts gegen Real Madrid. "Wir waren eine richtig gute Truppe, die schnellen Fußball spielen konnte", das Match vor 60.000 Zusehern im Bernabeu ging zwar 0:3 verloren, das Ergebnis sei aber täuschend ausgefallen. Auch ein Testspiel in Sevilla blieb Weigl in Erinnerung. Drei Gegenspieler habe er ausgetanzt, das Publikum skandierte "Ole!" und Sevilla-Coach Max Merkel zeigte sich nach dem Spiel interessiert.

Aus einem Auslandstransfer wurde nichts, zu oft wurde Weigl von Verletzungen zurückgeworfen. Aber selbst wenn sein Einkommen als Fußballer in Österreich ("Wenn einer pfuschen war, hat er drei Mal so viel verdient wie ich") gering war, lässt er nicht den geringsten Zweifel aufkommen: "Einmal violett, immer violett. Es war eine wunderschöne Zeit". (Philip Bauer; derStandard.at; 26. November 2010)

Helmut Weigl (58) spielte von 1962 bis 1975 für die Wiener Austria, gewann mit ihr zwei Mal den Cup. Danach war er für die Admira und Innsbruck aktiv. Am 3. September 1975 absolvierte er gegen Deutschland (0:2) sein einziges Länderspiel. Er lebt heute in Wien.

Links

Helmut Weigl auf austria-archiv.at

Mannschaftsfoto 1973/74

(Oben: Obermayr, Janotka, Englisch, Samer, Pichler, Vukman, Prohaska, Morales, J. Sara - Unten:  Wagner, Weigl, R. Sara, Bendekovits, Fiala, Martinez, Schwarz, Krieger)

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einfach

Rapid 0
Austria 3

in Toren:
Rapid 1
Austria 2

einfach erklärt und sicher gut verstanden:
nr.1 in wien = fk Austria Wien

ausnahme

die meisten heldInnen schauen sich rapidspiele an, warum auch immer.

furchtbar

der grüne standard immer mit seinen rapidlastigen Artikeln. Immer gehts nur um Rapid!

nehmens wie ein Mann und heulen sie nicht so herum....

übertreibung

ich kann hier nichts rapidlastiges finden!
jedoch eine sehr schöne kleine
geschichte!

Manch Rapidler immer mit diesen sporadischen Anfällen, dass die komplette Medienlandschaft nicht immer größtenteils völlig rapidlastig ist...

in nostalgie schwelgend...

...kann ich mich dunkel (ich war natürlich damals fußballfankind) an sonntags-vormittags-spieltermine erinnern. für kinder war´s super...

oder an EC-heimspiele als doppelveranstaltung mit dem stadtrivalen im praterstadion. besonders gelungen...

yes, frühschoppen..
10h sonntag vormittag wr. derby

und zum mittagessen wieder zaus, lang lang ists her

Ein schöner Blick in eine andere Fußballzeit.

Irgendwie war die für mich authentischer und symphatischer, auch wenn man die Sport-Art Fußball von damals mit der heutigen Art von Fußball nicht mehr vergleichen kann.

Aber gut das ist halt der Lauf der Zeit.

der edi krieger ! ich dachte ...

... der war immer Linzer wie der heli köglberger.
idol von allen linzer spielplatzkickern.

der edi war ein waschechter wiener, der im durdak glebt hat!

Und Ihr sprecht von Tradition.....belügt Euch selbst! Die Zeit ist vorbei!

Manche Fans: "....damals....", was nicht alles war....wen interessierts...
Fragt einmal Spieler unserer Mannschaft (geht bei jedem Verein, auch Rapid), 95% haben nichts mehr mit Tradition am Hut! Nur Geld, Gier, Frauen, Autos...! Wechsel von einem Verein zum anderen...weils Ihnen einfach scheiß egal is...die Zeit ist eine andere!

Aber träumen dürft Ihr noch, solange Ihr könnt!

Wenn ich mir das Gekicke von damals ansehe...muss ich lachen...Standfussball vom Feinsten, ohne Abseits einfach vor Flanken, etc....! Lächerlich!

naja, viel ahnung dürftest du nicht haben, aber warte einfach ab, irgendwann schwärmst du auch von "deiner" guten alten zeit....

Sag mal wie alt oder sollt ich besser schreiben jung bist du eigentlich? Ja, der Fußball hat sich verändert, aber das ist doch kein Grund sich deshalb nicht mit dem Fußball von damals auseinanderzusetzen, aber es zwingt dich ja eh niemand. Du selbst wirst nunmal auch nicht mehr jünger. Dann wirst wohl auch du dich mal an das ein oder andere Spiel oder an Spieler zurückerinnern. Klingt für mich so als hättest du ein bissal Panik vorm älter werden.

ignore.

Über denn Fußball von damals kannst du nur lachen,ich sag dir etwas viele die heute im Team spielen die hätten damals nicht einmal bei ihren Stammklubs eine Wäsch da konnen sie noch so rennen die hätt´n keine Kugel berührt.

Ich sag ihnen was:

Die sich selbst verklärenden Freunde der Pausenschnitzelsemmel + Krügerl von damals kann man im heutigen Fußball nach 30 Minuten ins Sauerstoffzelt schicken!

Ganz im Gegenteil, die würden ihre überlegene Technik und Ballbehandlung dazu nützen, dass die Leichtathleten von heute gar nicht mehr aus der Hösche herauskommen.

Ja sicher!

Ich sag ihnen was: Junuzovic und Baumgartlinger wären damals Aliens gewesen, wo die Tricksalan von damals nur blöd gschaut hätten, wie man Fußball mit Dynamik, Tempo und Effizienz spielt.
Bei ihnen würde aber auch im Schach Wilhelm Steinitz Magnus Carlsen mit kreativen Varianten überraschen, gell? ;-)

sorry, aber dem kann ich ganz und gar net beipflichten. in absolut jeder sportart gab es logischerweise veränderungen im laufe der jahre, ich kann doch bitte schön nicht die zeit von damals 1:1 mit der heutigen vergleichen. sieh dir beispielsweise skirennen aus der ära des klammer-franzls an ... der hätte heutzutage natürlich auch kein leiberl mehr. was aber nüsse daran ändert, dass er zur DAMALIGEN zeit ein ausnahmekönner war.

du kannst gern lachen, auch über Dich wird gelacht werden

da ja rapid in den jahren davor und dannach am öftesten meister geworden sind, kann man sie ja sozusagen als rekordmeister der lächerlichkeit betrachten

netter artikel, erinnert ein wenig an 11freunde. gerne mehr davon.

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