Novell: "Unix-Rechte nicht an Microsoft verkauft"

24. November 2010, 18:44
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Weiter im eigenen Besitz - Trotzdem Schwächung des Open Invention Networks durch Patentdeal befürchtet

Bei Firmenübernahmen ist es durchaus üblich die Details der Abmachung zunächst einmal eher spärlich zu säen. So blieben denn auch bei der kürzlich verkündeten Übernahme des Softwareherstellers Novell durch Attachmate viel Fragen offen - was wiederum reichlich Platz für Spekulationen und Aufregung in der Linux-Community ließ.

Patente

Im Zentrum der Diskussionen steht dabei eine Nebenabmachung des Deals: Um 450 Millionen US-Dollar hat eine Holding, hinter der Microsoft steht, "geistiges Eigentum" von Novell übernommen. Rasch wurde bekannt, dass darin 882 Patente enthalten waren, konkrete Details blieben aber weiterhin offen, so dass die Befürchtung aufkam, dass Microsoft sich auf diesem Weg die in der Vergangenheit immer wieder stark umkämpften Unix-Rechte gesichert hat.

Keine Unix-Rechte

Nun zieht Novell zumindest unter diese Spekulationen einen Schlussstrich: Wie es in einer aktuellen Mitteilung des Unternehmens heißt, seien die Unix-Rechte nicht Teil des Deals gewesen, verbleiben also weiter im eigenen Besitz. Offen bleibt damit natürlich noch immer, wofür Microsoft konkret die 450 Millionen US-Dollar ausgegeben hat. Auszugehen ist allerdings davon, dass zahlreiche Patente aus dem Office- und Netzwerkbereich, wo Novell historisch sehr gut aufgestellt war, betroffen sind.

Kommentar

Schon vor der Mitteilung von Novell hatten so manche KommentatorInnen angemerkt, dass die Diskussion über die Unix-Rechte am realen Problem des Deals vorbeigehen. So verwies etwa der freie Software-Aktivist Bruce Perens in einem Kommentar auf Slashdot darauf, dass man längst belegt habe, dass die Unix-Rechte vollkommen irrelevant seien. Diese wären schon vor langem unter eine BSD-Lizenz veröffentlicht worden und von einem Regierungsstandard abgedeckt worden - wodurch sie für etwaige Patentklagen unbrauchbar seien.

OIN

Perens sieht in dem Novell-Deal allerdings sehr wohl ein Problem, und zwar eines, das bisher in der Diskussion untergegangen sei: Immerhin seien 481 der verkauften Patente Teil des entsprechenden Pools des Open Invention Networks gewesen. Dieses ist dazu gegründet worden, Linux gegen Patentklagen zu schützen. Durch die Weitergabe der Patente sei die Position des OIN nun aber erheblich geschwächt worden. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 24.11.10)

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