In den Industrieländern werden nicht nur wir Menschen immer runder - US-Forscher schließen daraus, dass die Ursachen für Adipositas komplexer sind als gedacht
London - Menschen in den Industrieländern sind in den vergangenen Jahren drastisch dicker geworden. Schuld daran trage eine ungesunde Ernährungsweise und mangelnde Bewegung, heißt es. Doch nun vermuten US-amerikanische Forscher, dass dahinter mehr stecken könnte.
Yann Klimentidis von der University of Alabama in Birmingham war mit Kollegen auf Hinweise gestoßen, die auch Labortieren fetter würden. Sie gingen der Sache nach und werteten letztlich 24 Fachpublikationen mit insgesamt über 20.000 Tieren aus - darunter waren Schimpansen, Makaken und Mäuse ebenso wie Hunde und Katze.
Das einheitliche Ergebnis all dieser Studien: Auch Tiere, die in der Industriegesellschaft leben, werden immer dicker. Dabei spielt es laut Klimentidis offenbar keine Rolle, welche Nahrung sie zu sich nehmen, in welcher Umgebung die Tiere leben oder wie viel Bewegung sie haben.
In ihrer eigenen Publikation, die in den "Proceedings B" der britischen Royal Society erschien, vermuten die Wissenschafter hinter dem Phänomen Fettleibigkeit weitere Faktoren: So könnten bestimmte Viren Mensch und Tier krankhaft fett machen. Auch andauerndes Licht als Folge der modernen Lebensweise sei ein möglicher Faktor, zumal Studien zeigen, dass schon kleinste Änderungen der Lichtintensität das Essverhalten beeinflussen.
Epigenetische Fett-Effekte
Eine weitere mögliche Einflussgröße sehen die Wissenschafter in sogenannten epigenetischen Effekten - also Beeinflussungen der Aktivität von Erbanlagen, die ihre Ursachen in Umweltfaktoren haben und an nachfolgende Generationen weitergegeben werden können. Stress oder veränderte Klimabedingungen könnten hierfür beispielsweise mögliche Auslöser sein.
Das Fazit der Forscher: Fettleibigkeit ist kein simples Resultat falscher Gewohnheiten. Sie hat wahrscheinlich viele Ursachen, die folglich ebenso viele Lösungen verlangen. (APA, tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 25. 11. 2010)