Mutter schießt am besten

  • Erschienen bei In2film, Region 2
    foto: in2film

    Erschienen bei In2film, Region 2

Eine Witwe macht kriminell Karriere: "Big Bad Mama" mit der großartigen Angie Dickinson

Die Vertreibung aus dem Paradies hat bekanntlich schon immer allerhand Aufregendes nach sich gezogen: Blitzschlag, Mammon, Sodom und Gomorrha. Nichts anderes erlebt die resolute Witwe Wilma McClatchie, welche mit ihren beiden Töchtern anno 1932 Hals über Kopf das Städtchen Paradise in Texas verlassen muss, um das drohende Unglück einer Verehelichung von ihrer Jüngsten abzuwenden.

Wilma (Angie Dickinson), Polly (Robbie Lee) und Billy Jean (Susan Sennett) bleiben auf ihrer Irrfahrt nicht lange allein. Ein Bankräuber (Tom Skerritt) und ein Gentlemangauner (William Shatner) ergänzen das unschuldig-schuldige Trio infernal. Aber Mama Wilma lernt schnell, wie man den Weg zum sorgenfreien Leben möglichst kurz hält.

Big Bad Mama, den Steve Carver 1974 inszenierte, ist Teil des umfangreichen Werks von B-Movie-Mogul Roger Corman - bei ihm haben unter anderem Francis Ford Coppola, John Sayles, Joe Dante oder Stephanie Rothman ihr Handwerk gelernt. Angie Dickinson war bereits eine fixe Größe im Filmgeschäft, als sie hier die Rolle der Gangsterin wider Willen annahm. Ihre Routiniertheit gibt dem Film, der in bester Exploitationmanier oberflächlich ist, eine gewisse Erdung: Story und Figuren mögen billig sein, aber Big Bad Mama entwickelt daraus eine Leichtigkeit, die Spaß macht.

In bester Corman-Tradition ist auch die DVD-Ausgabe aufs Wesentliche beschränkt. Es gibt null Extras, dafür sieht der Film aus wie neu. Und wer anschließend wissen will, was Dickinson neben ihren bekannten Engagements bei Point Blank, Sam Whiskey oder Dressed to Kill noch gedreht hat, dem sei die seit 2006 auf DVD erhältliche erste Staffel der US-TV-Serie Police Woman ans Herz gelegt. Zwischen 1974 und '78 versah Dickinson darin als Sgt. "Pepper" Anderson (und erste Frau in einer solchen Rolle) Polizeidienst auf den Straßen von Los Angeles. (Isabella Reicher/ DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2010)

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