Familie Zogaj auf der Suche nach "Normalität"

25. November 2010, 19:43
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Dass die Zogajs ihr Leben in Österreich unterbrechen mussten, stößt bei kosovarischen Behörden auf Unverständnis

Linz/Prishtina - So groß die Freude über die Rückkehr Familie Zogajs nach Österreich auch sei: Ein langes, belastendes Hin und Her, gefolgt von einer Einzelfalllösung wie bei ihnen sei für die vielen anderen ungelösten "Bleiberechts" -Fälle kein gangbarer Weg, sagte Volkshilfe-Präsident Josef Weidenholzer am Donnerstag in Linz. Wer länger als fünf Jahre hier und "gut integriert" sei, solle für immer bleiben dürfen, wiederholte er bei einer Pressekonferenz eine Forderung von Ausländerberatungs-NGOs und den Grünen.

"Überraschende" Einreise

Bei den Zogajs, die seit Mittwoch mit vorübergehenden Visa wieder im Land sind, stünden diese Chancen gut, sagte Weidenholzer. Dabei sei die Wiedereinreise nach den vielen bürokratischen Hürden für sie selbst "überraschend" gekommen, schilderte Volkshilfe-Mitarbeiter Christian Schörkhuber: Die Nacht vor dem Abflug hätten Nurije (49), Arigona (18), Albin (11) und Albona (10) Zogaj vor Aufregung nicht geschlafen.

Nach der Landung in Wien habe man sie mit einem Bus zu einem Tor am Rand der Flugfeldes gebracht, um sie vor Journalisten zu schützen. Jetzt sei vor allem "Normalität" gefragt: Schon am Donnerstag ging Arigona wieder zur Schule, Mutter Nurije soll kommenden Montag an ihren alten Arbeitsplatz in einer Geflügelfabrik zurückkehren - und Albin und Albona sollen wieder die Frankenburger Volksschule besuchen.

Gemischte Gefühle

Dabei herrschen Zweifel, ob die Familie in Frankenburg willkommen ist. Bürgermeister Franz Sieberer (SP) hat sich mehrfach ablehnend geäußert, Quartiergeber Christian Limbeck-Lilienau befürchtet Druckausübung. Schörkhuber relativiert: "Die Zogajs haben in Frankenburg auch sehr viele Freunde und Unterstützer."

"Worin besteht der Sinn?"

Nicht nachvollziehen kann man die österreichische Aufregung um Familie Zogaj in Prishtina. Besnik Vasolli, zuständig für die Rückkehr von Kosovaren im dortigen Innenministerium, ist über die Vorgangsweise der österreichischen Behörden erstaunt. "Die hätten von vornherein den Fall klar prüfen sollen. Worin besteht der Sinn, dass die Familie zunächst repatriiert wird und wir uns um Reintegration bemühen - und dann bekommen sie doch wieder ein Visum?" , fragt Vasolli im Standard-Gespräch.

Jetzt könnten Roma oder Albaner, die in den Kosovo zurückgekehrt sind, den Fall Zogaj zum Anlass nehmen, um ihr Verhalten zu ändern. "Sie könnten denken, dass sie eine Rückkehrchance in den Westen haben, wenn sie sich nicht registrieren lassen oder nicht in die Schule gehen. Das ist das falsche Signal" , meint Vasolli. Die Repatriierten könnten versuchen, Kontakt zu Medien und damit Aufmerksamkeit zu bekommen.

"Die fühlen sich doch zu Hause"

Prinzipiell versteht der kosovarische Ministeriumsbeauftragte nicht, weshalb Staaten Menschen zurück in den Kosovo schicken, die schon lange Jahre im Westen leben: "Die fühlen sich doch dort zu Hause."

Seit dem Kriegsende 1999 kehrten zehntausende Kosovaren in ihre Heimat, die sich 2008 für unabhängig erklärt hat, zurück. 2009 wurden etwa 2000 Kosovaren aus Mitteleuropa, vor allem aus Deutschland, abgeschoben. (awö, bri, mro, DER STANDARD Printausgabe, 26.11.2010)

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    Arigona Zogaj - hier 2007 bei einer Pressekonferenz - und ihre Familie sind im oberösterreichischen Frankenburg nicht nur willkommen

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