Asiatischer Marienkäfer ist ein viel besser gerüsteter Eindringling

25. November 2010, 16:45
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Abwehrmechanismen von einheimischem und invasivem Marienkäfer gegen Erreger untersucht

Der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) trotzt Krankheitserregern wesentlich besser als der einheimische Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata). Das Blut bzw. genauer die Hämolymphe des Einwanderers aus Asien entfaltet eine bis zu 1000-fach stärkere Wirkung gegen Bakterien und Pilze als das einheimischen Glücksbringers. Das haben vergleichende Untersuchungen mit beiden Arten am Julius Kühn-Institut (JKI) im deutschen Dossenheim ergeben.

Sie untermauern einen aktuellen Trend, den Wissenschaftler mit Sorge beobachten: Der invasive Asiatische Marienkäfer breitet sich immer weiter aus, denn er vermehrt sich schneller als unsere einheimischen Arten und hat durch die gute Abwehr von Krankheitserregern auch bessere Überlebenschancen.

"Das Überleben der Käferlarven, also ihre Fähigkeit Kinderkrankheiten zu überstehen, ist ein Schlüsselfaktor dafür, dass sich nicht heimische Käferarten in unseren Breiten etablieren können", sagt Jürgen Gross. Der Wissenschafter vom JKI untersucht, welche schützenden Substanzen die Käfer in die Wiege gelegt bekommen und wie ihr Immunsystem auf verschiedene Krankheitserreger reagiert. Das Forscherteam brachte dazu Käfer und deren Larven mit Bakterien und Pilzen in Kontakt und entnahm ihnen dann geringe Mengen ihres Blut. Dieses wurde auf seine antimikrobielle Wirkung auf die Mikroorganismen untersucht.

Auch ungeimpft stark

Die Wissenschafter stellten fest, dass das Blut der asiatischen Marienkäfer und ihrer Larven das Bakterien- und Pilzwachstum hemmte. "Zu Beginn wollte ich meinen Augen nicht trauen", berichtet Gross. "Die antibakterielle Wirkung des Käferblutes war ähnlich stark wie das eines bekannten Antibiotikums, das wir als Kontrolle benutzten", so Gross. Die antimikrobielle Wirkung des Blutes des Asiaten war immer gleich stark, unabhängig davon, ob die Käfer vorher infiziert worden waren oder nicht.

Im Vergleich dazu wirkte das Blut einheimischer Siebenpunkte nur gegen einige der Erreger. Außerdem war beim Siebenpunkt nur dann eine antimikrobielle Wirkung zu beobachten, wenn die Tiere zuvor mit einem abgetöteten Krankheitserreger in Berührung gekommen waren, das Immunsystem also wie bei einer Impfung einen Impuls erhalten hatte.

Neben der antimikrobiellen Aktivität der Körpersäfte der Käfer untersuchten die Forscher vom Julius Kühn-Institut auch die Wirkung der Duftwolke, die die Tiere umgibt. Drei der flüchtigen Substanzen aus der Duftwolke von erwachsenen Asiatischen Marienkäfern hemmten in den Tests ebenfalls das Wachstum von Bakterien und Pilzen. "Diese natürlichen Substanzen sind auch vor dem Hintergrund von zunehmenden Antibiotikaresistenzen von Bedeutung", so der Wissenschafter.

Für ihn als chemischen Ökologen bleibt jedoch erklärtes Ziel zu verstehen, wie sich bestimmte Insektenarten durch Substanzen, die sie produzieren, einen evolutionären Vorteil verschaffen. Im Fall des Marienkäfer-Einwanderers aus Asien ist nun ein weiteres Puzzleteil hinzugekommen, das hilft zu verstehen, warum er sich in Deutschland so gut etablieren konnte. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind jetzt im Journal of Chemical Ecology erschienen.

Nützling und Schädling

Ursprünglich war der Asiatische Marienkäfer nur in Ostasien verbreitet. Zur biologischen Bekämpfung von Blattläusen wurde er in Europa erstmals 1982 in Süd-Frankreich eingesetzt. Seit 2002 kommt es in Deutschland verbreitet zu Massenvermehrungen, wo die Käfer in und an Häusern vor allem im Herbst Schlagzeilen machen. Inzwischen ist der Asiatische Marienkäfer in ganz Deutschland und nahezu ganz Europa vertreten und gewinnt in pflanzenbaulichen Kulturen immer mehr an Bedeutung. Manche Kulturen profitieren von dem nützlichen Schädlingsvertilger. Für andere stellt die Art eine potenzielle Bedrohung dar. So kann es im Weinbau zu wirtschaftlichen Schäden kommen, wenn eine größere Zahl an Tieren bei der Ernte mit ins Lesegut geraten. (red)

  • Ein Asiatischer Marienkäfer labt sich an einem Pfirsich. Der Eindringling aus dem Osten verfügt über ein effektiveres Krankheits-Schutzschild als der einheimische Siebenpunkt-Marienkäfer.
    foto: j.gross/julius kühn-institut

    Ein Asiatischer Marienkäfer labt sich an einem Pfirsich. Der Eindringling aus dem Osten verfügt über ein effektiveres Krankheits-Schutzschild als der einheimische Siebenpunkt-Marienkäfer.

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