Studium + Beruf = Burnout?

15 Prozent aller Studierenden sind von Burnout betroffen - Wegen der Doppelbelastung durch Beruf und Studium gehören die Berufstätigen unter ihnen zur größten Risikogruppe

"Damals wurde mir bewusst, dass es so nicht mehr geht", erinnert sich Bernhard, der kurz vor dem Abschluss seines Soziologiestudiums steht. Vor zwei Jahren wurde dem heute 27Jährigen alles zu viel: "Ich hatte zwei Jobs und obwohl ich über 30 Stunden in der Woche gearbeitet habe, war das Geld ständig knapp", sagt er und ergänzt "Dazu kam dann ein großer Frust, weil im Studium nichts mehr weiter gegangen ist". Doch es blieb nicht beim Frust: Antriebslosigkeit und Müdigkeit, schlechte Laune, Erschöpfungsgefühle, Unkonzentriertheit und Gereiztheit kamen hinzu. Bernhard fühlte sich ausgebrannt.

Ausgebranntsein

15 Prozent aller Studierenden gaben im Rahmen der letzten Studierendensozialerhebung an, von Burnout beziehungsweise einzelnen Symptomen betroffen zu sein. Die Gründe für das (drohende) Ausbrennen" der Betroffenen sind schnell angeführt: Es sind vor allem der permanente Leistungsdruck und die damit einhergehenden Versagensängste, die Doppelbelastung durch Studium und Beruf, finanzielle Schwierigkeiten und private Sorgen, die auslaugen. Besonders dann, wenn sie in Kombination auftreten.

Teufelskreis Studium-Arbeit-Geld 

Vor allem das Zusammenspiel von Erwerbstätigkeit und Studium erhöhe die Wahrscheinlichkeit eines massiven Erschöpfungsgefühls, sagt Franz Oberlehner, der die Psychologische Studierendenberatungsstelle in Wien leitet. Bereits ein Job im Ausmaß von zehn Stunden in der Woche bedeute eine enorme Zusatzbelastung für Studierende, ergänzt der Psychologe. "Ich habe viel gearbeitet um mich über Wasser zu halten, war dann meistens zu fertig, um noch etwas für die Uni zu machen und mitten im Teufelskreis Studium-Arbeit-Geld", bestätigt Bernhard.

Vereinbarkeit?

Für Stress unter Studierenden sorgt vor allem die zumeist schlechte Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Studium: Von den Vollzeit-erwerbstätigen Studierenden berichten mehr als 70 Prozent von Vereinbarungsschwierigkeiten. Im Gegensatz zu den "nur" gelegentlich erwerbstätigen StudentInnen steht ihnen in Bezug auf ihre Arbeitszeit weniger Flexibilitätsspielraum zur Verfügung. Die Vereinbarkeit von Studium und Erwerbstätigkeit hängt aber nicht nur von der individuellen Studienorganisation und unterstützenden ArbeitgeberInnen bzw. Vorgesetzten, sondern auch davon ab, inwieweit die jeweiligen Hochschulen die Bedürfnisse erwerbstätiger Studierender berücksichtigen. Hier können sich die Universitäten etwas von jenen Fachhochschulen, die auf Bedürfnisse erwerbstätiger Studierender zugeschnittene, berufsbegleitende Studiengänge anbieten, abschauen.

Strukturelle Maßnahmen

In den speziell für Erwerbstätige konzipierten Fachhochschul-Studien werden Vereinbarkeitsschwierigkeiten auf unterschiedliche Weise abzumildern versucht. Von den Zwischenergebnissen einer noch laufenden Langzeitstudie der FH Wien-Studiengänge der WKW über Burnout-Prävention bei Studierenden ausgehend, werden derzeit strukturelle Maßnahmen erarbeitet, die dem Burnout von berufsbegleitend Studierenden an den FHs entgegenwirken sollen. "Diese Maßnahmen betreffen vor allem die Studienorganisation", führt Gudrun Gaedke, Projektleiterin der Studie, aus. Konkret gehe es beispielsweise um eine bessere Verteilung der erforderlichen Semesterwochenstunden auf das gesamte Semester oder auch "um eine bessere Streuung der Prüfungen", die derzeit alle innerhalb einer Woche stattfinden. Auch kleinere Maßnahmen in den einzelnen Lehrveranstaltungen könnten dazu beitragen, das Belastungsgefühl der Studierenden zu reduzieren: „Wenn Gruppenarbeiten in kleineren Gruppen stattfinden, wird der Koordinierungsaufwand für die involvierten Personen maßgeblich reduziert. Das spart viel Zeit", sagt Gaedke.

Zeit- und Leistungsdruck 

Die Furcht, Studienzeit zu verlieren, ist seit Einführung der Bologna-Architektur bei den Studierenden so präsent wie noch nie zuvor. Durch die extrem verschulte Studienstruktur kann schnell ein Semester verloren werden, etwa wenn man keinen Lehrveranstaltungsplatz mehr bekommt oder eine Prüfung nicht besteht. Ob der permanente Zeit- und Leistungsdruck, der durch die Einführung des Bologna-Systems weiter verstärkt wurde, seinen Ausdruck in einer steigenden Nachfrage am Angebot der psychologischen Studierendenberatung findet? Den Eindruck habe er zum Teil schon, sagt Franz Oberlehner, der Leiter der Beratungsstelle, auch wenn er ihn nicht mit Zahlen belegen könne. Noch nicht. (Meri Disoski, derStandard.at, 26.11.2010)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 79
1 2 3

Ich habe im Herbst genau sowas vor... als bereits Burnout-Geprüfter, weiß ich, worauf ich mich einlasse und bin mir auch des Stresspensums bewusst. Deshalb versuche ich mich auch bis dahin im Selbstmanagement soweit zu bringen, dass ich mir selbst nicht die Kugel geben muss.

Darunter fällt mal das richtige Lernen lernen, Gedächtnistraining, Training des besseren Lesens & Behaltens... usw. Ich hoffe eben, dass ich mir damit ein paar gute Werkzeuge in die Hand gebe, um eventuell "Frei-Zeit" zu gewinnen. Mal sehen...

Und die Bildungsspirale dreht sich weiter ...
gut für die Unternehmen, schlecht für die Menschen und Familien und das soziale Gefüge.
Die Bildungswut vieler Personen hat schon etliche Beziehungen zerstört.

Wo früher ein Lehrabschluss notwendig war, ist jetzt die Matura das Minimum bzw. steht oft in der Stellenbeschreibung "Studium von Vorteil": Soll heißen, wer ein Studium hat, wird zwar leichter den Job bekommen, aber trotzdem nur das Maturantengehalt.

Mehr Bildung, mehr Qualifikationen, aber trotzdem nicht mehr Geld - so sieht die Gegenwart und Zukunft aus.

Hab ich auch schon hinter mir

Vollzeit Job (>38h) + Abendschule HTL (16h).

Mögliche Freizeit gibt es also nur noch von Fr Nachmittags bis Sonntag, lernen muss man natürlich auch irgendwann.

Fehlende Zeit geht auf kosten des Privatlebens, für Freunde hat man kaum noch Zeit.
Wer keine Zeit für Freunde hat hat dann auch bald nicht mehr viele davon.

Das 1. Semester ging noch ganz gut. Im 2. Semester kam es dann zu ersten Schwierigkeiten und im 3. musste ich dann die Notbremse ziehen (Von Depressionen bis Kreislaufproblemen war alles dabei).

Ich bin dann noch ein ein Jahr Arbeiten gegangen und jetzt in Bildungskarenz - nächstes Jahr dann Studium (vermutlich) Vollzeit.

Frau + Kinder = Megaburnout

hatte ich auch einmal, 4 jahre abendschule 20h/woche + 30h arbeiten. beziehungen und freunde gingen drauf. nun studiere ich 35h/woche (inkl. lernen und seminararbeiten) und arbeite 30h pro woche und bin froh wenn es bald vorbei ist, denn lustig ist es wirklich nicht!

Sie wollen also sagen, dass Sie nicht belastungsfähig sind? *ironie off*

Habe vor kurzem geschrieben, dass wir in diesem System leider so weit abgerichtet sind, dass wir garnicht mehr mitbekommen, in welch einer Legebatterie wir uns bereits befinden.

"Sie wollen also sagen, dass Sie nicht belastungsfähig sind? *ironie off*"

Ha, Sie meinens ironisch, aber ich stecke seit c.a. 2 Jahren in derselben Situation wie der Vorposter, und mein Arbeitgeber hat mir als ich keine Begeisterungsrufe von mir gegebenhabe tatsächlich die ominöse Frage gestellt: "Wir machen uns Sorgen um Ihre Belastbarkeit".

Naja, ich hab schon auch Fehler gemacht.
So hatte ich zum Beispiel praktisch kein Zeitmanagement und meine Lernmethodik war auch nicht die beste.

Aber ich weiß schon worauf Sie hinaus wollen. Warum tut man sich so etwas überhaupt an?

Naja, man wacht eines Tages auf ist 21 Jahre alt, hat seinen Lehrabschluss und bemerkt das man bereits am Ende seiner Karriere angelangt ist.
Und dann kommt einem der Gedanke: Das soll ich jetzt 45 Jahre lang machen? Da kann ich mir auch gleich die Kugel geben...

'karriere mit lehre', hat man mir damals auch gesagt.
nach dem bundesheer abends studienberechtigungsprüfung, dann neben der arbeit technische informatik studiert.
hat wegen der vollzeitbeschäftigung 3 jahre länger gedauert, dafür nach einem jahr einen job in der branche gefunden mit dessen praxis ich mehr anfange als mitstudenten die zwar in knapper mindestdauer fertig wurden dafür aber keinen adäquaten job finden weil eben praxis fehlt.

Meine Tips:

Firmen neigen oft dazu diejenigen die sich weiterbilden zu "Pushen".
Man wird befördert und trägt mehr Verantwortung. Das führt dann meist auch zu einer höheren Belastung durch den Beruf.

Öfters mal darüber nachdenken wann man zuletzt etwas für sich getan hat. Zum Beispiel: Wann hatte ich das letzte mal Spaß?
Wenn das schon sehr lange zurück liegt oder man sich gar überhaupt nicht mehr daran erinnern kann sollte man dringend etwas ändern.

Besser weniger arbeiten und den Lebensstandard etwas zurückschrauben als nur noch für Beruf und Ausbildung zu leben.

zunächst: klar ist es anstrengend und es ist sicher nicht jeder gleich geeignet dafür, zu arbeiten UND gleichzeitig zu studieren.
ich bin der meinung, man muss auf sich selber schauen und auch mal ein semester sausen lassen, wenn man merkt, dass es sich nicht ausgeht. sprich: seine grenzen kennen(lernen) und nicht dauerhaft darüber arbeiten, sonst wird sich der verlust von zeit ohnehin einstellen, allerdings in unangenehmerer form.
aber es ist eine gute schule fürs leben und ich kann es jedem empfehlen, alleine schon deshalb, weil studium immer lediglich vorbildung ist und man das wirkliche arbeiten in keiner bildungseinrichtung lernt, sondern, davon bin ich überzeugt, nur im beruf.

vollzeit arbeiten und studieren/abendschule sind praktisch eine garantie für burnout...ich habs ein jahr ausgehalten, bis ich glaubte, den verstand zu verlieren...jetzt arbeite ich nur noch 20 stunden, das geht so. nur einer hat es 3 jahre ausgehalten, und dem sieht man es schon ziemlich an.

sorry, aber wer das nicht durchhält wirds auch in einem job danach nicht schaffen. vor allem da die jobs während dem studium (so hoffe ich für die betroffenen) weniger anspruchsvoll sind als jene die mit erfolgtem studium ausgübt werden.

was dazukommt ist meines erachtens auch der stressfaktor nebenbei. wer up to date bleiben will ist heute mit einem informationsüberangebot eingedeckt mit dem viele nicht umgehen können. die vielgepriesenen sozialen netzwerke funktionieren nur wenn man gewillt ist ihnen tagesfreizeit einzuräumen. dazu muss man noch blogs und onlinemedien lesen damit man nicht als depp dasteht.
das läppert sich...

wer muss bitte blogs lesen um nicht als depp dazustehen? posten sie aus der zukunft?

da man hier keine romane schreiben kann (und sie auch keiner liest)= wollte ich verkürzt darstellen das viele menschen nicht mit den modernen medien klarkommen.
war fürher die morgenzeitung und die zib1 die hauptsächliche informationsquelle so hat heute jeder der mobil oder lokal einen internetanschluss hat pausenlos die möglichkeit (und das wird teilweise als zwang ausgübt/erlebt) informationen zu sammeln und davon ausgehend weitere zu suchen.
in meinem persönlichen umfeld kenne ich einige die damit schwer überfordert sind obwohl sie es selbst nicht merken...

10 Signs That The Matrix Has You

1. You’ll believe it when you see it.
2. Your purchases are status symbols.
3. Excessive concern with approval.
4. You follow the herd.
5. You never want to rock the boat.
6. You believe in fate.
7. You are a victim.
8. You don’t make your own decisions.
9. You’re a slave to your emotions.
10. You’re completely unaware of any of the above.

danke jetzt ist es zu spät.

hab das thema schon durch. interessant ist nur, dass es einen für immer verändert, weil eine art dauerhafter schädigung zurückbleibt.

von FH´s abschauen? haha!

ich bin derzeit in einem masterstudium eines "berufsbegleitenden" studienganges. im september haben wir die info erhalten wir müssen die masterthese schon ende oktober abgeben statt ende november sonst geht sich der prüfungstermin ende jänner nicht aus (eigentlich war ende februar geplant) und gerade von der wko habe ich gehört, dass sie studientage verschiebt und den studenten mitteilt sie müssen später in einer höheren position im berufsleben auch flexibler agieren. der studiengang ist übrigens auch berufsbegleitend.

aja, berufsbegleitend: es kommt darauf an was man beruflich macht! stehe ich auf eigenen beinen in einem vollzeitjob in dem ich noch mehr- und überstunden leisten muss, oder arbeite ich 20h bei papa in der anwaltskanzlei?

Studium+Leistungssport(ca. 23h/Woche)+Freizeit=mir geht's blendend.

Eine Sache der Organisation und pers. Einstellung.

Ich hab das selbe eine Zeit lang praktiziert und arbeite nun vollzeit neben dem Studium (Leistungssport betreibe ich keinen mehr)

Die beiden Situationen sind kaum vergleichbar!

Der Leistungsdruck des Leistungssportlers kommt (optimalerweise) von sich selbst. Verein, Sponsoren und sonstiges Umfeld unterstützen einem dabei, seine eigenen (eigentlich für die Allgemeinheit recht sinnlosen) Ziele zu realisieren.

Arbeitende Menschen müssen mit externen Leistungsdruck zurechtkommen. Sie müssen Leistungen für andere erbringen, die deren Qualitätsmaßstäben gerecht werden müssen.

Ganz andere Baustelle!

Jo - wenn da Papa a G'stopfter ist, läßt es sich leicht lästern, gelle?

Pisa und so....

Wo lesen Sie raus, dass der Vater des Vorposters gstopft ist?

Unabhänig von...

...der Tatsache wie Sie sich ihr Leben finanzieren, stelle ich fest, dass Sie in Ihrer Rechnung den Faktor ARBEIT gar nicht berücksichtigen. Ich nehme an, dass sie von jemanden gesponsert (ob nun Verein oder Eltern sei dahingestellt). Sie sehen nicht, dass es nicht für jeden möglich ist als Leistungssportler 'zu arbeiten'! Die Annahme, dass Studieren ohne Arbeit, eine reine Organisations-und Einstellungssache ist, ist eine infantile Fehlannahme!

mfG

ein Sportwissenschaftsstudent (der nebenbei 25/h pro Woche arbeitet)

Na, dann ersetzen Sie den Sport durch Arbeit.

Wuerde bei mir nichts aendern.

Ich hab natürlich wenig Ahnung von Leistungssport aber ich nehme doch an das man sein Training einfacher an seine persönlichen Bedürfnisse anpassen kann als einen Job bei dem man einfach zu fixen Zeiten anwesend sein muss.

Posting 1 bis 25 von 79
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.