Die Ansteckungsgefahr

Paul Lendvai, 24. November 2010, 18:11

Die so lange gehegten Hoffnungen, dass der Euro die europäische Gemeinschaft zusammenschweißt, haben sich nicht erfüllt

Die Weltpresse beschäftigt sich mit einem neuen Gesellschaftsspiel: Welches Euroland wackelt als nächstes? Wie schnell breitet sich die neue Seuche der Finanzkrise aus? Dass die Ansteckungsgefahr in der Eurozone der 16 Staaten groß ist, hat der Regierungschef Portugals, des mutmaßlich nächsten Hilfskandidaten, offen zugegeben.

Laut Ministerpräsident Jose Sokrates benötige Portugal keine Hilfe; er hoffe, dass die Beruhigung der Märkte nun andauere, denn Portugal sei Gefahr gelaufen,von der irischen Krise "angesteckt" zu werden. Auch der Sprecher des EU-Währungskommissars Rehn sagte, die Hilfsentscheidung zugunsten Irlands sei auch dazu bestimmt, jedwede Ansteckungseffekte für andere Volkswirtschaften des Euroraums und der EU zu stoppen.

Gerade der Fall des so lange hoch gelobten "keltischen Tigers" sollte allerdings ein Warnzeichen sein. Der irische Premier hatte vor einigen Wochen behauptet, eine Rettung durch die EU sei nicht nötig. Dazu der kritische, irische Ökonom David McWilliams: "Er hat wohl eingesehen, dass wir pleite sind, aber seine Worte sind typisch für diese Regierung, die uns seit Jahren anlügt."

Die vorgezogenen Parlamentswahlen in Irland sind freilich die direkte Folge einer doppelten - finanziellen wie politischen - Krise. Nach dem Aufstieg der grünen Insel zu einem der reichsten EU-Länder muss diese nun Unterstützung von Staaten erhalten, deren Bürger weit unter dem irischen Wohlstandsniveau leben. Das Pro-Kopf-Einkommen der Iren lag 2009 noch rund ein Viertel über dem EU-Durchschnitt. Ein enormer Bau- und Immobilienboom brach nach zwei Jahren zusammen. Mit einem gewaltigen Schuldenstand (105 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) ist die Lage potenziell so gefährlich, dass selbst die Briten und die Schweden, die nicht dem Eurosystem angehören, Irland Hilfe angeboten haben. Ausländische Banken halten 731 Milliarden Euro Forderungen gegenüber Irland.

Die Rettung Irlands dürfte trotz der großen Zusagen nur ein Tropfen auf den heißen Stein bleiben. Geraten früher oder später doch Portugal und vielleicht auch Spanien ins Visier der Spekulanten? Man weist oft darauf hin, dass Griechenland, Irland und Portugal zusammen nur sechs Prozent der europäischen Wirtschaft ausmachen. Anders liegen die Dinge aber wohl, wenn Spanien mit 11 Prozent Anteil an der Eurozone auch stolpern sollte. Viele Fragen sind offen: Werden Irland und Griechenland die Schulden je zurückzahlen können? Werden ihre Bürger die Gürtel so eng schnallen, dass sich beide Staaten nach ein paar Jahren wieder allein finanzieren können?

Die so lange gehegten Hoffnungen, dass der Euro die europäische Gemeinschaft zusammenschweißt, haben sich nicht erfüllt. Die zunehmend unterschiedliche ökonomische Entwicklung der Eurostaaten erweitert die Kluft zwischen Weichwährungsländern und stabilitätsorientierten Ländern wie Deutschland, Holland und auch Österreich. Inmitten der periodisch wiederkehrenden Hysterie von Märkten und Medien erleben wir offene oder versteckte Schuldzuweisungen und Rechtfertigungen. Niemand weiß, wo die Grenze der Belastbarkeit liegt und wie es mit dem Euro weitergeht. (Paul Lendvai, DER STANDARD, Printausgabe, 25.11.2010)

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Die Einführung der Gemeinschaftswährung .........

......... sollte der Beginn der Staatswerdung Europas sein. Aber leider ist Europa stecken geblieben und seither topt der Machtkampf zwischen jenen, die das Werk vollenden wollen und jenen die das Rad der Zeit zurück in die Zeit vor 1945 drehen wollen. Wollen wir hoffen, daß sich die ersteren durchsetzen können.

Weil Europa den Mut zur Wahrheit verloren hat.
Der Vorrang politischer Zwänge vor der Sachlichkeit ist das Übel.
Jörg Haider hat den Euro ja sehr treffend Fehlgeburt genannt und gesagt:
Die Währungsunion muss am Ende einer gemeinsamen Wirtschafts- und Finanzpolitik stehen, nicht am Anfang.
Und es ist doch klar das man gewisse Länder nicht hätte aufnehmen dürfen.
Das wussten die Politiker auch. Aber, das ist die "politische Korrektheit" im Großen, es durfte nicht offen gesagt werden.
Eine seriöse Währungsunion hätte zunächst nur D-Mark-Zone plus Frankreich umfassen dürfen.

Dann hätte sich niemals ..........

.......... Deutschland um 5 neue Bundesländer erweitern dürfen. Diese waren damals unterschiedlicher als Bayern und der Pelopones. Und auch heute - 20 Jahre danach sind die Mentalitätsunterschiede immer noch gewaltig. Diese Vereinigung war auch politisch gewollt und dafür war offenbar nichts zu teuer. Unvorstellbare 1200 Milliarden Euro sind in den letzten 20 Jahren von West nach Ost geflossen, wo es heute die besten Autobahnen und die modernsten Straßenbahnen gibt. Und im Westen fehlt vielen Gemeinden das Geld für die Ausbesserung der Frostschäden vom letzten Winter.

1. Das gleiche Volk.
2. Wirtschaftliche Misere war nicht Eigenverschulden, da Politiker nicht gewählt
3. Tatsächlich wurde der eigenständige wirtschaftliche Aufbau der Ex-DDR durch "gutgemeinte" Förderungen behindert
4. Das D mit dieser Zahlung belastet ist, ist doch wohl eher ein Gegen-Argument für weitere Belastungen.

Was ist denn ein Volk?

Eine exaktwissenschaftliche Definition dafür existiert nirgendwo; ich persönlich fühle mich als Weltbürger und Homo Sapiens und keinem Volk zugehörig.
Und wenn schon, dann mach eine gemeinsame Sprache auch noch lange kein Volk. Das wäre so, als würde man Spanien, die Dominikanische Republik und Kuba zusammenschließen, nur weil die zufällig die selbe Sprache sprechen. Zwischen den genannten Ländern liegen mehr Welten dazwischen, als zwischen den Europäischen.

[...]Das wäre so, als würde man Spanien, die Dominikanische Republik und Kuba zusammenschließen[...]
Wenn die Menschen das wollen, weil sie sich als ein Volk fühlen, dann ist es in Ordnung.
Wird es ihnen aufgezwungen, dann ist es nicht in Ordnung.
So einfach ist das.

Die Menschen sind Individuen ..............

............ und können daher niemals einen einheitlichen Willen haben. Das Volk - was auch immer man darunter verstehen mag - ist weder Subjekt noch Individuum; folgerichtig kann es weder eine Volkmeinung noch einen Volkswillen geben. Aufgabe der Politik muß es sein, die Freiheit des Inidviduums zu sichern und Einschränkungen nur in dem Maße zulassen, als dies zum Schutze der Freiheit anderer Individuen unbedingt erforderlich ist.
Menschen in das Zwangskorsett einer Nation zu pressen ist Repression und Gleichschaltung.

Menschen leben schon seit jeher in Gruppen, weil sie voneinander abhängig sind.
Natürlich gibt es einen Volkswillen, eine repräsentative Meinung.
100% Zustimmung gibt es nie.
Repression ist, einem Volk das Selbstbestimmungsrecht abzusprechen.
Und das ist sehr gefährlich, weil die sich die aufgestaute Wut über die Ungerechtigkeit dann irgendwann entlädt.

[...]Die Menschen sind Individuen[...]
Aber auch ein Mensch besteht aus mehreren Gliedern. Vielleicht würde Deine Hand in der U-Bahn gerne an die Brust der schönen Blondine fassen, aber Dein Auge sieht den 120 kg - Kerl daneben.
Am Ende muss es eine Entscheidung geben, die alle betrifft.

Arbeitsteilung ......

........ bedeutet, daß für jede Leistung eine Gegenleistung erbracht wird. Selbstbestimmungsrecht kann es nur für ein Individuum geben. Ein inhomogener Chaotenhaufen - und nichts anderes ist das Volk - kann nicht über sich selbst bestimmen, weil es eben kein Subjekt ist. Was die Menscheit heute benötigen würde ist eine globale Rechtsordnung und ein globales Grundgesetz, das das Zusammenleben der Menschen in geordneten Bahnen hält. In Teilbereichen gibt es das schon, wie etwa für den internationalen Flugverkehr. Da gibt es global gültige einheitliche Vorschriften, ohne die der Verkehr nicht funktionieren würde, wenn da etwa jedes Land eigene Vorschriften hätte.

Deine Identitätsprobleme sind Dein privates Problem.

Ich habe keine Identitätsprobleme!

Haben Sie etwa welche?

Da wohl mindestens 99% der Menschen in der ehemaligen BRD und DDR den Satz
"Wir in Ost und West sind ein Volk." unterschreiben könnten, ist es ohne Zweifel ein und dasselbe Volk.
Aber was ist mit den Punkten 2,3 und insbesondere 4?

Ich kenne genug ..........

......... die der Meinung sind, die DDR hätte bestehen bleiben und sich ebenso wie, Polen, Tschechien und alle übrigen Oststaaten selbst hocharbeiten und sich in Brüssel hinten anstellen sollen. Vielleicht gäb's dann dort auch nicht so viele braune Skinheads.

Was Leute wie Sie nicht verstehen wollen oder können ist dies:
Die EU beruht auf lauter Paradigmen, die einfach nicht stimmen, z.B:

Alle Menschen sind gleich, alle Völker sind gleich, usw...
Diese Dogmen fahren gerade eindrucksvoll gegen die Wand!

Dan müsste man ..........

......... zuallererst das Paradigma der Demokratie hinterfragen, denn es sind nicht alle Menschen Einsteins. Was kann es schon gutes bringen, wenn 100 Vollidioten mehr Gewicht haben als 5 kluge Köpfe?

Das Volk ist intelligent. Niemals hätte das Volk der Massenzuwanderung zugestimmt, wenn es darüber abstimmen hätte dürfen, ob sie stattfinden soll.

Wo gibt es denn .......

......... eine Massenzuwanderung. Derzeit ist es so, daß pro Jahr um rund 1000 Personen mehr aus Österreich abwandern, als ins Land neu rein kommen.

es war zu beweisen, daß mann nicht konkurrierenden Mitgliedern eines Vereins gestatten darf sich, ohne entsprechendes Regelwerk, aus der Vereinskasse zu bedienen

Traurig dass es einen Amerikaner braucht um die Erfolgsgeschichte des Euro (der jetzigen Krise zum Trotz) ins rechte historische Bild zu rücken - das wäre auch Lendvai gut zu Gesichte gestanden:
http://fivebooks.com/interview... en-on-euro

krise trotz oder wegen des euro?

die ökonomische krise ist weltweit, also kann der euro sie nicht allein ausgelöst haben. aber eine gemeinsame währung von unabhängigen staaten schwächt die reaktionsfähigkeit der währungspolitik und die wäre gerade jetzt gefragt. private kreditnehmer wären längst im gefängnis, würden sie so flagrant lügen, wie die staaten und regierungen das tun. das ist wahrscheinlich menschlich, aber man hätte es vorher sehen müssen.
so großartig die idee der gemeinsamen währung ist (reisefreiheit, transparente märkte, niedrigere weil vergleichbare preise...), so mies war die umsetzung und die blauäugigkeit. ich fürchte schon bald heißt die frage nur mehr, wie kommen wir da mit einem blauben auge raus... schade.

Der Euro hat in Europa genau das bewirkt

was auch weltweit der eigentliche Grund für diese Megakrise ist, nämlich gigantische Handelsungleichgewichte und Wachstum auf der Basis von uneinbringlichen Schulden. Während weltweit die Chinesen mit ihrer künstlichen Dollarstützung Handelsungleichgewichte erzeugten war es auf europäischer Ebene der Euro , der das durch seine von Anfang an nicht tragfähigen Grundkonstruktion bewerkstelligte.

Solange der Steuerzahler den Euro stützt

(800 Milliarden Hilfpaket) wird der Euro auch noch relativ gut dastehn, nur werden vieleicht die Hilfspakete einmal so groß, dass sie keiner mehr schultern kann oder will, und spätestestens dann wird auch der Euro nur mehr Schrott sein.

Angesichts der astronomischen Höhe der Schulden

und des Schadens der angerichtet wurde ist es wohl völlig ungerechtfertigt von Hysterie zu sprechen. Ganz offenbar wurde hier Bullshit im überhaupt nicht mehr vorstellbaren Ausmaß produziert der nun penetrantest zum Himmel stinkt, und was sollen da die Märkte und Medien da wohl machen? Schweigen? Das würden sich die Verursacher dieses unglaublichen Desasters wohl am allermeisten wünschen! Wer ständig alles unter den Teppich kehrt, der darf sich nicht wundern wenn sich irgendwann einmal die Spannung spontan und spektakulär entläd.

Erst Steuerdumping auf Kosten der Nachbarn, jetzt Hilfen und am Ende bekommen alles die Banken.

Verlierer sind die Völker die das zahlen, in Irland und in den Ländern, die Gelder zuschießen.
Die Bankster werden sich trotzdem wieder fette Boni auszahlen lassen.
Das Volk ist dumm und läßt sich das bieten. Wie lange noch?

http://www.heise.de/tp/r4/art... 717/1.html

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