Musikrundschau, gut abgehangen

25. November 2010, 17:18
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Neue Alben von CeeLo Green, Kanye West und Daniel Lanois' Projekt Black Dub

CEELO GREEN The Lady Killer (Warner)

Das dicke Goldkehlchen CeeLo Green meldet sich zurück. Unter der musikalischen Leitung des Produzenten Danger Mouse bescherte er der Welt mit Crazy den Sommerhit des Jahres 2006 und mit dem Album St. Elsewhere ein kleines Meisterwerk. 2008 folgte das vergleichsweise enttäuschende The Odd Couple des als Gnarls Barkley operierenden Gespanns, seitdem war es ruhig um Mr. Green. Nun kehrt er mit dem dämlich betitelten Album The Lady Killer wieder. Nach einem Intro, in dem er davon singt, dass er bezüglich der Damenwelt die "licence to kill" innehabe, gehts los: Bright Lights Bigger City ist eine Mischung aus James Bond und Michael Jacksons Billie Jean, was wenig originell, sondern nur abgegriffen erscheint. Dem dann folgenden Hit des Albums wurden die Zähne gezogen. Die funkige Beziehung-went-shit-Nummer Fuck You, musste Green als handzahmes, radiotaugliches Forget You noch einmal singen. Das herzhaftere Original reicht er am Ende des Albums nach. Green lässt sein prächtiges Falsett durch konventionell bis wertkonservativen Pop zwar in alle Höhen schweben, die Originalität der Gnarls-Barkley-Alben sucht man hier jedoch vergeblich. 

KANYE WEST My Beautiful Dark Twisted Fantasy (Universal)

Der HipHop-Superstar mit angeschlagenem Image veröffentlicht sein fünftes Album. Als Mann, der HipHop Stil abseits des Gangsta-Shits zurückgab, hat sich im Vorjahr ins Out geschossen, als er Country-Girlie Taylor Swift bei der Verleihung der MTV-Awards das Mikrofon entriss und den ihr zuerkannten Preis für Beyoncé reklamierte. Ausgerechnet. Wests Album ist so großartig wie schwach. Die Musik voller Ideen, aber dazu plappern Schnarchnasen Schnarchtexte im ödesten R'n'B- Style. Würde ein Brief ans Christkind etwas bringen, stünde der Wunsch, West solle sich mit CeeLo Green zusammentun, ganz oben. Ewig schad. 

BLACK DUB (Sony)

Wegen eines Motorradunfalls konnte Daniel Lanois sein Projekt Black Dub heuer beim Jazzfest Wien nicht live präsentieren. Nun ist immerhin das gleichnamige Album erschienen. Darauf ergeht sich der wegen seiner Produktionsarbeit für U2, Bob Dylan, Willie Nelson und andere berühmt gewordene Kanadier in Soundscapes, die auch U2 nicht schlecht anstünden. Meist lässt er aber Gastsänger und -sängerinnen einen gut abgehangenen Rhythm 'n' Blues mit tiefstapelnden Dub-Charakteristika begleiten. Das geht alles recht süffig runter, allein manche Texte sind für Nichthippies schlicht zum Fremdschämen. Ohren zu und durch. (flu/ DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2010)

  • "The Lady Killer"
    foto: warner

    "The Lady Killer"

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