Gut für die Psyche

Mit 55 in die Pension

25. November 2010, 16:14
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    Foto: Rainer Sturm/www.pixelio.de

    Frühes Arbeitsende ist gut für die Psyche, aber schlecht fürs Gel.

Studie zeigt keine Vorteile früher Pensionierung für körperliche Gesundheit - Geringer Anstieg depressiver Symptome

Stockholm - Früher in Ruhestand zu gehen bringt Vorteile - zumindest für die psychische Gesundheit. Forscher der Universität Stockholm haben die Daten von mehr als 14.000 Mitarbeitern des Stromdienstleisters National Grid ausgewertet und herausgefunden, dass ein Arbeitsende mit 55 Jahren für die meisten eine große Erleichterung ist. Vorteile für die körperliche Gesundheit konnten jedoch nicht nachgewiesen werden.

Experten gehen davon aus, dass es sich um eine sehr komplexe Fragestellung handelt. Eine frühere Studie war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Ruhestand sich auch negativ auf die Gesundheit auswirken kann. Jene, die mit dem Beginn des Ruhestandes völlig aufhören zu arbeiten, verfügen über ein höheres Risiko bei Herzanfällen, Krebs und anderen schweren Erkrankungen.

Gut für das Selbstbewusstsein

Psychologen argumentieren, dass eine Arbeit, die Spaß macht, gut für das Selbstbewusstsein und das Wohlbefinden ist. Davon profitiert auch die körperliche Gesundheit. In einem stressreichen Job zu bleiben, kann allerdings negative Auswirkungen haben.

Für die aktuelle Studie beobachtete das Team um Hugo Westerlund die Mitarbeiter 15 Jahre lang. Dieser Zeitraum umfasste die Entscheidung, das Angebot eines frühen Ruhestandes mit 55 Jahren anzunehmen, sowie die folgenden Jahre. Ein Jahr vor dem Ruhestand litt ein Viertel der Mitarbeiter an Symptomen einer Depression, einer von zehn Mitarbeitern wurde gegen Krankheiten wie Diabetes oder Herzerkrankungen behandelt. In der Pension verringerte sich die psychische und körperliche Erschöpfung deutlich. Bei depressiven Symptomen kam es jedoch zu einem geringen aber dennoch signifikanten Anstieg.

Rückgang von Erschöpfungszuständen

Westerlund erklärte, dass die Arbeit für viele ältere Menschen anstrengend ist. Der Rückgang der Erschöpfungszustände könnte daher einfach die Folge des Wegfalles des Auslösers sein. Denkbar sei auch, dass Menschen ohne die Anforderungen der Arbeit einfach nicht mehr so stark bemerken, dass sie müde sind. Der Ruhestand könnte aber auch einfach mehr Zeit für entspannende Aktivitäten bringen.

Entscheidend sei, dass diese Studienergebnisse zeigten, dass das Arbeitsleben selbst verändert werden sollte. Die Anforderungen sollten angepasst werden, wenn Menschen länger arbeiten, damit das auch bei guter Gesundheit geschehen kann. Möglich wäre das über mehr Teilzeitarbeit oder eine Veränderung des Jobs.

Demoralisierend und diskriminierend

Zu berücksichtigen ist aber auch, ob der Ruhestand freiwillig ist oder nicht. Aktivisten haben argumentiert, dass ein mit dem Erreichen eines bestimmten Alters angeordneter Ruhestand demoralisierend und diskriminierend sein kann. Manche Mitarbeiter sind aus finanziellen Gründen gezwungen weiterzuarbeiten.

Michelle Mitchell von Age UK erklärte, dass ein frühes Arbeitsende für die Gesundheit mancher Menschen Vorteile bringen könne. Für den Großteil der Menschen sei ein Ruhestand mit Mitte 50 einfach keine finanziell sinnvolle Option. Dem frühen Ruhestand stehe nämlich in Großbritannien die Anhebung des staatlichen Pensionsalters auf 66 Jahre gegenüber. (pte)

Die Studie (Effect of retirement on major chronic conditions and fatigue) wurde im British Medical Journal veröffentlicht.

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Gesundheit am Arbeitsplatz - Flexible Arbeitszeiten sind auch belastend

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
Balkonbepflanzer
00
28.11.2010, 08:16
Es gibt 2 Möglichkeiten wenn man in der Arbeit unglücklich ist.

Entweder ich zieh die Konsequenz und kündige, oder ich überlege, warum ich das nicht kann: ich brauch das Geld, ich wohne entlegen, etc. Üblicherweise ist man zu träge, um den Job zu wechseln und erfindet allerhand Ausreden. Aber kann ich nicht wechseln, muß ich mich mit meinem Job neu identifizieren, und schauen, dass ich in der Arbeit besser zu recht komme. Und vielleicht auch mehr mit Kollegen arbeite und weniger gegen den Chef.

Sabine Werner
05
27.11.2010, 19:01

Ich glaube auch das ganze schädliche an der Arbeit ist einfach der letztklassige Umgang mit Mitarbeitern, die Nichtanerkennung unter dem Motto nichts gesagt ist genug gelobt, das über den Tisch ziehen bei versprochenen Prämien - Stichwort Karotte vor der Nase - usw. usw. usw. Kein Wunder daß sich immer mehr Menschen - meist eh unfreiwillig - endlich in die Pense verabschieden wollen. Wenn ich einen Arbeitgeber hätte der Arbeit anerkennt, monetär und menschlich, einen fördert statt immer nur fordert und nix zurückgibt - würde ich auch gerne länger arbeiten. Wird aber so wie es jetzt aussieht, sicher nicht darauf hinauslaufen.

Schnick
04
26.11.2010, 00:22
Vom Chef gerüffelt zu werden oder

ein Theater wegen 5 Minuten Verspätung fussfrei geniessen zu dürfen hält also jung im fortgeschrittenen Alter. Und wer das gut übersteht, der ist anscheinend auch resistent gegen div. Krankheiten.

Heavyweather
00
28.11.2010, 02:11

Ignorierst den Chef halt einfach und wenn er weg schaut verdrehst die Augen...ist gesund für die Psyche.
Solange der nur nörgelt.

Man darf halt nicht so ein Vaserl sein wie dem Schäubl sein Pressesprecher.

Dagmar Rehak Wien
 
00
26.11.2010, 12:31

Du sprichst genau das an, was WIRKLICH an Arbeit schädlich ist. Ich glaube aber, dass das eher anfälliger für Krankheiten macht.
Wenn keiner mehr seinen Frust an anderen auslassen würde und niemand in der Früh beim Aufstehen hetzen muss, würden wir gesund und glücklich bis an unser Lebensende arbeiten und auch noch Spaß daran haben.
Schon die jungen Leute sollen lernen, sich sowas nicht hinzunehmen. Man verliert nicht gleich den Job, wenn man einfach nur sagt: "Schreien Sie mich nicht an!", im Gegenteil. Und man kann auch vereinbaren, dass man nicht vor Sonnenaufgang aufsteht, also erst ca. eine Stunde nach Sonnenaufgang am Arbeitsplatz erscheint.

lieschen müller
46
25.11.2010, 21:43
einfach

Vereinfacht gesagt,Menschen die sich über den Job definieren,leiden wenn sie ihn verlieren. Menschen die sich über das Privatleben definieren,blühen auf.
Und an alle Jungen,die sich so benachteiligt vorkommen:Versucht Euch vorzustellen,ob Ihr Eure heutigen Meinung nach 40 oder 45 Arbeitsjahren noch genauso vertreten würdet-ich glaube es nicht.

DerMäx
04
25.11.2010, 22:35

Lieschen Müller, auch wenn es sich egoistisch anhören sollte:

Ich habe nichts, absolut überhaupt nichts dagegen, dass Leute mit 55 in Pension gehen, und ich das über meine Abgaben mitfinanzieren muss.

Ich will doch nur eine einzige Sache: Selber unter ähnlichen Bedingungen auch mit 55 in Pension gehen zu können(von mir aus die paar eventuellen Jahre effektive Lebenserwartung noch aufgerechnet). - Das kann doch, ein klein wenig Egoismus steht man mir ja hoffenlich zu, nicht zu viel verlangt sein, oder?

Nichts anderes möchten die meisten Jungen in meinem Bekanntenkreis eigentlich auch haben, ich weiss auch nicht, wieso man den Jungen immer vorwirft, dass sie den Alten die Pension nicht gönnen. Das stimmt so nämlich einfach nicht.

Heavyweather
02
28.11.2010, 02:17

Eine andere Möglichkeit wäre z.B. ein Bedingungsloses Grundeinkommen für jeden. Jede Vorsorge darüber hinaus bleibt Privatsache.

So kann man die Pension deckeln und gleichzeitig haben junge Familien mehr Geld zur Verfügung.
Keine Scherereinen mit Familienbeihilfe und wieder einen gesunden Arbeitnehmermarkt.
Mehr Teilzeit, mehr Freizeit, mehr Arbeitsmöglichkeite, mehr Bildung,...

http://bit.ly/9IWwU0

DerMäx
03
25.11.2010, 22:40

Beispiel: Meine Ex-Nachbarn... er ging mit 51 von der Berufsfeuerwehr in die Pension, seine Frau, Kindergärtnerin, ging zum selben Zeitpunkt als 42jährige aus psychischen Gründen in Frühpension. Die beiden wohnen seit 14 Jahren bei bester Gesundheit in Phuket und haben nicht viel weniger Pension als meine Freundin und ich, beide vollzeitbeschäftigt, Einkommen haben.

Hab ich nichts, wirklich gar nichts dagegen, nur befürchte ich, dass uns das nichtmal mit 65 vergönnt sein wird, oder gar mit 70, weil dann vielleicht irgendwelche Schmähs erfunden werden, die Pensionskürzungen beim Konsum im Ausland nach sich ziehen, oder....,....

Ich zahl halt nicht gerne Luxuspensionen ohne selber zu wissen was mit mir im Alter sein wird.

lieschen müller
03
25.11.2010, 23:16
Luxus oder auch nicht II

In Wirklichkeit gehts auch nicht um alt gegen jung,sondern wie so oft um die Besitzstandswahrer die erfolgreich verhindern,dass sich für sie selbst etwas verschlechtert.Und das sind auch die Gruppen, die politisch am Besten vertreten sind.Damit ist garantiert,dass sich nichts ändert,der ASVG Versicherte hat nur Geld aber keinerlei Macht und keine Vertretung,damit ist sein Schicksal als ewiger Zahler besiegelt.

hanslblasta
00
26.11.2010, 07:03
"der ASVG Versicherte hat nur Geld aber keinerlei Macht und keine Vertretung"

mit Verlaub, zum ersten sind die Sozialversicherungen selbstverwaltet, zum zweiten sind auf allen Ebenen der diversen Steuerungsgremien auch Arbeiterkammer und Gewerkschaft vertreten;

was oft übersehen wird: das soziale Risiko des einzelnen wird von allen Mitgliedern der Versichertengemeinschaft solidarisch getragen; allein das ist schon eine große Lesitung; zum zweiten: um die Sozialbeiträge nicht ins Unendliche anwachsen zu lassen, müssen auch die Leistungen limitiert werden; höhere Leistungen, zB frühere Pension, müssen von allen Arbeitenden der jeweiligen Versichertengemeinschaft bezahlt werden;
bei den Pensionen schießt zusätzlich der Bund - also alle Arbeitenden - ganz erkleckliche Gelder zu;

lieschen müller
01
26.11.2010, 19:57
selbstverwaltet

"selbstverwaltet" ist natürlich ok in der historischen Bedeutung,heute sollte man aber kritisch hinterfragen,was die Selbstverwaltung für die Selbstverwalter für persönliche Vorteile gegenüber den Verwalteten bringt!Die österr. Selbstverwaltung hat sich z.B. die beste aller Welten gezaubert,mit Abfertigung und Eigenpension in Höhe von 80%!Die Solidargemeinschaft funktioniert auch innerhalb der ASVG Versicherten,die zahlen sich die Pensionen zu über 90% selbst.Der Bund schießt Geld zu überwiegend bei Beamten,Nationalbank,Politikern,ÖBB und dafür müssen die ASVGler zahlen!D.h.die Leistungen für die ASVGler werden immer mehr limitiert zugunsten der angeführten Partikularinteressen und das finden Sie ok?Dann gehören Sie vermutlich dazu!

hanslblasta
00
28.11.2010, 09:23

hä?

DerMäx
01
25.11.2010, 23:29

Da stimme ich absolut mit Ihnen überein.

Es entsteht bei mir aber immer stärker der Eindruck, dass aber eben dieses Ausspielen alt gegen jung von den Besitzstandswahrern nicht nur wohlwollend betrachtet, sondern sogar gefördert wird um von sich selbst abzulenken.

Auch interessant immer wieder das subtile Fördern von Diskussionen Mittelstand-arm.
Auch hier wird nach meinem Eindruck versucht dem Mittelstand zu suggerieren, dass er mehr zu den Reichen gehört, obwohl der Mittelstand der ASVG-Versicherten eigentlich die arme Wurst schlechthin ist, die auch noch den Schlächter in Form der ÖVP beim Urnengang huldigt. - Für perfekte Ablenkung sorgt dann eben das Arbeitslosenbashing.

lieschen müller
00
26.11.2010, 19:58
Buchempfehlung

Genau zu dem Thema gibts ein interessantes Buch "Hurra wir dürfen zahlen" kommt zwar von einer deutschen Journalistin,betrifft aber Österreich genauso und zeigt genau diese Zusammenhänge auf.Ich hab es gekauft und hoffe,irgendwann die Zeit zu finden,es auch zu lesen.

lieschen müller
06
25.11.2010, 23:16
Luxus oder auch nicht I

Ich verstehe Ihre Bedenken vollkommen,da es mir genauso geht.Dazu kommt,je länger die Berufstätigkeit dauert,desto näher rückt der Gedanke an die Pension.Für ASVG Versicherte hat es aber in den letzten 10-15 Jahren (also auch schon vor schwarz/blau!)immer nur Verschlechterungen gegegeben,während sich für die wirklichen Luxuspensionsbezieher und Anwärter kaum etwas geändert und schon gar nicht verschlechtert hat.Es gibt dafür viele Gründe,der Hauptgrund sind aber die öster.Strukturen,die so sind wie sie sind und sich auch nicht ändern werden.Der ASVG Versicherte ist der Depp der Nation und viele merken es nicht einmal.

schLafwandLer
00
25.11.2010, 21:36

interessante studie... not!

theEdge
 
11
25.11.2010, 20:17

wenn sie sichs selber zahlen, können sie von mir aus mit 40 in pension gehen.

edi piva
01
25.11.2010, 20:15
wie kommen sie auf die idee...

...daß öbbler ohne abschläge in die (früh)pense gehen können ? nur etwas papageiartig nachzubeten, weil es vor zig jahren mal so war, macht das ganze nicht richtiger.
außerdem sollte m.m.n. jeder in ruhestand gehen können, wann er/sie möchte. wenn ihm/ihr die aktuelle pension reicht, was spricht dagegen ? und zusätzlich wird ein arbeitsplatz für einen jungen frei.

Amenhotep IV
00
25.11.2010, 20:10
interessante Studie...

mein Grossvater ist an seiner Pensionierung krepiert, da er "nur" bis 65 als Prof. arbeiten durfte, die seinem Leben wirklichen Sinn gab - ich kann diese Studie jedoch nachvollziehen, weil viele Menschen in einer Beschäftigung "Geld erwirtschaften" müssen um einen gewissen Lebensstandard für sich und ihrer/seiner Familie zu sichern...

Arbeitsteilung ist oft sehr gut, jedoch ist die "Entlohnung" zu einseitig!

Phryx Sodalis
04
25.11.2010, 19:48

"Der Rückgang der Erschöpfungszustände könnte daher einfach die Folge des Wegfalles des Auslösers sein. Denkbar sei auch, dass Menschen ohne die Anforderungen der Arbeit einfach nicht mehr so stark bemerken, dass sie müde sind. Der Ruhestand könnte aber auch einfach mehr Zeit für entspannende Aktivitäten bringen."
Hmm, also könnte es gesundheitlich von Vorteil sein, wenn man plötzlich nicht mehr 40, 50 Stunden pro Woche hackeln muss? Das sollte man unbedingt noch mit ein paar Studien untersuchen.

astemp79
02
25.11.2010, 19:48

Wie es bei solchen oberflächlichen Studien üblich ist, werden nicht die Kernpunkte beachtet. Und deshalb haben diese Studien null Wert.

Kernpunkte PRO Frühpensionierung sind:
1. ungeliebte Arbeit (nicht das, was der Arbeitende eigentlich tun wollte)
2. fehlende soziale Kontakte (bis hin zu Mobbing durch Kollegen)
3. schlechtes Arbeitsklima, Druck von oben, Angst vor Arbeitsplatzverlust. -
Arbeitende, bei denen einer der Punkte zutrifft, werden, trotz der drohenden Betätigungslosigkeit, gerne in Frühpension gehen und nicht an Spätfolgen erkranken.

Arbeitende aber, die
1. ihre Arbeit gern tun
2. in ihrer Leistung, unabh. vom Alter, geschätzt werden
3. nette Kollegen - und
4. einen menschlichen Chef haben:
werden gerne voll weiterarbeiten.

Morpheus DerStandard
03
25.11.2010, 17:37

Artikelzitat: "Psychologen argumentieren, dass eine Arbeit, die Spaß macht, gut für das Selbstbewusstsein und das Wohlbefinden ist."

Den Job der auf dauer Spaß macht würde ich gerne sehen...

AltFreak
04
26.11.2010, 02:51

Ich glaub, Keith Richards hat so einen Job...

Morpheus DerStandard
00
26.11.2010, 09:06

Da könnten sie recht haben ;)

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