Keine Früchte im Früchtetee

25. November 2010, 09:32
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Statt Apfelstückchen enthalten viele Beutel nur ein Abfallprodukt aus der Saftherstellung - Granulat ersetzt häufig die getrocknete Frucht

Wien - Erwartet man beim Kauf von Früchtetee getrocknete Fruchtstücke, kann man durchaus eines Besseren belehrt werden. Denn nicht immer ist im Teebeutel auch drin, was auf der Verpackung aufgedruckt ist. Diese Erfahrung machten die Tester des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), die 30 Sorten Früchtetee genauer unter die Lupe genommen und dabei einiges Unerwartetes gefunden haben. Bei vier Proben wurden in der Zutatenliste angeführte Bestandteile nicht gefunden und häufig gab es Abweichungen in Bezug auf die Mengenverhältnisse. Zudem wurden in mehr als zwei Drittel der Produkte unerwünschte Verunreinigungen entdeckt. Und selbst wenn die gewünschten Zutaten vorhanden sind, lässt die Qualität oft zu wünschen übrig. Dies führte bei sechs Produkten wie dem Waldbeer-Tee von Julius Meinl oder FixFrutta und Apfel-Zimt-Tee von Teekanne zu einer Bewertung mit "weniger zufriedenstellend". Der Testsieger von Bio Primo hingegen räumte alle 100 Punkte ab.

Aroma statt Frucht

Früchtetee besteht üblicherweise aus einer Grundmischung aus unterschiedlichen Mengenverhältnissen von Hagebutte, Hibiskus und Apfel. Vor allem die Hagebutte, die für den fruchtig-sauren Geschmack sorgt, ist ein teurer Bestandteil und wird daher oft in geringeren Mengen oder als Granulat samt Samen und Haaren der Früchte zugegeben. Auch bei den Äpfeln nehmen es die Erzeuger nicht immer so genau, wird doch hier in vielen Fällen Apfeltrester - ein Abfallprodukt bei der Apfelsaftherstellung - herangezogen. Zunehmend finden sich in den Teebeuteln Granulate, also stark zerkleinerte, gepresste Fruchtanteile. Obwohl nur vier Produkte ohne Granulate auskommen, war dessen Verwendung nur auf einer Verpackung angegeben. Apropos Verpackung: Wer beim Bombeer-Himbeer-Tee von Spar mit den im Titel vorkommenden Früchten rechnet, wird einzig mit Aromen abgespeist.

Qualität lässt zu wünschen übrig

Bei diesem Test zeigt sich wieder einmal, dass Qualität nicht zwangsläufig mit dem Preis korreliert. Denn sowohl unter den "sehr guten" wie unter den "weniger zufriedenstellenden" Produkten fanden sich günstige wie teure Teesorten. Die teuersten der gestesteten Teebeutel stammen von Sonnentor (Preiselbeer Genuss und Früchtetraum). Doch liegen die biologisch erzeugten Tees des Unternehmens mit gesundem Image nur im Mittelfeld. Noch weniger überzeugen konnte der biologische Früchtebär von Natur aktiv (Hofer). Denn nicht nur die Qualität der Zutaten ließ zu wünschen übrig - der Geschmack wurde bei der Laienverkostung mit Attributen wie "schmeckt muffig" oder "stinkt" bedacht. Auch wenn nicht alle Bio-Tees eine gute Wertung abräumten, so fällt doch auf, dass unter den sechs mit "sehr gut" oder "gut" bewerteten Produkten kein einziges aus konventioneller Landwirtschaft auftaucht. VKI-Ernährungs-Expertin Birgit Beck empfiehlt: "Sucht man sich eine qualitativ hochwertige Teesorte aus, ist ein ungesüßter bzw. wenig gesüßter Früchte- oder Kräutertee ein kalorienarmer Durstlöscher und damit eine gesunde Alternative zu Limonaden." (red)

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    Aufs Siegerstockerl schafften es die Früchtetees von Bio Primo und Lebensbaum.

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